@Ferryman
Sorry für den letzten Satz in meinem letzten Post an dich. Der Sarkasums war nicht nötig. Ich hätte mich nicht auf das Niveau von anderen Leuten, die einfach mal irgendwelche Links abladen, die Verbrennung der Bibel fordern und ohne irgendwelche Argumente mir einfach "Scheuklappen" unterstellen, herablassen sollen.
Abgesehen davon: Wo, bitteschön, habe ich deine Aussagen aus dem Kontext gerissen? Du hattest auf einmal die Haltung von Leuten kritisiert, die die Bibel als Wort Gottes ansehen, obwohl dass noch nicht einmal das Thema war - es ging bis dahin nämlich ausschließlich darum, ob die heute existierenden Bibelmanuskripte mit dem Originaltext identisch sind; Nicht, ob der Originaltext selbst von Gott inspiriert ist. Und danach habe ich noch einige faktisch falsche Behauptungen von dir angesprochen, wie etwa deine Behauptung, die Evangelien seien erst frühestens 200 Jahre nach Jesu Tod entstanden. Dann habe ich mal versucht zu erklären, weshalb nicht alle Bibelübersetzungen notwendigerweise wortwörtlich miteinander übereinstimmen müssen, selbst wenn sie vom selben Originaltext ausgehen. Wo, bitte schön, habe ich irgendeine deiner Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen?
Also, erstens solltest du dich mit dem Gedanken vertraut machen, dass es keinen "christlichen Gott" gibt. Jesus lehrte den Glauben an seinen eigenen Gott. Jesus war Jude, sein Gott war Jehova, der jüdische Gott.
Grundsätzlich richtig. Nur ist das Gottesverständnis von Christen und Juden nicht wirklich kompatibel. Die meisten Juden würden die Dreifaltigkeitslehre als Blasphemie ansehen.
Der christliche Glaube definiert sich über Jesus als Sohn Gottes, er ist kein Glaube an Gott selbst, sondern ein Glaube an den Sohn Gottes...eigentlich ein Widerspruch in sich, aber darum geht es nicht.
Das ist kein wirklicher Widerspruch, sobald man das Gottesverständnis des Christentums näher betrachtet. Aber, wie du schon sagtest, darum geht es hier nicht...
Wenn du nur mal ein bisschen über den Tellerrand schauen und dir sowohl Tora als auch den Koran mal durchlesen würdest, dann könntest den Unterschied der Religionen sehr schnell feststellen: Die Christen sehen Jesus als Erlöser, nach ihm kommt kein Prophet mehr. Die Islamisten kennen Jesus als Propheten, doch nach ihm kam noch Mohammed als letzter Prophet. Und selbst die Juden akzeptieren Jesus als Propheten, doch nicht als Messias, auf den sie noch immer warten.
Ich gehe mal davon aus, du meinst hier und im folgenden Moslems und nicht Islamisten... und die Juden akzeptieren Jesus meines Wissens nach nicht als Prophet. Im Talmud, der jüdisch-rabbinischen Tradition, wird Jesus jedenfalls als ein Gotteslästerer, der zu Recht hingerichtet wurde, dargestellt, nicht als Prophet. Kann sein, dass einige Juden heutzutage Jesus als Propheten anerkennen, aber alle bestimmt nicht.
Das ist der einzige Unterschied
Selbst wenn das der einzige Unterschied wäre, so ist das immer noch ein gewaltiger. Für Christen ist Jesus nicht weniger als Gottes Sohn der sich am Kreuz geopfert hat, um Erlösung zu ermöglichen, während er für Moslems nur ein Prophet ist und es aus muslimischer und jüdischer Sicht sogar Gotteslästerung darstellt, überhaupt zu glauben, dass Gott sich in Menschengestalt offenbaren könnte.
Übrigens ist das noch nicht mal der
wichtigste Unterschied. Die Heilslehre ist viel wichtiger, und da sind die Unterschiede fundamental. Was muss man tun, um in den Himmel zu kommen? Moslems glauben, der Weg zum Paradies liege darin, nach Kräften die fünf Grundpfeiler des Islam (Bekenntnis, 5x am Tag Gebet usw.) zu befolgen. Für Christen ist schon die Frage, was man tun soll, um in den Himmel zu kommen, falsch gestellt: Man kann aus christlicher Sicht nichts für seine Erlösung tun. Nur Gott kann Erlösung bewirken. Das ist mehr als nur eine unterschiedliche Tradition oder Liturgie. Das ist ein fundamentaler Unterschied.
Klar haben Christentum, Judentum und Islam gemeinsame Wurzeln. Aber das haben Sozialdemokratie und Marxismus-Leninismus auch. Dennoch wird niemand, der nicht alles, was links von der CDU ist, verteufelt, ernsthaft behaupte wollen, dass Sozialdemokraten und Marxisten die gleichen Werte teilen und ähnliche Ideologien vertreten.
Hoffentlich hilft der gemeinsame Ursprung im Dialog unter den drei monotheistischen Religionen. Aber die Unterschiede unter den Teppich zu kehren bringt niemanden weiter. Wir müssen uns in unserer Unterschiedlichkeit respektieren. Im Englischen gibt es einen Satz, den ich nicht genauso gut ins Deutsche übertragen kann, der es aber auf den Punkt bringt: "We must learn to agree to disagree."
Die verschiedenen Bräuche, Gebetsarten und so weiter sind lediglich aus diesem einen Unterschied entstanden.
Bräuche und Gebetsarten sind Schall und Rauch. Es interessiert Gott nicht im Geringsten, ob wir ihn zu Orgelmusik, mit E-Gitarre und Schlagzeug oder ganz ohne Musik anbeten. Deshalb ist es auch kein theologisches Problem, dass in den großen Kirchen alle paar Jahrzehnte die liturgischen Regeln abgeändert werden.
Und wenn noch ein bisschen genauer liest, werden dir noch mehr Gemeinsamkeiten zwischen grad diesen drei Religionen auffallen, und ganz am Schluss, wenn du wirklich offen dafür bist, wirst du sogar vermuten, dass alle drei, nicht nur Juden und Christen, sondern auch Islamisten, vom selben Gott reden, ihn nur anders nennen.
Wir nennen ihn nicht anders - Allah ist bloß das arabische Wort für Gott.
Und wenn wir Gott definieren als ein allmächtiges, allwissendes Wesen, ohne uns um weitere Einzelheiten zu kümmern, dann sind diese 3 Götter identisch, auch wenn wir uns in den genauen Eigenschaften dieses Wesens nicht ganz einig sind. Stimmt schon. Nur sind diese "Einzelheiten" leider nicht ganz unwichtig.
Tut mir leid, dich wieder enttäuschen zu müssen: Die Hölle ist keinesfalls rein Christlich...dass die "alten", polytheistischen Religionen allesamt eine Unterwelt oder Hölle kennen, ist dir sicherlich bekannt. Dass die Juden die Hölle kennen dürfte auch noch bekannt sein. Dein Satz hätte aber auch von einem gläubigen Islamisten stammen können, der würde das selbe genauso umschreiben. Wenn du dich nicht an die Regeln des Korans hälst, wird Allah sich von dir abwenden und du landest - richtig, in der Hölle! Und erstaunlicherweise decken sich die Verhaltensregeln des Korans mit der Bibel. Einzig der Wortlaut unterscheidet sich.
Naja, da gibt es schon ein paar Unterschiede. Zum Beispiel gibt es in der Bibel keine Vorschrift, 5x am Tag zu beten. Pilgerfahrt ist auch nicht vorgeschrieben, und unter Fasten verstehen Muslime auch etwas völlig anderes als Christen. Das ist aber alles nicht wirklich entscheidend. Der entscheidende Unterschied liegt, wie schon gesagt, darin, dass man im Christentum eben NICHT glaubt, man könne sich durch Einhalten von Regeln die Erlösung erarbeiten.
Alle, die im Namen des Christentums Nichtchristen getöten haben, nur weil die sich nicht bekehren wollten, haben damit Jesu Worte aus der Bibel in eklatanter Weise verletzt.
Zu deinem ersten Satz lässt sich nicht viel sagen, ausser, dass er auf alle drei monotheistischen Weltreligionen zutrifft.
Auch auf die Juden? Haben die Juden irgendwann mal versucht, irgendwelche Nichtjuden zum jüdischen Glauben zu bekehren? Das wäre mir neu, aber völlig ausschließen möchte ich das nicht... hast du da irgendwelche Belege?
Und bevor du jetzt mit Djihad anfängst, lies den Koran...in keine einzigen Sure wird zum Kampf gegen andersgläubige aufgerufen! Andersgläubige wurden sogar akzeptiert, wenngleich sie in Islamischen Ländern eine Steuer zahlen mussten. (Wie die Juden in Europa *hust*)
Na ja... es gibt schon die eine oder andere Sure, die man durchaus so verstehen kann. Aber wenn man Bibelverse aus dem Kontext reißt, kann man auch fast alles mögliche über den christlichen Glauben "beweisen". Mit dem Koran so zu verfahren geht zweifellos auch, ist aber genauso unehrlich wie wenn man es mit der Bibel macht, deshalb würde ich das ohnehin nicht machen.
Und das mit den Andersgläubigen, die akzeptiert wurden, bezieht sich ausdrücklich nur auf "die Religionen des Buches", also Christen und Juden. Hindus oder Buddhisten oder sonstige wurden nicht toleriert. Übrigens ist es im Iran heute noch fast genau so - die Verfassung lässt als einzige Religionen neben dem Islam das Christentum, das Judentum und diese uralte Feuerreligion zu (Zoroastrianismus oder so ähnlich).
Wenn du dich auch nur 5 Minuten mit einer anderen Religion befasst hättest, anstatt nur dem Kreuz hinterher zu hecheln,
Ich glaube erst seit etwa 7 oder 8 Jahren an Jesus. Davor habe ich mich durchaus mit anderen Religionen befasst, und tue das auch weiterhin. Und zwar deutlich länger als 5 Minuten. Und auch deutlich länger als du, wage ich zu behaupten.
dann wüsstest du, dass das allerwichtigste im Islam die Schahada ist : "Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah und Mohammed ist sein Gesandter." Das sind die ersten und die letzten Worte, die ein Moslem hört. Zeig mir etwas auch nur ansatzweise vergleichbares im Christentum, was Neugeborenen ins Ohr geflüstert wird und was Sterbenden als letzter Gruss mitgegeben wird. Allein wenn du diese Worte aussprichst wirst du Islamist, also lies besser nicht laut, sonst kommst nimmer ins Paradies.
Ich glaube nicht, dass man Gott durch irgendwelche Gebetsformeln nahe kommt. Und Gott sei Dank wird nur ein kleiner Bruchteil der Babies, die diese Formel hören, später zu Islamisten!
Das mit dem 5x täglich Beten kannst du mit dem Sonntäglichen Kirchgang oder dem Abendgebet vergleichen. Es wird von jedem Gläubigen erwartet, aber sagen wir mal so: Gehst du jeden Sonntag in die Kirche? Wenn ja, wie viele leute triffst du da? Betest du jeden Abend, egal wo du bist und was du tust? Wieviele Christen glaubst du machen das? Wenn ein Moslem gläubig ist, dann versucht er das zu machen, aber wenn es nicht geht, dann wird er deswegen nicht ausgeschlossen.
Der Unterschied ist der, dass der Kirchgang nicht als Bedingung für Erlösung angesehen wird. Man geht in die Kirche, um Gott für die Erlösung zu danken, nicht, weil man befürchtet, in die Hölle zu kommen, wenn man nicht hingeht. Wer nur in die Kirche geht, um gesehen zu werden oder den neusten Klatsch mitzubekommen, kann auch gleich zu Hause bleiben.
Um deine persönlichen Fragen zu beantworten (auch wenn das mit dem Thema nicht viel zu tun hat), ich gehe schon so ziemlich jeden Sonntag zum Gottesdienst und versuche, jeden Tag mindestens 30 Minuten mit Gott zu verbringen, was mir nicht jeden Tag gelingt. Ich weiß nicht, wieviele Christen das genauso machen, aber ich weiß, dass Beten im Islam eine ganz andere Funktion hat als bei Christen. Es geht im Islam nicht wie bei Christen darum, eine Beziehung mit Gott aufzubauen und zu pflegen. Allein die Vorstellung ist schon blasphemisch.
Vielleicht wird es dich erstaunen, aber im Islam werden sowohl die Thora als auch die Bibel (jedenfalls die hebräische, die christliche gilt seit der Reformation als "befleckt") als Heilige Bücher und Worte Allahs verehrt.
Der Koran widerspricht aber der Bibel an ein paar Stellen. So ging laut Bibel der Segen Abrahams und Isaaks an Israel/Jakob weiter, womit Israel Gottes auswerwähltes Volk wurde. Im Koran ging der selbe Segen an Israels Halbbruder Ismail, den Stammvater der Araber. Eine der beiden Versionen ist falsch, und wenn wir annehmen, dass Gott nicht lügt, kann unmöglich beides von ihm stammen. Moslems lösen das Problem übrigens, indem sie die Thora überall dort, wo sie dem Koran widerspricht, für falsch überliefert erklären. Das ist ungefähr so, als ob ich dir zugestehen würde, dass du in unserer Diskussion überall da, wo ich dir nicht widerspreche, Recht hast.
Möchte mal den Christen sehen, der den Koran als Wort Gottes verehrt. Würde aber vielleicht gut tun, mal kurz über den Tellerrand zu schauen, man könnte viel lernen.
Den Koran zu lesen ist bestimmt kein Fehler, wenn man den Islam besser verstehen will. Den Koran als Wort Gottes zu sehen ist aber nicht möglich, aus den gleichen Gründen wie es umgekehrt der Fall ist. Jesus ist am Kreuz gestorben und auferstanden - das ist eine zentrale christliche Lehre. Was dem widerspricht (und der Koran tut das), kann für einen Christen unmöglich Wort Gottes sein. Alles andere würde bedeuten, dass Gott lügt.
Vielleicht intressiert es dich auch noch, dass ich nichtmal meine Ausgabe des Korans oder die Thora aus dem Bücherregal holen musste, ein kurzer Blick auf Wikipedia hat gereicht. Du musst dir also nichtmal nen Koran oder die Thora kaufen, nur mal 10 Minuten in Wikipedia investieren, damit du zukünftig nichtmehr einen solchen Stuss über andere Religionen verbreitest..es lebe das Internet!
Es ist nicht so, als hättest du mir irgendetwas fundamental Neues erzählt. Weder zum Thema Islam, noch zum Judentum, noch zu Wikipedia. Um sich ernsthaft mit Religionen auseinanderzusetzen, reicht Wikipedia bei weitem nicht - schon allein, weil da jeder rumeditieren kann wie's ihm gerade passt. Und die Tora muss ich mir schon deshalb nicht kaufen, weil sie in meiner Bibel enthalten ist, und zwar als die fünf Bücher Mose, Genesis bis Deuteronomium. Und den Koran gibt es zur Not zweifellos auch in Dutzenden oder Hunderten von Sprachen und Übersetzungen online.