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"unsere jugend"
Verfasst: So 13.11.2005 - 23:36
von Dignon
hey
ich bin letztens abends nach hause gelaufen, und hab in einer seitenstraße, den 12 jährigen bruder meiner ex-freundin mit 3 freunden und ner flasche wodka gesehen.
Ich hab erstmal so getan als hätt ich sie nicht gesehen, und bin einfach weitergelaufen, und hab mich gewundert.
Ich meine ich bin auch erst 16 und damit ist der threatname ja recht riskant gewählt, aber ich meine 12 jahre, das ist noch nicht mal jugend,´das ist meiner meinung nach noch kind!
Und das war net eine außname. Letzten monat hab ich an unsrer schule gesehn wie haschisch an einen höchstens 14 jährigen verkauft wurde.
Ich bin selber, obwohl ich nicht kiffe, relativ zuhause in der szene, weil ich einfach mit vielen punks zusammen bin, wo das einfach die gängigste droge ist. Und beobachte schon seit längerer zeit, wie die kids die kommen, um was zu kaufen immer jünger werden.
Wie gesagt bin ich selber auch erst 16 und keineswegs ein unschuldsengel, hatte auch mit 14 schon meinen ersten vollrausch... aber mit 12?? da war ich noch der festen überzeugung dass mädchen eklig sind, und von alkohol wusste ich nur, dass er ekelhaft schmeckt.
Naja warte auf stellungname...
liebe grüße dignon
Verfasst: Mo 14.11.2005 - 00:18
von Therak
Tja, es geht bergab.
Auch ne schöne Geschichte, letztes Schulfest: Die Jugend (13 Jahre) besäuft sich, einer kippt um. Schul-Sanitätsdienst rückt an und was passiert? Die Säufer werfen mit leeren Bierflaschen nach der Sani-Gruppe. Okay, im besoffenen Zustand waren sie schlechte Schützen, aber ich bezweifle, dass sich noch ein Sani freiwillig für ein Schulfest einteilen lässt.
Ergebnis der ganzen Sache: Die betreffenden Eltern sind von ihren Söhnen geschockt und das nächste Schulfest ist gestrichen.
Verfasst: Mo 14.11.2005 - 01:27
von destrudo
Naja, das ist ein Phänomen unserer Zeit, würd ich sagen.
Da ich ja selbst nicht nur Soziale Arbeit studiere, sondern derzeit
auch in der offenen Jugendarbeit (Jugendtreff) arbeite, kenn ich
diese Tatsache, dass Jugendliche und auch Kinder schon sehr
früh mit Alkohol und Drogen in Kontakt kommen, nur allzu gut.
Nun gibt es viele Faktoren, die dieses Verhalten von Jugendlichen
und Kindern fördert und es gibt wohl auch keine Universallösung
für solcherlei gesellschaftliche Probleme, wie man ihnen derzeit
immer häufiger begegnet.
Eins kann ich jedoch mit Sicherheit sagen:
Wenn Kinder und Jugendliche einen Ort haben, an dem sie sich
treffen, aufhalten und feiern können - wie ein Jugendtreff
beispielsweise - und an dem es auch gewisse Grundregeln gibt,
wie die Altersgrenzen für Alkohol, Tabak, usw, dann ist dies ein
Schritt in die richtige Richtung, ein Schritt näher an unser
gesellschaftliches und soziales System.
Haben Jugendliche solche Möglichkeiten nicht, was bleibt ihnen
dann anderes übrig, als auf der Straße zu sitzen, wo es eigentlich
keinen schert, was sie tun und lassen. (siehe gegenwärtige
Situation in Frankreich)
Solch einem jungen Menschen eine Standpredigt zu halten ist
meiner Ansicht nach völlig sinnlos. Jedoch ist es mit etwas
Feingefühl und Engagement möglich, solchen Kindern und
Jugendlichen einen verantwortungsbewussten Umgang mit
Suchtmitteln beizubringen, wenn man ihnen einen Zugang zu
unserem Gesellschaftssystem ermöglicht.
Des Weiteren noch ein Aufruf an alle Eltern und
Erziehungsberechtigten:
Nehmt euch die Erziehung eurer Kinder und Schützlinge zu Herzen!
Ich weis, es gibt kein Musterbeispiel für ein perfektes
Erzieherverhalten, aber gebt dennoch euer bestes.

Verfasst: Mo 14.11.2005 - 04:30
von Manni_B
... da sage ich nur: Amerika hält Einzug und das nicht erst seit gestern.
@destrudo
... ich bin 63 Jahre alt und in meiner Kindheit/Jugendzeit gab es die von dir vorgeschlagenen Jugendtreff's nicht. Da gab es bessere Erziehung und bessere staatliche Aufsicht. (Damit will ich nicht sagen, dass es keine guten Einrichtungen sind und ich achte deine freiwillige Tätigkeit).
Ich glaube kaum, dass mir das geschadet hat.
Eine Gesellschaft ohne gewisse Werte, geht den Bach runter und es gibt einen neuen 'Wilden Westen'.
Du wirst als Erwachsener bestraft, wenn du aus einem fahrenden PKW eine Zigarettenkippe schmeißt. Wenn Zwölfjährige ältere Menschen überfallen und berauben, kümmert das noch nicht einmal die Polizei.
Armes Deutschland, mit dir geht's bergab.
Verfasst: Mo 14.11.2005 - 09:25
von hafensaenger
Damals (ja, ich weiss wie das klingt

) achtete man mehr auf seine Kinder bzw. konnte das noch und ließ in der Erziehung eine "gewisse Strenge" walten. Heute haben Kinder mehr Rechte (eigentlich nix falsches ist) und die Eltern haben einen Rattenschwanz von (gerichtlichen) Ärger am Hals wenn sie ihren Filius mal kräftig watschen.
Ergo versuchen sies mit reden und das Kind schaltet irgendwann in den Leerlauf. Das Resultat ist das das Kind sich eigene (falsche) Wege sucht die Welt (der Erwachsenen) zu verstehen. Die Folgen kennen wie ja. Und da die Eltern immer weniger zeit für ihre Kinder haben und die Kohle ranschaffen müssen wissen sie oft nicht (bzw. wollens gar nicht wissen) was ihre Kinder so treiben.
Verfasst: Mo 14.11.2005 - 09:26
von Gobo
@ Destrudo: Volle Zustimmung
@ Manni: Mein Vater ist etwa in deinem Alter... Und wenn er von seiner Kindheit erzählt, dann fällt mir eines immer wieder auf- Er wurde eben nicht nur von seinen Eltern erzogen, sondern das ganze Umfeld hat eben mehr darauf geachtet, was die Kinder so getrieben haben.
Meine Oma hatte selbst 6 Kinder, und meistens waren da noch einige mehr im Haus. Wenn die sich nicht benommen haben, gabs auch mal nen Rüffel, genauso wie mein Vater von den Eltern von seinen Freunden nen Rüffel bekam wenn er da über die Stränge geschlagen hat.
Wenn sie von jemandem dabei erwischt wurden, wie sie Mist gebaut haben, hat derjenige gleich eingegriffen... das führte wohl des öfteren dazu, dass dass mein Vater und mein Onkel manche Dinge kein zweites mal gemacht haben

Andererseits gabs aber dann auch von anderen Leuten ne "Belohnung", wenn man positiv aufgefallen ist.
Es gab einfach ein soziales Umfeld, dem es nicht völlig egal war, was anderer Leute Kinder tun oder nicht tun. Die soziale Kontrolle funktionierte eben halbwegs.
Genau das fehlt aber heute- gerade wenn beide Eltern bzw. der alleinerziehende Elternteil arbeiten gehn (müssen), ist oft den ganzen Tag niemand da, der sich für das interessiert was die Kinder so treiben. Als Einzelkind ist dann nicht mal ein Geschwisterkind da, mit dem man sich auseinandersetzen muss.
Mit viel Glück wenden sie sich an Einrichtungen, wo sie soziales Verhalten lernen. Mit etwas Pech hängen sie eben einfach nur rum mit anderen, denen es auch nicht viel besser geht.
Verfasst: Mo 14.11.2005 - 10:48
von Metal-Granzi
Hallo @ All!
Ich finde es erschreckend, welche Entwicklung die Kindererziehung und deren Stellenwert in Deutschland genommen hat. Die Eltern haben kaum noch Zeit für ihre Kinder, alternative Institutionen wie Kindergärten und Kinderhorte werden geschlossen und die Lehrer sind in ihrer pädagogischen Funktion total überfordert.
Wichtige Werte wie Respekt, Toleranz, Ehrlichkeit, Anstand und Verantwortungsbewußtsein bekommen die jungen Menschen nicht mehr vermittelt. Es gilt nur noch das "Survival of the fittest".
Ich hätte mich als Jungendliche im Traum nicht getraut, ältere Schüler oder gar Erwachsene anzusprechen oder gar zu beschimpfen (bin von Haus aus eher schüchtern

). Heute darf man als Erwachsener froh sein, wenn eine Gruppe (es ist ein Phänomen- die treten nur noch in Rudeln auf) Jugendlicher einen nur beschimpft.
Die Gewaltbereitschaft und Kriminalität ist exponential angestiegen, was deutlich macht, dass der Einfluß des gesamten sozialen Umfelds sich gewandelt hat.
Aber, ich möchte betonen, das es immer noch die engagierten Eltern, Lehrer, Erzieher etc. gibt, die ihr Bestes geben, um zumindest ihren Teil dazu beizutragen, die jungen Menschen anständig auf das Leben vorzubereiten, dass ihnen offensteht.
Verfasst: Mo 14.11.2005 - 10:57
von SirCaneghem
Dass Jugendliche schon sehr früh zu trinken oder zu kiffen anfangen hängt auch damit zusammen, dass sie nix besseres zu tun haben (irgendwann natürlich dem Zwang der Droge hörig sind, vermutlich noch von anderen Jugendlichen durch den Gruppenzwang angestachelt) bzw. Langeweile haben und so net wissen was sie zu machen haben. Früher spielte man Fußball oder experimentierte an anderen Sachen wie Kuchen backen, Chemiekästen erforschen, ging in die Kirche usw., was vor allem an der autoritären Erziehung lag, mal mehr und mal weniger streng. Natürlich gibt und gab es immer Ausnahmen. Im Zuge der Emanzipation und der "lockeren" Erziehung, triften viele Kinder ab und tun sich zwangsläufig mit ihres Gleichen zusammen, was dann zu dem oben stehenden Punkten führt.
Destrudo hat mit seinen Thesen sehr wohl Recht, wobei auch die von Manni angesprochene Erziehung und das Wertesystem, welches sich in einem ständigen Wandel befindet und statt Ordnung, Ehrgeiz, Höflichkeit, Respekt vor dem Alter heute eher Normen wie Emanzipation und Freiheit im Vordergrund stehen. Mit diesem Thema beschäftigen sich auch führende Philosophen und Theologen, die auch nicht zu einem eindeutigen Fall kommen ode gar eine Art "Lösung" des Problems sehen
Mich wundert bei der heutigen Jugend auch nix mehr....dass sich Leute zischen 11-14 mit Wodka fast totdrinken erlebe ich öfter, wobei komischerweise genau die dazugehören, die HipHopper oder Heavy Metaler sind. Das soll keine Anspielung sein, sondern nur eine Auswertung meiner Beobachtungen

Verfasst: Mo 14.11.2005 - 11:18
von Gobo
SirCaneghem hat geschrieben:Im Zuge der Emanzipation und der "lockeren" Erziehung, triften viele Kinder ab und tun sich zwangsläufig mit ihres Gleichen zusammen, was dann zu dem oben stehenden Punkten führt.
Das ist wohl nicht dein Ernst? Sind also wieder mal die bösen Emanzen an allem schuld?
Emanzipation heißt definitiv
NICHT, dass man alle Verantwortung für seine Kinder bzw die Familie über Bord wirft.
Emanzipation bedeutet, dass Frau endlich(!!) halbwegs selbst über ihren Lebensweg bestimmen kann. Eine emanzipierte Frau ist nicht zwangsläufig die knallharte Karrierefrau, die über Leichen geht um ihre Ziele zu erreichen.
Es gibt reichlich emanzipierte Hausfrauen, die sich im Gegensatz zu früheren Generationen eben nicht mehr einreden lassen, dass sie "nur" Hausfrauen sind, sondern ganz genau wissen dass sie einen wichtigen Beitrag zur Familie und zur Gesellschaft leisten.
Und wenn Frau trotz Kindern arbeitet, dann leistet sie zudem auch noch einen finanziellen Beitrag zur Familie, und trotzdem bleibt in Beziehungen meistens der weitaus größte Teil von Haushalt und Erziehungsarbeit an ihr hängen.
Emanzipation heißt in erster Linie, dass Frauen sich nicht mehr als die dummen Anhängsel von Männern mit allzuviel Testosteron behandeln lassen müssen und ihre eigenen Entscheidungen fällen dürfen.
Verfasst: Mo 14.11.2005 - 12:08
von Phillip_Lynx
Gobo hat geschrieben:SirCaneghem hat geschrieben:Im Zuge der Emanzipation und der "lockeren" Erziehung, triften viele Kinder ab und tun sich zwangsläufig mit ihres Gleichen zusammen, was dann zu dem oben stehenden Punkten führt.
Das ist wohl nicht dein Ernst? Sind also wieder mal die bösen Emanzen an allem schuld?
Emanzipation heißt definitiv
NICHT, dass man alle Verantwortung für seine Kinder bzw die Familie über Bord wirft.
Emanzipation bedeutet, dass Frau endlich(!!) halbwegs selbst über ihren Lebensweg bestimmen kann. Eine emanzipierte Frau ist nicht zwangsläufig die knallharte Karrierefrau, die über Leichen geht um ihre Ziele zu erreichen.
Es gibt reichlich emanzipierte Hausfrauen, die sich im Gegensatz zu früheren Generationen eben nicht mehr einreden lassen, dass sie "nur" Hausfrauen sind, sondern ganz genau wissen dass sie einen wichtigen Beitrag zur Familie und zur Gesellschaft leisten.
Und wenn Frau trotz Kindern arbeitet, dann leistet sie zudem auch noch einen finanziellen Beitrag zur Familie, und trotzdem bleibt in Beziehungen meistens der weitaus größte Teil von Haushalt und Erziehungsarbeit an ihr hängen.
Emanzipation heißt in erster Linie, dass Frauen sich nicht mehr als die dummen Anhängsel von Männern mit allzuviel Testosteron behandeln lassen müssen und ihre eigenen Entscheidungen fällen dürfen.
Hi Gobo,
Emanzipation hat nicht zwangsläufig mit Frauen zu tun. Ein Kind emanzipiziert sich auch von seinen Eltern oder Seiner Clique. Ein Mann emanzipiert sich von seiner Frau etc.
SirCaneghem meinte das Wort garantiert in dieser Bedeutung.
On Topic
Ich finde es auch erschreckend, wie sich die Altersgrenzen nach unten verschieben. Wobei ich die größte Ursache bei den Eltern sehen (die zum größten Teil nichts dafür können!!! ) weil sie sich nicht so um ihre Kinder kümmern können, wie diese es verdienen.
In meiner Familie geht es gottseidank, da ich genug Geld für meine 6 Kinder, meine Frau und mich verdiene, damit wir überleben können. Aber viele Eltern müssen einfach soviel arbeiten, damit wenigstens ein wenig Geld da ist. Und da bleibt dann keine Zeit für die Kinder.
Verfasst: Mo 14.11.2005 - 13:32
von Ali G
Erziehung ist meiner Meinung nach allein Sache der Eltern. Berufstätigkeit kann keine Entschuldigung dafür sein, die Erziehung zu vernachlässigen. Wer Kinder in die Welt setzt, der hat sie zu erziehen, so wie er sie auch zu ernähren hat. Die Verantwortung wird stattdessen mehr und mehr auf die Lehrer abgewälzt. Das geht so weit, dass viele Eltern mittlerweile den Lehrern Fehlverhalten und schlechte Noten ihrer Kinder in die Schuhe schieben.
Das Problem ist aber nicht nur fehlende, sondern auch falsche Erziehung. Ein gewisses Maß an Strenge gehört dazu, denn mit Kindern kann man nicht alles ausdiskutieren (Ein Beispiel: Erziehungsverbände boykottierten die "Super-Nanny", weil sie deren Methoden für zu autoritär hielten. Scheinbar herrscht teilweise die Vorstellung, Eltern dürften ihren Kindern überhaupt keine Vorschriften machen.).
Viele Jugendliche sind der Meinung, sie hätten sowieso keine Zukunft, vielleicht benehmen sie sich deshalb daneben.
Wieso machen ihre Eltern ihnen dann nicht klar, dass sie sich selbst ihre Chancen nehmen? Wissen sie es nicht besser oder haben sie dafür wirklich keine Zeit?
Natürlich spielen für so ein Verhalten auch andere Dinge eine Rolle, in schlechte Gesellschaft z.B. kann jeder mal geraten. Die Frage ist nur, wie man gelernt hat, damit umzugehen.
Verfasst: Mo 14.11.2005 - 14:21
von Mondkalb
Ein Thema, so alt wie die Welt - Beispiele gefällig?
http://www.grundschulmarkt.de/Jugend_heute.htm
Ich schätze mal, die Welt wird daran nicht zugrunde gehen und die heute Jungen werden in ein ein paar Jahrzehnten ähnlich über ihre Nachfolgegenerationen herziehen.

Verfasst: Mo 14.11.2005 - 14:24
von Therak
Tja, vieles wirkt sich bei der Erziehung mit ein. War das Kind im Kindergarten oder wurde es daheim betreut? Waren die Eltern beruftätig? Und dann spielt natürlich noch ein großer Teil der Psyche des Kindes eine Rolle.
Die einen spielen in zig Vereinen mit, haben was in der Birne und haben nen Haufen Freunde, sie sind schlicht und einfach beliebt.
Die anderen haben nur nen Haufen Freunde, weil sie eben jeden Scheiß (kiffen / Komasaufen / rauchen) mitmachen, und, sorry, aber wer heute noch mit dem Rauchen anfängt, kann nicht viel in der Birne haben. Abgesehen davon, dass jeder weiß wie schädlich das ist, kommen bald noch satte 19% Mehrwertsteuer hinzu und im Berufsleben werden bei gleichwertigen Bewerbern die Nichtraucher bevorzugt... also wer da noch mit dem Rauchen anfängt, kann nicht mehr völlig dicht sein.
Und dann gibt's noch so liebenswert schüchterne Gesellen wie mich, die ruhige Hobbies für die Wohnung vorweisen können und dessen Freundeskreis sich zwar nur auf wenige, aber dafür richtig gute Freunde beschränkt

Aber ich zähle ja auch nicht zu der hier im Thread angesprochenen Altersgruppe.
Verfasst: Mo 14.11.2005 - 18:37
von Castore
Erstmal vorweg: Endlich mal wieder ein schönes Thema !
Zu diesem (schönen

) Thema:
Es gibt sicherlich Unmengen an Faktoren in unserer Umwelt, die Jugendliche beeinflussen. Ob positiv oder negativ sei erst einmal dahin gestellt.
Klar - negativ ist das höhere Suchtpotential von jugendlichen, welches sicherlich nicht von ihnen her rührt, sondern -und hier ein ganz klarer Vorwurf an die Anbieter- durch das breite Angebot an Alko Pops etc. hervorgerufen wurde.
Cannabis ist eine etwas andere Sache, aber auch hier erlangte die Droge nur solche enorme (enorm junge) Abnehmerschaft, weil das Angebot besteht. Hierzu muss ich sagen, dass ich nahe der holländischen Grenze wohne, und dass daher dieses Phänomen auch regional bedingt sein könnte. Ich behaupte aber einfach mal, dass es auch gerade in Ballungszentren mittlerweile kein Problem sein dürfte an Haschisch zu kommen.
Aber wenn wir mal von den Drogen (Alkohol inbegriffen

) weg gehen, so ist den meisten von uns, und da schließ ich mich nicht aus, auch wenn ich selbst erst 21 Jahre alt bin, die heutige Jugend vor allen Dingen eins: Suspekt.
Die meisten von uns selbst hier befinden sich mehr oder weniger lang nicht mehr in der Jugend (rein vom biologischen Alter, nicht vom gefühlten ausgehend.

).
Wir betrachten die Jugendlichen aus den Augen eines Außenstehenden und daher sind uns viele Dinge, die wir dort beobachten können einfach fremd.
Sprüche wie "Die Jugend von heute ist ja so verdorben!" etc. sind so bekannt wie sie alt sind.
Ergo: Bereits vor 50 Jahren schimpften ältere Menschen auf die Jugend, weil sie sie einfach nicht verstanden.
Und die Jugend, die aus der Sicht der Älteren verzogen war, ist heute selber erwachsen, und schimpft genau so.
Somit ist doch alles wie damals....und mal ehrlich: aus den meisten Jugendlichen, die vor 50, 40, 30 oder 20 Jahren geboren sind, ist doch im Endeffekt doch noch was gutes geworden.
Die Jugend von heute muss sich zwar mit anderen Problemen rumschlagen als die von damals, aber im Endeffekt ist das alles im Gesamtkontext in Ordnung.

Verfasst: Mo 14.11.2005 - 19:14
von Dignon
at castore:
dann sag mir mal bitte, wie ein KIND das mit 12 anfängt wodka zu trinken, noch irgentwie die kurve kriegen soll.
Wenn mann mit 14 anfängt bier zu trinken, dann wird sich dass mit 15 auf härteren alkohol ausweiten, und dann mit 16-17 vielleicht auf haschisch steigern. Danach ist die vase, wo mann alles ausprobieren muss rum, und mann wird wieder normal (so beobachte iche s zumindest... also so war es bei den meisten meiner freunde, die jetzt schon aus dem alter raus sind.). Aber wie soll dass denn dann werden, wenn mann schon mit 12 bei wodka einsteigt?? dann wäre mann mit spätestens 14 bei haschisch und wie soll mann sich dann noch steigern? Dann müssen härtere drogen her, und wo mann dann angelangt ist wenn mann aus der vase wieder raus ist.... ich hab keine ahnung.
Ansonsten stimm ich dir 100% zu, also was du über die sprüche wie "unsere jugend ist so verdorben" gesagt hast...
also ich müsste ja hier mit SirCaneghem der jüngste sein.
deshalb haben mich die sprüche über die "jugend von heute" auch immer eher belustigt. Da ich mich selbst natürlich nicht als "verdorben" betrachte (naja ok, manchmal vielleicht

).
Ich trete dann jetzt einfach mal als verteidiger der jugend ein...
Ich meine klar, es hat sich etwas geändert, die schwangeren mädchen und die drogenabhängingen werden immer jünger, aber auf der anderen seite, wird von uns heute auch viel mehr eigenständigkeit erwartet. Ich bin 16, meine mutter ist aleinerziehend, und muss den ganzen tag arbeiten, ich muss morgens aleine aufstehen, muss mir selber was zu essen machen, muss selber gucken wie ich in die schule komme, muss danach selber kochen, meine wäsche selber waschen, geschir spülen, hof kehren etc. etc. etc. Desweiteren bezweifle ich, dass sich irgentein jugendlicher vor 30, 40 jahren schon so mit politik, oder auch mit den problemen in unserer gesellschaft beschäftigt hat, wie wir es ja auch gerade tun.
Also was ich sagen will ist, dass die gesamte kindheit einfach gekürzt wurde. Die Gymnasiasten müssen ein jahr früher stundieren...
naja sooooooooo viel was mann schreiben könnte

aber jetzt reichts.
liebe grüße Dignon
Verfasst: Mo 14.11.2005 - 20:16
von Castore
Dignon hat geschrieben:Wenn mann mit 14 anfängt bier zu trinken, dann wird sich dass mit 15 auf härteren alkohol ausweiten, und dann mit 16-17 vielleicht auf haschisch steigern. Danach ist die vase, wo mann alles ausprobieren muss rum, und mann wird wieder normal (so beobachte iche s zumindest...
Heyho Dignon !
So eine Aussage vor 30 Jahren und du wärest als absolut asozial eingestuft worden....so ein Verhalten gab es da nicht. Das war gar nicht möglich...nicht dran zu denken.
Wenn heute ein KIND mit 12 Jahren Alkohol trinkt, dann liegt das meist daran, dass das was es trinkt nicht nach Alkohol schmeckt !
Die begreifen gar nicht was sie da trinken, sondern merken nur, dass es lecker schmeckt (gar nicht nach Alkohol

) und man en bisschen wuschig wird, wenn man davon zu viel trinkt.
Das soetwas überhaupt vorkommt ist
a) ein Fehler der Konzerne, die solche Produkte herstellen
b) ein Fehler der Verkäufer, die einem 12jährigen sowas verkaufen
und erst zuletzt c) ein Fehler der Eltern, dass sie ihre Kinder nicht richtig informiert haben und sie nicht 24 Stunden im Blick haben womit sie ihre Aufsichtspflicht verletzten...da doch besser an die Leine mit der Brut, oder nicht ?
Und nur mal so: Ich kenne keinen 12jährigen der Bier mag. Oder gar Vodka pur.

DAS schmeckt nämlich alles nach Alkohol...und sowas mag so ein Knirps gar nicht.
Desweiteren bezweifle ich, dass sich irgentein jugendlicher vor 30, 40 jahren schon so mit politik, oder auch mit den problemen in unserer gesellschaft beschäftigt hat, wie wir es ja auch gerade tun.
Da täuscht du dich aber gewaltig.
Das gesellschaftliche und politische Interesse war gerade vor ca. 30-40 Jahren enorm groß.
Was der größte Teil unserer heutigen Gesellschaft für ein Interesse an Politik und Wirtschaft hat, ist eher kläglich. [/quote]
Verfasst: Mo 14.11.2005 - 21:56
von Dignon
k, gewaltiger schuss ins knie, mein beitrag
stimmt schon was du gesagt hast, bis auf die sache, dass ich gesehen habe, dass ein 12 jähriger wodka getrunken hat (siehe ersten beitrag). Genau deswegen war ich ja so schockiert. Vielleicht ist er inzwischen auch schon 13, ich hab seinen geburtstag nicht im kopf.
castore hat geschrieben:
da doch besser an die Leine mit der Brut, oder nicht ?
ob das hilft will ich mal stark anzweifeln. Wenn mich meine mutter jetzt 24 stunden am tag beaufsichtigen würde, würde ich mich umso stärker wehren. Und immer kann sie auch nicht auf mich aufpassen. ich habe mal einen artickel zu erziehungsmethoden gelesen... ich versuche mal ihn ansatzweise wiederzugeben:
"mann stelle sich vor, mann erziehe 2 kinder.
das eine in einer familie wo 24 stunden am tag die mutter da ist, es umsorgt, und sich um es kümmert.
das andere in einer familie wo, beide eltern berufstätig sind, wo das kind großenteils selber für sich sorgen muss, und nur eine vage hilfestellung bekommt.
und jetzt würden beide kinder, in eine situation kommen, wo die mutter ihnen nicht helfen kann. (zum beispiel, werden sie in versuchung geführt alkohol zu trinken, oder die schule zu schwänzen...) Jetzt sollte sich jeder selbst die frage stellen, welches der beiden kinder nun das größere selbstvertrauen hat, und welches besser weiß, wo die grenzen sind."
Ich wurde, wie schon oben erwähnt, wie das 2. kind erzogen, mein vater lebt in bayern(würzburg), ich in der nähe von marburg, meine mutter schläft noch wenn ich aufstehe und kommt um halb 8 nach hause, und dass ist jetzt so, seit ich 11 bin (anfangs hab ich halt noch bei meinen großeötern zu mittag gegessen). Ich bin gymnasiast, und habe einen notendurchschnitt von 1,8.
ich hatte (immer noch viel zu früh) mit 14 meinen ersten vollrausch. Den ersten und fast einmaligen kontackt mit marihuana hatte ich ebenfalls mit 14.
Also was ich eigentlich sagen will (und wo ich die letzten 28 zeilen drum herum geredet hab

) ist, dass ich glaube dass die kinder selber ihren weg gehen müssen, und selber einstufen können müssen, wo die grenzen sind.
Liebe grüße Dignon
Verfasst: Mo 14.11.2005 - 23:15
von destrudo
Tja, Dignons Schlussfolgerung leuchtet ein.
Man kann - darf - es den Jugendlichen und Kindern in unserer
Gesellschaft nicht nehmen, eigene Erfahrungen zu machen.
Überbehütung ist wohl der Problematik der Vernachlässigung
der Jugend nicht allzu unähnlich.
Der Mensch lernt nicht zu guter Letzt durch das Prinzip "Try and
Error". Wir machen Fehler, wir machen es besser. Oder
wir begehen die selben Fehler immer und immer wieder.
Auch wenn es mir als wohl angehender Sozialarbeiter schwer fällt,
das zu sagen, aber man kann eben nicht alle und jeden retten.
Ich will keinem die eigene Verantwortung abnehmen, sein Leben
selbst zu managen, auch keinem 12-jährigen, wodkatrinkendem
Kind. Was ich jedoch machen kann ist ihm oder ihr die Hand zu
reichen, mich anzubieten als Kontaktperson in dieser auch so
"anonymen" und selbstsüchtigen Zeit, in einer Gesellschaft
die die Existenz mancher seiner Mitglieder vergessen hat oder
nicht wahrhaben will.
In unseren Jugendlichen steckt ein gewaltiges Potential, ob sie
es nutzen will oder nicht soll ihr selbst überlassen sein.
Verfasst: Mo 14.11.2005 - 23:19
von Soltano
Meine persönliche Meinung ist, dass diese ganzen Aufklärungs-Bemühungen ein Schuss nach hinten waren/sind.
Immer jünger werden Kinder mit Drogen/Alkohol/Sexualität konfrontiert. Ziel ist es sie "reifer" zu machen, aber dass ist einfach nur falsch in meinen Augen. Man sollte sie belehren dass sie Kinder sind und nicht was sie schon machen könnten/nicht tun sollten.
Sie sollten einfach bis zu einem gewissen Alter unaufgeklärt bleiben, bis es auch der junge Verstand richtig zu deuten und nutzen weiß.
So fühlen sich Kinder immer früher "beachtet" und "reifer", was dann genau dazu führt, dass sie denken dass sie richtige Entscheidungen treffen können... Darüber könnte man sicher ewig schreiben, aber nur mal so oberflächlich beschrieben versteht wohl jeder was meiner Meinung nach das Hauptproblem "von heute" ist.
Gruß
Soltano
Verfasst: Mo 14.11.2005 - 23:38
von destrudo
@Soltano
Unaufgeklärt lassen??
Doch zu welchem Sinn und Zweck, Soltano?
Die Jugend hat ein Recht darauf zu erfahren, was diese Welt -
die WIR für sie geschaffen haben - für sie bereit hält.
Überbehütung währe hier genauso fatal wie Vernachlässigung,
soweit meine Sicht der Dinge.
Würden wir unsern Kindern absichtlich Wissen vorenthalten - was
in der heutigen aufgeklärten Zeit sowieso ein Ding der
Unmöglichkeit ist - würden sie es sich eigenständig aneignen.