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Verfasst: Fr 14.06.2002 - 13:21
von Sildariel
Mir ist in letzter Zeit aufgefallen, dass Metaphern manchmal etwas glaubhaft machen können, das nicht stimmt.
Vielleicht wissen nicht alle hier die Bedeutung von "Metapher". Ein Beispiel: "Ohne das Grundwissen kann man in Latein nichts schaffen. Das wäre, als würde man ein Haus ohne Fundament und Wände bauen wollte."

Und hier kommt meine Theorie: Jeder weiß, dass man ohne Fundament und Wände kein Haus bauen kann. Deshalb stellt man sich nicht die Frage, sondern man weiß, dass es richtig ist. Wenn man also nicht äußerst konzentriert ließt(und das macht man ja nie) fällt einem nicht auf, dass es gar nicht stimmt.

Für mich ist die Metapher nur ein Mittel der Rhetorik, die alles gut verkaufen will.
Liege ich mit meinen Folgerungen richtig oder wie seht ihr das?

Sildariel

Verfasst: Fr 14.06.2002 - 13:43
von MyBrainHurts
Was haben sie denn dir heute ins Frühstück getan, Sildaril??
Ich möchte das auch haben. :D
Das wär für mich, wie Sahne auf dem Kuchen...

So what?
;) MBH

Verfasst: Fr 14.06.2002 - 21:13
von Gerd
[quote]
Original von Sildariel:
Mir ist in letzter Zeit aufgefallen, dass Metaphern manchmal etwas glaubhaft machen können, das nicht stimmt.
Vielleicht wissen nicht alle hier die Bedeutung von "Metapher". Ein Beispiel: "Ohne das Grundwissen kann man in Latein nichts schaffen. Das wäre, als würde man ein Haus ohne Fundament und Wände bauen wollte."

Und hier kommt meine Theorie: Jeder weiß, dass man ohne Fundament und Wände kein Haus bauen kann. Deshalb stellt man sich nicht die Frage, sondern man weiß, dass es richtig ist. Wenn man also nicht äußerst konzentriert ließt(und das macht man ja nie) fällt einem nicht auf, dass es gar nicht stimmt.

Für mich ist die Metapher nur ein Mittel der Rhetorik, die alles gut verkaufen will.
Liege ich mit meinen Folgerungen richtig oder wie seht ihr das?

Sildariel

Verfasst: Sa 15.06.2002 - 08:43
von Conquistadore
Amen :D

@Sildariel: wie ich sehe bist du eine kritische Leserin, die weiß das dinge nur weil sie geschrieben stehn nicht stimmen müssen, leider glauben die meisten menschen ALLES was sie lesen

lg

Conquistadore

Verfasst: So 16.06.2002 - 08:49
von Sildariel
Hmm, ich habe jetzt irgendwie das dumpfe Gefühl, dass es nicht gerade viele verstanden haben.;D ;)

Aber eine Stroy muss ich euch erzählen:

Ich kenne jemanden, der ziemlich alles glaubt, was man ihm vorsetzt und ziemlich unkritisch ist, alles nachlabert, was man ihm vorsagt, usw.
Ich wollte dann ihn mal von seinen Irrtümen überzeugen. Ich wollte ihn von einen völlig abgefahrenen Thema überzeugen - der Wiedergeburt. Ich machte das ungefähr so:
"Sicher weißt du, dass man das Leben mit einer Kerze vergleichen kann, oder?"
"Ja, das stimmt."
"Von der Kerze kann man also das Wachs und den Docht als Körper des Menschen betrachten."
"Okay."
"Wenn nun die Lebensflamme niedergebrannt ist, was macht man dann?"
"Man zündet vorher noch eine andere Kerze an."
"Siehst du, das ist genauso mit deinem Leben. Du bekommst dann einen anderen Körper."


Und er glaubte es wirklich aufgrund meines Vergleichs. Deshalb habe ich hier den Thread aufgemacht.

Epilog:
Ich erklärte ihm, dass ich ihn nur belogen habe. Er war ziemlich sehr geschockt und war eine zeitlang sehr deprimiert. Jetzt ist er wieder normal und - wie ich glaube - etwas kritischer.

Sildariel

PS: Das mit den pueri kapiere ich nicht. Ich verstehe zwar die Wörter, kann aber keinen Sinn entdecken.

Verfasst: So 16.06.2002 - 13:28
von Susanna
Original von Sildariel:
PS: Das mit den pueri kapiere ich nicht. Ich verstehe zwar die Wörter, kann aber keinen Sinn entdecken.
Es sind Buben, Buben, die Buben machen Knabenhaftes.

Verfasst: So 16.06.2002 - 16:35
von Castore
Was ist jetzt deine Frage oder Aussage ? Metaphern sind nicht nur stilistische Erweiterungen der Sprache, sondern meiner Meinung nach schon ein grosser Bestandteil dessen. Metaphern werden dazu benutzt Dinge besser erklären zu können, da sie meist mit bildlich darstellbaren Gegenständen arbeiten (z.B. dein Haus...), die besser verständlich sind als normale gesprochene Worte. Was ist daran so besonders ?

Verfasst: So 16.06.2002 - 19:25
von Thomas
Original von Sildariel:
Hmm, ich habe jetzt irgendwie das dumpfe Gefühl, dass es nicht gerade viele verstanden haben
Tja, das stimmt wohl. Ich verstehe irgendwie diesen ganzen Thread nicht ?(

Verfasst: So 16.06.2002 - 21:29
von Wolfi
Hallo Sildariel!

also, ich denke, dass das ganz drauf ankommt, wie du die Metapher zum Einsatz bringst. Natürlich werden Metaphern auch gebraucht, um Menschen zu manipulieren, sie durch den bildhaften Vergleich besonders auf eine - vielleicht gar nicht so klare - Sache hinzuführen. Besonders bei populistischen Politikern findet diese Mittel ja oft und gerne Einsatz.

Andererseits ist die Metapher aber auch ein herrliches Stilmittel, um Dinge 'begreifbar' zu machen. Viele Sätze können oft in einem Buch nicht soviel ausdrücken, wie eine schöne Metapher.

Und die Augen offen halten beim Lesen und Hören - das bleibt uns eh nie erspart. :)

Schöne Grüße an dich
Wolfi

Verfasst: Mo 17.06.2002 - 11:38
von mightyEkk
seh ich auch so.

ne metapher ist wirklich nur n stilmittel der rhetorik. aber wenn du latein hast, dann müßte dir das doch wirklich klar sein. ist nicht cicero der größte rhetoriker aller zeiten???

nur dient eine metapher nicht unbedingt darum, alles gut zu verkaufen, sondern eher etwas zu verdeutlichen. jedenfalls wird ne metapher nicht zwangsläufig zur schönfärberei angewendet. (dann wärs ja auch ein euphemismus :)) )

aber im prinzip hast du schon recht grundsätzlich gehts in der rhetorik schon um die beeinflussung anderer, ein produkt mit bunter verpackung, schleifchen und zucker oben drauf kauft man doch auch eher, als das gleiche im tristen pappkarton.

ach ja... und ich frage mich, wie leicht dein freund zu beeinflüssen ist, wenn er nach dem nacheinander anzünden zweier kerzen plötzlich an die wiedergeburt glaubt... :))

Verfasst: Di 18.06.2002 - 17:07
von vyper
Natürlich ist die Metapher ein Mittel der Rhetorik. Aber wieso nur? Rhetorik ist in vielen Bereichen sehr wichtig. Ich kenne gute Wissenschaftler, die in ihrem Beruf scheitern, weil sie nicht in der Lage sind ihre Leistungen zu "verkaufen". Eben dieses "verkaufen" gehört aber in unserem Leben dazu.
Aber Dein Ansatz alles Geschriebene kritisch zu hinterfragen ist mit Sicherheit der richtige Weg. Leider wird dies nicht mehr richtig an Schulen gelehrt.

Tot ziens
Vyper

PS: Vielleicht gibt es ja wirklich eine Wiedergeburt - dann bist Du die Dumme und nicht Dein Bekannter:D

Verfasst: Mi 19.06.2002 - 12:13
von Lump
Ich finde aber Sildariels Ansatz nicht schlecht.
Worte als Waffe - gerade Metapher........

Leider vergesse ich immer die Bild-Zeitung mal zu lesen (nehme ich mir fest vor). Aber ich kann mir zum Beispiel gut vorstellen, dass gerade solche Medien gerne Metapher benutzen um die Meinung zu beeinflussen.

So etwas sollte man schon mal im Auge behalten udn vielleicht mal die nächste Sendung oder Zeitschrift / Zeitung auch mal unter diesem Aspekt durchlesen.

Verfasst: Mi 19.06.2002 - 16:50
von Wolfi
Hallo ihr Metaphern-Jäger :D

Das ist ja zum Mäusemelken mit euch! Da rede ich wie ein Wasserfall und lege meine Hand für die Metaphern ins Feuer und ihr glaubt trotzdem, dass das alles nicht Hand und Fuss hat. Aber da könnt ihr noch so schimpfen, wie ein Rohrspatz - ohne Metaphern wär unsere Sprache doch wie ein Wagen ohne Räder, oder? ;)

PS.: Wer Bild liest ist deswegen nicht immer automatisch auch im Bilde... mit oder ohne Metaphern - das war doch schon vorher klar wie Kloßbrühe

Verfasst: Mo 24.06.2002 - 14:32
von Cassie
Original von Lump:
Ich finde aber Sildariels Ansatz nicht schlecht.
Worte als Waffe - gerade Metapher........

Leider vergesse ich immer die Bild-Zeitung mal zu lesen (nehme ich mir fest vor). Aber ich kann mir zum Beispiel gut vorstellen, dass gerade solche Medien gerne Metapher benutzen um die Meinung zu beeinflussen.
Hi Lump,
also metaphernschwer ist die Bild nun wirklich nicht (weiß ich als jahrelange umgekehrt-in-der-U-Bahn-Leserin) aber "Worte als Waffe" - damit hast du die Stilmittel der Bild wirklich 100% auf den Kopf getroffen...
edit: Bild arbeitet gerne mit Kalauern...

Greetinx, Cassie

Verfasst: Mo 24.06.2002 - 16:04
von Lump
:) Ich finde wir können hier im Forum auch gerne über solche "Aspekte" der Sprache reden. Daher finde ich die Idee von Sildariel, hier einen solchen Threat zu öffnen zwar ungewöhnlich, doch aber logisch und sinnvoll.

Gerade "Bücherratten" wie wir sollten ishc mit dem "Missbrauch" und den "Einsatzmöglichkeiten" der Sprache auseinandersetzen. Und wir hbaen ja heir einige Leute, die viel "drauf haben" in diesem Bereich. :)

Danke Sildariel :winken:

Verfasst: Mo 24.06.2002 - 16:49
von Castore
Da hast du sicher recht, Lumpi ! Nur weil es kein Buch mit dem Namen "Metapher" gibt, kann man sehr wohl drüber reden.

Verfasst: Mo 24.06.2002 - 23:33
von Olorin
Blubb Wasser ist Nass :)

Hmm also mM. Metaphern sollen eigendlich anhand allgemein verständlicher Beispiele "sinnbildlich" erklären oder verdeutlichen was anders nur schwer verständlich ist. Man benutzt im allgemeinen dann gerne Bilder die dem Gepsrächspartner geläufiger und verstnändlicher sind um Vergleiche zu dem was man eigendlich sagen will zu ziehen und somit klar zu machen was man meint.
Metaphern sollten eigendlich nicht als Beweis für etwas hergenommen werden. Also nicht im sinne von weil das und das so ist ist dieses und jenes auch so.
Metaphern stellen vergleichsweise ähnliche Situationen her.
Es geht dabei also nicht darum dem Anderen etwas als richtig oder Falsch zu beweisen, sondern lediglich darum etwas deutlich zu machen was man erklären oder sagen will, wertfrei von dessen Richtigkeit.

Aber ich stimme dir zu das man Metaphern dazu benutzen kann etwas unsinniges sinniger zu machen indem man ein leicht verständliches und glaubhaftes Beispielt nimmt, nur Handelt es sich dan streng genommen nicht mehr um eine Metapher. Ist jezt aber nur meine Meinung.

Verfasst: Di 25.06.2002 - 01:07
von Ming_Liao
Lest doch nur mal Platons Dialoge. Man ist ständig geneigt zuzustimmen, und am Schluss kommt der größte Schwachsinn dabei heraus.

Ist übrigens nette Hirngymnastik, die Punkte zu finden wo falsch gefolgert wird. :D

Verfasst: Fr 28.06.2002 - 20:18
von Sildariel
Hey, Ming-Liao, du hast es genau erfasst! Genau das Gleiche passiert mir auch bei anderen altertümlichen Texten.

Beispiel: Jeder kennt Tolkien. Besonders in "Nachrichten aus Mittelerde" wird man zwischen den Meinungen heftig hin- und hergerissen und meistens siegt in dem Wortkampf der, der das letzte Wort hat. Dort ist es mir auch erstmals bewusst ziemlich aufgefallen.
Lumps Aussage trifft den Nagel wirklich auf den Kopf.

Sildariel

Verfasst: Sa 29.06.2002 - 09:40
von hafensaenger
@ Sildariel

Methaphern sind schon genauso alt wie die Menscheit selbst oder
die Bibel. Sie sind daraus entstanden das die meisten Menschen
visuell veranlagt sind und Bilder leichter aufnehmen können als
gesprochene Worte und Texte. Eine Kombination daraus ist immer noch am effektivsten.

Bei dem einen Menschen ist das logische Denken mehr ausgeprägt, beim anderen das Bildhafte. Leider haben das auch Leute erkannt , die diese Technik mißbräuchlich nutzen, weil man damit leicht das Unterbewußtsein manipulieren kann.

Die Medien machen es mit Suggestivwerbung
Die Politker machen es mit Rhetorik.

Das Ziel ist das Volk dumm zu halten und für dumm zu verkaufen.