Drachenbeinthron - Saga, Traumjäger & Goldpfote, Die Stimme in der Finsternis, Otherland - Saga etc.
Da ich weiss, dass sich hier einige Fans von Tad Williams tummeln, wollte ich euch erzählen, wie das Zusammentreffen mit ihm am Mittwoch, dem 09.10.02 in Freiburg (Baden - Württemberg) war:
U.F.O. Buchhandlung Freiburg:
16.30 Uhr Autogrammstunde Tad Williams im Laden
20.00 Lesung (im Carl-Schurz Haus)
Um 15.45 Uhr haben Piet und ich Mr. Williams von seinem Hotel in Freiburg abgeholt (er war um 13.48 am Bahnhof mit dem Zug angekommen und von uns mit einem dicken Blumenstrauss begrüßt worden). Nach 30 Minuten Mini - Stadtrundgang, stand dann die Autogrammstunde im U.F.O. (Buchhandlung) an. Und ab da bin ich nicht mehr von Tad Williams Seite gewichen, bis 01.00 Uhr Nachts.
EINLEITUNG:
Bevor ich jetzt mit den richtig interessanten Sachen loslege, muss ich noch kurz etwas erzählen: NACHDEM wir ihn um ca. 01.00 Uhr NACHTS zu seinem Hotel gebracht hatten, erfolgte folgender Dialog zwischen Marianne und mir (grob wiedergegeben):
Marianne *mit glänzenden Augen* (kennt seine Bücher, ist aber eigendlich kein "leidenschaftlicher Fan"):
"Der war ja unglaublich bescheiden. Überhaupt nicht abgehoben. Wahnsinn. Ich habe schon lange keinen SO sympathischen Menschen mehr kennengelernt."
Ich:
"Hast du mitgekriegt, dass JEDER - selbst solche die seine Bücher NICHT kannten - nach der Begegnung mit ihm, mit glänzenden Augen und mit einem Kiffer - Grinsen im Gesicht weggegangen sind?"
Marianne:
"Der Mann ist aber auch unglaublich. So jemanden will JEDER in seinem Freundeskreis haben."
Ich:
"Nach einer Begegnung mit ihm kann man nur euphorisch schwärmen und jeder, der Tad Williams noch nicht erlebt hat, der wird uns alle für komplett verrückt halten - das glaubt uns keiner."
Marianne:
"Ja, leider!"
WIE ER AUSSIEHT:
Er hat ein offenes, klares Gesicht mit strahlenden blauen Augen. Sein Gesicht reflektiert somit seine Persönlichkeit: Ein offener, begeister(nd)ter Strahlemann
Statur und Größe sind normal. Der Kopf ist kahlrasiert und er trägt ein leicht angerautes "Musketier - Bärtchen".
Kleidung & Erscheinung: Gepflegt & dezent.
Vom Verhalten her: Begeisterunsfähig, zappelig
DIE AUTOGRAMMSTUNDE:
Tad Williams nimt seine Arbeit ernst und vor allem: Die Fans. Er hat versucht mit JEDEN Fan zu reden, er hat JEDE Frage ausführlichst beantwortet. Er hat geredet und erzählt und Witze gemacht. Der Laden war voll und die Leute wollten nicht weggehen.
Man muss dazu sagen, dass Tad Williams sehr viele Jobs hatte, bevor er als Autor bekannt wurde: Musiker, Maler, Mitarbeiter bei Appel, Radiosprecher, sogar Schuhverkäufer. Das hat man auch gemerkt: Er ist mit Sicherheit ein genialer Unterhalter. Der Mann ist einfach der geborene Entertainer.
Ich habe gemerkt, dass "normale" Kunden in den Laden kamen, die nicht wussten wer er ist oder seine Bücher gelesen hatten. Diese blieben fasziniert stehen und hörten ihm einfach zu, kauften dann ein Buch und schwebten grinsend weg - sogar älteren Jahrgängen erging es so. Tad Williams sollte unter das Drogenschutzgesetz fallen!
Als ich meinte, er nimt seine Arbeit & die Fans ernst, war das etwas arg untertrieben. Man kann es nur schwer beschreiben, aber: Tad Williams LIEBT es auf Tour zu sein. Er ist glücklich mit Menschen reden zu können - er wird keine Sekunde müde genau das auch zu tun. Und genau dies sieht ihm JEDER an.
Die Autogrammstunde war wirklich sehr ungewöhnlich (ich habe ja schon einige mitgekriegt). Ich kam mir wirklich vor, als wäre ich in einer asiatischen Drogenhö(h)lle und Mr. Williams wäre das Opium. Ehrlich: Als eingefleischter Fan hatte ich einiges erwartet, aber dies hat selbst mich umgehauen.
Und welche Mühe er sich gemacht hat, auch ja JEDEN Namen richtig zu schreiben: Fast jedes Mal hat er zur Sicherheit noch einmal den Namen buchstabiert, den er in das Buch schreiben sollte. Mit JEDEN Fan noch etwas geredet und JEDE noch so einfach Frage ernst genommen. Bei JEDEM nachgefragt ob er etwas spezielles schreiben sollte (in das zu signierende Buch).
Die Fans selber waren etwas erschlagen: Immerhin ist er doch einer der "hohen Fantasy - Tiere". Dann kam er noch in unsere Stadt und DANN war er auch noch so eine umwerfend liebe Erscheinung - für manche war das etwas zuviel: Ich sprach mit einem Jungen im Laden, der kurz vor dem Heulen war und leicht zitterte und der dann schnell weggegangen ist (mit signiertem Buch).
Ich persönlich hatte ca. acht zu signierende Bücher: In JEDES hat er einen kleinen Satz reingeschrieben und nicht einfach "nur unterschrieben" - und das obwohl die Hölle los war und er eigendlich für so etwas keine Zeit hatte.
Dann hat er noch einige Bücher für den Laden unterschrieben. Wobei: Einige? Wir kamen mit dem Entpacken und Wiederverpacken der Bücher nicht mehr nach - er war zu schnell.
Dann wollte er umbedingt noch mehr unterschreiben und wir mussten rennen und noch mehr Kartons entpacken: Wir hatten nicht erwartet, dass er so viele Bücher signieren würde.
Nachdem er schon die Zeit um einiges überzogen hatte (Mr. Williams war nicht von seinen Fans wegzukriegen - ER wollte nicht), habe ich mich dann doch mit sanfter Gewalt durchgesetzt und ihn "genötigt" das Ganze endlich abzubrechen und etwas Warmes zu essen (jajaja, die "Mutterhormone"
IM RESTAURANT:
Wir sind dann schnell etwas essen gegangen: Piet, Mr. Williams und ich. Im Restaurant war Tad Williams nicht anders als bei der Autogrammstunde: Leidenschaftlich am Erzählen, am Zuhören und dauerbegeistert. Hätte ich ihm von der Warzen meiner Katze erzählt, er hätte wahrscheinlich eine wilde Diskussion über Tiermedizin angefangen, die ihn auch ehrlich interesssiert hätte.
Hier nun drangen aber doch auch ein paar "leise Töne" durch. Zwar geniesst Tad Williams seine Reisen wie kein anderer und besonders die Gespräche mit seinen Fans (und Nicht - Fans), aber er vermisst seine Frau und die beiden Kinder unsäglich. Es war richtig herzig wie er von ihnen erzählte, zwar nur kurz, aber sehr rührend. Seine Frau ist übrigens Engländerin und er hat auch mit ihr zusammen einige Zeit in London gelebt.
Tad Williams will umbedingt Deutsch lernen. Er meinte einige Male, dass er NICHT der "typische Amerikaner" sein will, der keine Fremdsprachen beherrscht. Daher war er ständig am Nachfragen, was dies und jedes auf Deutsch heisst und er verstand auch einiges im Deutschen recht gut. Er spricht auch ein paar Brocken Französisch und Spanisch.
Seine Begeisterung erreichte einen sehr schwärmerischen Höhe - Punkt, als er von einigen seiner Autoren - Kollegen erzählte. Es gibt viele Schriftsteller die er bewundert und die er auch sehr mag (sei es nun ihre Arbeit, oder ihre Person, oder Beides). Wenn er diesbezüglich loslegt ist er dann nicht mehr zu halten. Fast schon wie ein Groupie schwärmt und erzählt er dann: Berichtet ehrlich beeindruckt von ihren Werken oder ihrem angenehmen Wesen (falls er sie persönlich kennt).
Das war ein Punkt, der doch sehr vielen aufgefallen ist (auch später).
Er redete genauso leidenschaftlich über seinen deutschen Übersetzer. Das muss ein ungewöhnlich gewissenhafter und fähiger Zeitgenosse sein - Mr. Williams war in seiner Bewunderung fast nicht zu halten.
LESUNG:
Es kamen ungewöhnlich viele Leute (20, 30 oder mehr? Ich kann es leider nicht genau sagen.) zu seiner Lesung. Nach einem kurzen Vorwort von Uta (Carl - Schurz Haus Freiburg) legte er gleich los: Er las aus "Otherland" eine Passage vor.
Er liest sehr gut: Ahmt Stimmen nach, betont gekonnt und kann das Publikum fesseln. Dabei steht er die ganze Zeit - läuft hin und her und gestikuliert.
Nach der Lesung ging es richtig los: Das Publikum hat Fragen gestellt und diese wurden von ihm beantwortet.
Ganz ehrlich: Geht zu einer dieser Lesungen von ihm (er hat noch einige in Deutschland). Ich will und kann jetzt nicht alles zusammenfassen. Das Ganze ging eine ganze Weile.
Nur ein paar Sätze zur allgemeinen Stimmung: Wenn man dachte, dass die Leute schon bei der Autogrammstunde an seinen Lippen hingen und das schon nicht zu toppen war - dann hat man bei der Lesung eine Steigerung miterleben dürfen. Die Zuschauer haben ihm entweder mit offenem Mund fasziniert zugehört - aber meistens haben wir uns alle einfach nur schlappgelacht.
Ehrlich: Als ich bei Michael Mittermeier war, habe ich NICHT so viel gelacht wie bei einer Lesung von Tad Williams.
SEHR offen (und ausführlichst) hat er alle an ihn gerichteten Fragen beantwortet. Hier ein paar kleine Beispiele (grob wiedergegeben / zitiert):
Tad Williams: "Was mich motiviert neue Bücher zu schreiben? Naja -ich erzähle gerne Geschichten. Aber vor allem will ich nie wieder arbeiten *zwinker* und man verdient gut als Autor. Nein, ernsthaft, ich schreibe unheimlich gerne Geschichten - ich LIEBE es zu schreiben."
Tad Williams: "Ob sich in meinem Leben viel verändert hat, seiddem ich mein erstes Buch geschrieben habe? Naja, ich bin seid damals von London nach Californien gezogen und habe in der Zwischenzeit zwei Kinder. Es sind einfach zwei verschiedene Leben - in einem davon habe ich Schlaf gekriegt."
Tad Williams: "Wenn ich ein Buch schreibe, setze ich mich an meinen Schreibtisch und sage mir: Du musst jetzt schreiben, dass ist deine Arbeit. Und dann mache ich das auch. Vor allem muss ich mich dann auch an meine Arbeitszeiten halten.
Denn ich weiss dann z.B. genau, dass in ca. 1 1/2 Stunden die Babysitterin weg ist und ich muss mich nun um die Kinder kümmern. Dabei ist die einzige Möglichkeit die Beiden ruhig zu stellen, sich einfach auf sie draufzusetzen *zwinker* und sie somit am Boden festzunageln. Sobald die Nanny nicht mehr da ist nehmen die Kinder mein Gehirn, reissen es mir aus dem Schädel, schmeissen es gegen die Wand und spielen dann noch etwas Basketball damit."
(Man muss dazusagen, dass er seine Frau & die Kinder wirklich abgöttich zu lieben scheint, aber gerne solche "fiesen Bemerkungen" macht.)
DAS ENDE:
Nach der Lesung: Wir waren dann zu ca. 9 oder 10 noch etwas trinken in einer Kneipe. Tad Williams unverändert: Begeistert, nett, bescheiden, leidenschaftlich, sehr aufmerksam und mit einem Humor der keine Grenzen zu haben schien.
Was AUCH NOCH besonders an Tad Williams aufgefallen ist (meinten viele Leute):
- Er hat ausgezeichnete Manieren und ist höflich und aufmerksam.
- Der Mann hat "richtig was drauf" und brilliert durch ein ungewöhnliches Wissen und eine scharfe Intelligenz.
RESUMEE:
Am Ende blieben doch einige Fragen offen, bezüglich Tad Williams:
- "Gibt es etwas, was Mr. Williams NICHT interessiert & begeistert?"
- "Können wir genug Geld zusammenkriegen, um ihn dafür zu bezahlen hierherzuziehen - wir wollen so einen Menschen gerne IMMER um uns rum haben."
- "Woher kriegt er seine Energie? Da sind verschiedene Theorien im Umlauf: Von einem eingebauteten Sonnenkollector, bis hin zu "Der ist nicht echt, der läuft auf Dauerbatterie - mindestens Duracel!"
Mein persönliches Resumee:
- Ich war "nur" ein Fan des Schriftstellers Tad Williams. Jetzt bin ich (wie alle, die das Vergnügen hatten ihn kurz kennenlernen zu dürfen) auch noch ein Fan "des Menschen" Tad Williams.
Das könnt ihr nur verstehen wenn ihr ihn kennegelernt habt.
HIER könnt ihr sehen wo er noch Lesungen geben wird:
http://www.tadwilliams.de/news_mitte.html
Er ist noch einige Tage in Deutschland - das sollte man sich wirklich gönnen.
Sodele, hoffe euch hat das Ganze hier etwas gebracht *ächtz* - war stressig genug das hier zu schreiben *lobt mich*




