Es gibt im Internet Seiten die trotz ihrer betonten Ernsthaftigkeit
vor brüllend komischen Anekdoten nur so wimmeln.
Neben dem Ärzteblatt gehört auch die Seite der Medical Tribune
zu dieser Art von Websites.
Zitat:
Linke Hand mit eigenem Willen
PORT JEFFERSON - Zum Entsetzen seiner Gattin öffnete der 73-Jährige plötzlich seine Hose und fing an, in aller Öffentlichkeit zu masturbieren. Nie zuvor war der Mann wegen Exhibitionismus aufgefallen. Der Grund für sein anstößiges Verhalten: Die linke Hand hatte sich auf mysteriöse Weise selbstständig gemacht.
"Es ist, als ob sie ihren eigenen Willen hat", so erklärte der tief beschämte Patient den Ärzten vom St. Charles Hospital in Port Jefferson, was mit ihm vorging. Nicht nur sexuell legte seine Linke Hand an ihren Besitzer. Sie zwang ihn auch, nach beliebigen Gegenständen wie Telefonkabeln oder der TV-Fernbedienung zu greifen oder sich selbst am Kragen zu packen und zu würgen.
Von seltenem Grusel-Syndrom befallen
Als er sich bei einem Bingoabend von seinem Platz erhob, um die Toilette aufzusuchen, packte die linke Hand einen Stuhl, den er dann, ohne es zu merken, hinter sich herschleifte. Auch hatte der Mann Probleme mit koordinierten bimanuellen Tätigkeiten. Beim Essen, so berichtete seine Frau, führte er beide Hände gleichzeitig zum Mund, in der einen die leere Gabel, in der anderen das Hähnchenteil.
Anamnese und neurologische Befunde führten die amerikanischen Kollegen zu einer "gruseligen" Diagnose: Der Patient litt an einem "Alien Hand Syndrom (AHS)". Dieses seltene Krankheitsbild ist dadurch charakterisiert, dass der Betroffene eine Entfremdung einer oder beider oberen Extremitäten erlebt, die dann unabhängig von seinem Willen komplexe, scheinbar zielgerichtete "Handlungen" ausführen, heißt es im "American Journal of Physical Medicine and Rehabilitation". Als ursächliche Erkrankungen bei den wenigen Fällen von AHS, die bisher veröffentlicht wurden, hat man Schlaganfälle, Alzheimer-Demenz, kortikobasale Ganglion-Degeneration oder eine Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung beschrieben. Pathoanatomisch vermuten die Gelehrten hinter der verblüffenden Symptomatik am ehesten Läsionen im Bereich des medialen Frontallappens und der umgebenden Strukturen wie Gyrus cinguli, medialer Präfrontal-Cortex und Corpus callosum. Was war nun bei dem 73-jährigen Mann geschehen?
Intensiv-Reha bändigte Eigenwillen
Er hatte einige Tage vor der Verselbstständigung seiner Hand einen Schlaganfall erlitten. In der Magnetresonanztomographie des Gehirns fand sich ein akuter Infarkt im Bereich des medialen Frontallappens, entsprechend dem Versorgungsgebiet der Arteria cerebri anterior, der auch das Gyrus cinguli und das Corpus callosum betraf. Nach drei Wochen intensiver Rehabilitationsbehandlung besserte sich die Symptomatik. Der Patient hatte zwar immer noch das Gefühl, "als ob seine linke Hand ihren eigenen Kopf hat und ergriffene Gegenstände nicht mehr loslassen will". Das Masturbieren jedoch ließ sie zur Erleichterung ihres Herrn und seiner Ehefrau bleiben.
Unwillkürliche sexuelle Eigenstimulation war bisher übrigens nur im Zusammenhang mit einer Temporallappen-Epilepsie beschrieben, berichten die Autoren. Als Folge eines Schlaganfalls feiert das Symptom Premiere.
http://www.medical-tribune.de/GMS/bericht/hand_1
Gruß JD
P.S.:Das ganze ist ein Fundstück, einschließlich der Kopfzeile