Hey Mädels!
Tess hat geschrieben:Ein_Yak hat geschrieben:Es stellt sich die Frage, wovon wir sprechen.
Die Steuer- und Abgabenlast für Unternehmen ist seit Jahren kontinuierlich gesunken.
Dann war sie bei weitem zu hoch. Bei all den Senkungen, die Du anfuehrst, frage ich mich, warum mehr Unternehmen denn je Pleite gehen oder ins Ausland abwandern.
Nun ja, die Senkungen bzw. Abschaffungen sind real. Ich habe sie mir nicht etwa ausgedacht. Ohne über die Auswirkungen jeder einzelnen Maßnahme exakt informiert zu sein, MUß es sich um eine ganze Menge Geld handeln, das dem Staat nicht mehr zur Verfügung steht und der privaten Hand zufließt. Es ist wahrscheinlich eine Frage der Verteilung, wer letztlich davon am meisten profitiert hat.
Tess hat geschrieben:
Die Vermoegenssteuer war verfassungswidrig.
Ja. Und es gibt eine soziale Verpflichtung des Eigentums in der Verfassung. Schauen wir uns die andere Seite an: Laut höchstrichterlichem Urteil gibt es ein Existenzminimum. Die Sozialhilfesätze jedenfalls sind daran nicht orientiert.
Tess hat geschrieben:
Ein_Yak hat geschrieben:
- Verlustabschreibung
- keine Besteuerung mehr von Veräußerungsgewinnen
- keine Besteuerung bei Fusionen/Kapitalerwerb
- Der Höchstsatz bei der Einkommensteuer wurde gesenkt
- Mit dem Einzug der teilweise privaten Rentenversicherung wurde Unternehmen um Lohnbestandteile entlastet.
- Die Pflegeversicherung wir dallein von den Arbeitnehmern bezahlt.
- bei der Gesundheitsreform wird die Erzielung des stabilen Beitraggsatzes ebenfalls über eine stärkere Beteiligung der Arbeitnehmer versucht.
Die letzten 3 Punkte dienen der Senkung der Lohnnebenkosten, was zwar bitter fuer die Arbeitnehmer ist, aber die Arbeitgeber entlastet. Insgesamt sind die Lohnnebenkosten viel zu hoch. Das ist das groesste Hemmnis fuer Arbeitgeber, Leute einzustellen. Zudem ein einmal Eingestellter nach Ablauf der Probezeit nicht mehr loszuwerden ist. Hier bedarf es Lockerungen.
Ich hatte es oben schon gesagt. Die sogenannten Lohnnebenkosten werden von den Arbeitnehmern miterwirtschaftet. Ja und es ist verdammt bitter für die Arbeitnehmer, denn SIE SIND ES, die permanent Verzicht üben sollen und mit immer neuen Kosten bzw. Leistungskürzungen konfrontiert werden. Und ich hoffe, das wird auch einmal zur Kenntnis genommen! Manchmal kann ich das Gejammer der Arbeitgeberverbände schon nicht mehr hören.
Vor Kurzem wurde hölchstrichterlich auch entschieden, das Mitarbeitern auch in Unternehmen bis 5 Angestellten ein Kündigungsschutz zusteht.
Nun gibt es aber Möglichkeiten, den ach so schlimmen Kündigungsschutz zu umgehen. Das Bundesarbeitsgericht z. B. hat entschieden, daß eine Probezeitverlängerung bei gegenseitigem Einverständnis möglich ist. Desweiteren besteht die Alternative befristet einzustellen. Und gerade diese Möglichkeit wird nach meiner Kenntnis exzessiv genutzt.
Tess hat geschrieben:
Ein_Yak hat geschrieben:
Profitiert haben davon v. a. die Großunternehmen, während sich dies bei Mittelstand ambivalent darstellt.
Der Mittelstand stellt 80 % aller Arbeitsplaetze, das wird immer wieder uebersehen. Großkonzerne werden unverhaeltnismaessig gefoerdert. Eine Ausbildungsabgabe (wieder mal eine neue Abgabe/Gebuehr/Steuer) wird dazu fuehren, dass noch mehr Kleinunternehmer aufgeben.
Ja, da stimmen wir überein. Der Mittelstand als tragende Säule der bundesdeutschen Wirtschaft wird ungenügend berücksichtigt. Das liegt wohl auch daran, daß die Großindustrie/unternehmen stärkere Lobbies haben. Es wäre an der Zeit, ein Mittelstandsprogramm in die Wege zu leiten. Nur ist dies auch immer an den privaten Konsum gekoppelt. Der aber sinkt, wenn sich die Einkommen immer weiter belastet werden.
Die Reallohnquote ist seit 1980 gesunken.
Tess hat geschrieben:
Ein_Yak hat geschrieben:
Mir ist diese Forderung deshalb zu pauschal.
Sie ist pauschal, trifft aber den Kern der Ursache der Misere. Wenn in meinem Verein z.B. die Mitgliederzahl sinkt (und damit die Einnahmen), erhoehen wir schliesslich auch nicht die Mitgliedsbeitraege, weil ansonsten die Mitgliederzahl noch weiter sinkt. Im Gegenteil werden Anreize geschaffen, Mitglied zu werden und zu bleiben. Der Verein "produktives Deutschland" verliert immer mehr Mitglieder in die Arbeitslosigkeit bzw. in die Firmenpleite. Das einzige, was unseren Regierenden dazu einfaellt, ist, die Mitgliedsbeitraege (Steuern, Abgaben, wie auch immer es genannt wird, denn hier entwickeln die Politiker viel Fantasie), zu erhoehen. Wer es sich leisten kann (Schumi + co.) verlegt seinen Wohnsitz/Firmensitz/Arbeitsplatz ins Ausland.
Und da will ich Dir widersprechen. De facto ist das gesamtgesellschaftliche Vermögen immer wieter gestiegen (nicht nur nominal). Das Geld ist also schon da, es hat sich nicht etwa in Luft aufgelöst. Die deutsche Wirtschaft ist durchaus konkurrenzfähig, hat eine der höchsetn Exportquoten der Welt. Ich denke, die Frage ist, wer Anreize bekommt bzw. sie nicht bekommt. Die Forderung Deinerseits lehne ich als zu pauschal ab, weil wieder nur die davon profitieren werden, die es ohnehin nicht nötig haben. Für den Mittelstand wird es sich nicht viel nehmen und die Arbeitnehmer werden kräftig zur Kasse gebeten.
Es muß nach meiner Auffassung stärker öffentlich geförderte Sektoren geben. Es ist ein großer Mumpitz, daß Alles in privater Hand preiswerter und qualtitätsbewußter von statten geht.
Frioschkrieger hat geschrieben:
Natürlich hängt die Wirkung auf die Kosten im allgemeinen auch von der Kostenstruktur des Unternehmens ab. Die Tatsache , daß sich der Stundenlohn erhöht, ist aber völlig unabhängig von der Personalaufwandsquote, da eine Absenkung von 38 auf 35 Stunden bei gleichem Lohn erst einmal nur den Stundenlohn um 8,7 % erhöht. Die Kosten eines Unternehmens verändern sich durch "die Tatsache daß" erstmal gar nicht - ganz gleich welche Personalaufwandsquote - es verändert sich nur der nominale Lohnsatz.
Folge ich jetzt mal - angestaubt und rein theoretisch - den makroökonomischen Arbeitsmarktmodellen , dann folgt aus einer Erhöhung des Nominallohns ( unter Konstanz des Preisniveaus ) eine Erhöhung des Reallohns und mithin ein Rückgang der Arbeitsnachfrage und damit ein Rückgang der Produktion. Aber wir wissen ja, daß sich wissenschaftliche Modelle nicht immer auf die Realität übertragen lassen
Nun ja, das Modell blendet eben die Umgebungsfaktoren vollkommen aus bzw. nimmt diese als statisch an. Aber vergessen wird dabei, daß es in der Industrie i.d.R. jährliche Produtkivitätszuwächse von 5 und mehr Prozent gibt.
Die Einkommen allerdings sind v. a. in den letzten 10 Jahren. auch nominal kaum gestiegen. Die Lohnzurückhaltung hat nicht etwa mehr Arbeitsplätze geschaffen.
Froschkrieger hat geschrieben:
Ein_Yak hat geschrieben:
Nun ja, dafür gibt es ja flexible Arbeitszeitmodelle. Um noch einmal auf VW zurückzukommen: Dort gibt es mehrere hundert Schichtsysteme. Auch Tarifverträge sind mittlerweile so gestaltet, daß Maschinenauslastungszeiten berücksichtigt werden.
Richtig, aber das ist auch nur wirklich dann möglich, wenn in dem Betrieb die Betriebszeit größer als die Arbeitszeit ist ( was aber in den meisten M+E-Betrieben eigentlich der Fall ist ).
Es besteht v. a. im Mittelstand erheblicher Nachholebedarf bei der Flexibilisierung der Arbeitszeiten. Tariflich ist das möglich. Interessanterweise bemerke ich immer wieder, daß es gerade die als Blockierer verschrieenen Gewerkschaften sind, die in diesem Bereich vorangehen. Eben weil sie sich auch darüber im Klaren sind, daß eine Arbeitszeitverkürzung nur mit Entgegenkommen möglich ist, so daß beide Seiten etwas davon haben.
Froschkrieger hat geschrieben:
Ein_Yak hat geschrieben:
Hierbei ist die Unterscheidung wichtig: Eine Erhöhung der Maschinenlaufzeit erhöht natürlich die die Wirtschaftlichkeit. Die Arbeitszeit aber ist an Individuen gekoppelt und deren Leistungsfähigkeit steigt bei kürzeren Arbeitszeiten. Jeder weiß, daß es einfacher ist -sagen wir - 6 Stunden etwas straffer zu arbeiten als bei 10 Stunden. Bei längeren Arbeitszeiten schleichen sich dann Pausen ein, Ermüdungserscheinungen, Konzentrationsschwächen, etc.
Nur ist das der Moment, in dem ich mir als Unternehmer 2 Fragen stellen muß:
a) übertreffen die Kapitalkosten und Kosten von Stillstand meiner Produktionsanlagen die Mehrkosten eines Personalmehrwandes ?
b) übersteigt der Wert einer Wenigerproduktion einer Vollzeitkraft die Mehrkosten , die 2 Teilzeitkräfte mit sich bringen ?
Nun, da wird es eine Grenze geben, an der es "überschwappt". Ich denke, bei etwa 6 Stunden Arbeitszeit verteilt auf vier Schichten (max. Maschinenauslastungszeit) erhöht sich die Produktivität gegenüber etwa 8 Stunden bei 3 Schichten. Man bedenke hierbei, daß die Anforderungen an die Maschinenbedienung, den flexiblen Einsatz an mehreren Arbeitsplätzen, die Überwachung gazer Fertigungsvorgänge steigen werden. Letztlich kann eine so verdichtete Arbeit bei kürzerer Arbeitszeit besser bewerkstelligt werden und damit auch produktiver.
Das ist im Ürbigen auch keine Neiddiskussion. Volkswirtschaftlich ist es einfach Unsinn, daß die die Masse der Bevölkerung mit weniger auskommen soll, da dadurch konsumtive Ausgaben zurückgeschraubt werden müssen.
Froschkrieger hat geschrieben:
Wie dem auch immer sei - es ist meine persönliche Meinung, daß die Gewerkschaften nicht nur eine Verpflichtung gegenüber ihren Mitgliedern oder den ihnen angeschlossenen Branchen haben. Die Gewerkschaften haben auch eine gesamtwirtschaftliche Verpflichtung,[...]
Richtig - und wo bitteschön haben sie denn die hintergangen?
Froschkrieger hat geschrieben:[...]aber ich empfand die Forderung nach der 35 Stunden Woche in den neuen Bundesländern angesichts der derzeitigen Wirtschaftslage als ein Schlag ins Gesicht für die über 4 mio Arbeitslosen.
Erklär das bitte, da ich nicht weiß, wie dies gemeint ist.
Froschkrieger hat geschrieben:
P.S.: ich mag diese Diskussion
Jepp.
