Rheawin und Nesto und der Zwerg reiten noch einige Zeit stumm nebeneinander, doch schließlich stößt Rheawin einen tiefen Seufzer aus und beginnt zu sprechen:
"Auf meiner Heimatebene lebte ich in einer prachtvollen Elfenstadt, genannt Ussilvani. Schon früh entdeckten meine Eltern mein Talent für die Hexerei und ich ging bei einem der größten Magier des Landes, Lothelatlan in Lehre.
Er weihte mich in viele Geheimnisse der Magie ein und ich war ein guter Schüler. Eines Tages beschwor mein Meister einen Dämon aus den unteren Höllen, um mir den Umgang mit diesen mächtigen Wesen zu lernen. Der Dämon war schlau und hinterlistig und konnte mich bezaubern. Unter dem Bann der geifernden Bestie griff ich meinen Lehrer mit meiner Magie an. Lothelatlan wurde zwar dank seiner Schutzzauber nicht schwerwiegend verletzt, aber durch die Unterbrechung seiner Konzentration konnte sich der Dämon aus seinem Schutzkreis befreien. Als ich den Zauber des Dämons abgeschüttelt hatte und sah wie dieser meinen Lehrmeister angriff, floh ich in heller Panik aus dem Turm des Erzmagiers. Auf dem Weg nach unten hörte ich seine Schreie und auch jemand anders hörte sie. Lothelatlan hatte einen Sohn, Elenthran, der zwar noch sehr jung war aber es war offensichtlich, dass er die Kunst der Magie seines Vaters geerbt hatte. Ich kann nur vermuten, dass er sah wie sein Vater getötet wurde und dass er wusste, dass ich die Schuld dafür hatte.
Als man mich fragte was mit Lothelatlan passiert sei, sagte ich, dass er einen neuen Zauber herstellen wollte, der über seine Fähigkeiten hinausging und dabei starb."
Rheawin macht eine Pause und atmet einige Male tief durch.
"In den nächsten Jahren lebte ich in einem eigenen kleinen Magierturm und studierte die Geheimnisse der Magie. Dabei beschäftigte ich mich nicht nur mit der weißen Magie, auch die schwarze Magie lernte ich. Damit machte ich mir keine Freunde, denn die Elfen auf meiner Heimatebene praktizieren nur die weiße Magie und verabscheuen alle anderen Arten der Magie. Nun so lebte ich also mein Leben und wurde zu einem mächtigen Magier. Eines Tages aber kam Elenthran in meinen Turm. Ich hatte ihn Jahre lang nicht gesehen und wollte es auch nicht, immer noch schmerzhaft an den Vorfall mit meinem Lehrmeister Lothelatlan erinnert und gepeinigt von den Schuldgefühlen die ich seitdem verspüre. Er war voller Zorn und Rachegelüsten. Leider überraschte er mich bei der Lektüre eines Zauberbuches und konnte so einen Zauber auf mich werfen der mich in einer magischen Schutzhülle gefangen hielt. Dann sprach er zu mir:
'Ich bin Elenthran, Sohn von Lothelatlan und ich bin hier um mit dem Mörder meines Vaters abzurechnen. Rheawin, ich weiß was Ihr getan habt und ich werde meinen Vater rächen. ich weiß, dass Ihr ein großer Magier seid, doch mein Vater war der mächtigste Magier aller Zeiten und ich, sein Sohn, bin mindestens genauso mächtig. Das Volk wird mich sogar feiern, denn dann habe ich einen schwarzen Magier zur Strecke gebracht, der mit dem Bösen im Bunde steht.'
Ich wollte etwas erwidern, doch Elenthran vollführte einen weiteren Zauber. Die magische Hülle verschwand und stattdessen betäubte ein ungeheurer Schmerz meinen ganzen Körper. Ich spürte wie die Magie aus meinem Körper gesaugt wurde, in einem schmalen Band kanalisiert, mit dem ich mit Elenthran verbunden war. Er sog meine magische Macht in sich auf und mir würde nicht mehr viel Zeit bleiben. Einen letzten Zauber konnte ich noch beschwören und damit lenkte ich meinen Widersacher ab, dann schleppte ich mich zu einem Spiegel der mit einem schwarzen Samttuch verdeckt war. Ich riss das Tuch herunter fuhr mit der Hand über die Spiegeloberfläche und schritt durch das entstehende Portal in eine andere Welt. Doch Elenthran beschwörte Ohzagoromok, den mächtigsten Dämonen der neun Höllen der sich durch einen Magier rufen läßt. Er schickte ihn hinter mir her und seitdem bin ich ein Reisender durch die Ebenen, immer verfolgt von Ohzagoromok, der eine Spur der Verwüstung hinter sich herzieht. Schon 78 Jahre reise ich von einer Ebene zu anderen und vor kurzem konnte ich dem Dämon nur knapp entkommen. Nun bin ich hier, auf Providentia und Ohzagoromok ist auch hier. Vielleicht sogar schon sein Meister, Elenthran. In jedem Fall, es ist zu spät, der letzte Kampf steht bevor, ich weiß es. Die finale Konfrontation, Elenthran und Ohzagoromok gegen mich. Es gibt kein Entkommen."