Mittelalterliche Verse und Gedicht.

Bücher (die aus Papier :), Geschichten, Gedichte (gern auch Selbstgeschriebenes) sowie literarische Verfilmungen sind Themen dieses Forums.

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Sir Marc von Göskon

Mittelalterliche Verse und Gedicht.

Beitrag von Sir Marc von Göskon »

Die Sage vom Trompetersprung

In jener Zeit, da Raub und Haß und Schwert,
Dreimal zehn Jahre das Deutsche Vaterland verheert,
Da lebt in Rheders stiller Hütte
Ein Mann in seiner Kindermitte,
Der Behler hieß, der redlich und mit Fleiß
Die seinen nährt, er war ein bied´rer Greis.
Einst riß ihn aus der Gattin Arm
Der Feinde wilde Reiterschwarm
Schon stand das Dorf in voller Glut
Vergossen war der Armen Blut.
Als Mann sprach Behler, fleht und bat,
Abwendend klug noch manche böse Tat.
Da ward ihm Feind der schwarzen Taten schwärzesterTäter,
Ein Bösewicht, er dient dem Feinde als Trompeter.
Sein Harnisch deckt ein Tigerherz.
Raub ward ihm Lust und Morden Scherz.
Voll Wut griff er des Greises Hand,
Und an des Rosses Schweif ihn band
Als wollt er ihn zur größ´ren Qual
Totschleifen über Berg und Tal.
Doch plötzlich wärmte Jünglingsblut
Des braven alten Landmanns Mut.
Er riß sich los mit starker Hand
Und hier an diesem Abgrundsrand,
Stieß er hinab mit kräft´gem Stoß
Den Wüterich und sein schnaubend Roß.
So ward der kühne Mut des Mannes höchster Schatz
Durch ihn geweiht, heißt noch "Trompetersprung"der Platz.
Oft, in stiller Mitternacht,
Wenn hier der Wand´rer einsam wacht,
Wenn horchend holden Nachtigallen
Er auch der Welle lauscht, die sich am Felsen bricht,
Dann hört er banges Sterbelallen
Es ist der Geist von jenem Bösewicht
Oft klingt es wie Trompetenklang
Und oft wie Uhu´s Grabgesang.

Gedicht von Pfarrer Joh. Franziskus Springer (gest. 1814)
(Bronzeplatte am Trompetersprung)


Der Trompetersprung

Als jenes wüste Wetter hinüber Deutschland fuhr,
Das dreißig Jahr verheert die deutsche Flur,
Da war kein Land so ferne, seine Strum hat es durchbraust,
Da war kein Tal so enge, sein Donner hat´s durchbraust.

Es lag vom Weserstrome weit ab ein Dörflein klein.
In Rheder an der Nethe da schlug das Wetter ein.
Versprengte reis´ge Knecht, von Holk´s verspriener Jagd,
Die haben´s überfallen in einer dunklen Nacht.

Mit Schüssen und Fanfaren, den Bauern ruft man wach,
Und steckt ihm eine Leuchte, den roten Hahn auf´sDach.
Das ist ein Rauben und Würgen, ein Fluchen Zeterschrei´n.
Die Hölle feiert Sabbat, beim grellen Feuerschein.

Vor allem ein Trompeter auf seinem Schecken wild,
Springt jetzend auf und nieder des Satan´s Ebenbild,
Es schmettert die Fanfare zum bangen Angstgeschrei,
Begleitet Todesstöhnen mit lust´ger Melodai.

Vom Gaule schnell geworfen, dort stürzt er auf einWeib,
Das Hilfe flehend fliehet, umfaßt ihr frech den Leib,
Schon ringt er sie zur Erde, da stürzt ein Greis herbei,
Es hat der alte Behler gehört der Enkelin Schrei´n.

Er wirft sich auf den Reiter und zwingt ihn in die Höh´,
Das Mädchen stürtzt von dannen wie ein gescheutes Reh,
Da reißt vom Sattelbogen das Faustrohr der Soldat,
Und schnell die Todeskugel die Maid ereilet hat.

Den Behler bald bezwungen hat man bestrickt die Hand,
Ihn an den Schweif des Pferdes geflochten und gespannt,
Es schwingt sich auf der Reiter, er setzt die Sporen ein,
Das Roß in wilden Sätzen springt überStock und Stein.

Bald stürtzt ein Greis zu Boden, dann schleift dasTier ihn nach
Bald wieder aufgerissen, trifft ihn des Hufes Schlag
Und durch die Nacht ertönt zum Hufschlag Wimmern Schrei´n
Trompetertöne schrillen hohnlachend zwischen drein.

Sie sind zum Bergsturz ´kommen, es geht der Schecke sacht
Da in dem alten Behler, die alte Kraft erwacht
Mit einem mächt´gen Rucke hat er die Hand befreit
Mit einem wilden Sprunge ist er dem Roß zur Seit´.

Hat das Gebiß ergriffen mit eisenharter Faust.
Drängt es dann zurück, dort wo´s Wasser braust.
Den Schecken treibt's vorwärts manch´ wüt´ger Sporenstoß
Trotz Hieben und trotz Fluchen, der Behler läßt nicht los.

Ein Ruck, es bäumt das Tier sich auf am Abgrundsrand
Ein Stoß und Roß und Reiter im graus´gen Sturz verschwand
Der Mund des Volkes währet treu die Erinnerung
Die Stelle heißt bis heute noch der "Trompetersprung".
Und wer zur Geisterstunde dort geht am Nethegrunde
Der schlägt ein Kreuz und betet, man hört ja noch zur Stunde
Am Wassergrunde gurgeln Gestöhn´ und Zeterschreien,
Trompetentöne schrillen hohnlachend zwischen drein.


Trompetersprung in Rheder

Oh, wie oft ward schon gesungen
eine grausig alte Mär
von dem Reiter, der ertrunken
mit Trompete und mit Pferd.

Und die Nethe plätschert traurig
die Geschichte vor sich hin,
und so kommen wie von selber
mir die Verse in den Sinn:

Einstmals, als die Schweden zogen
durch der Heimt weites Land,
raubten sie und rissen nieder,
was so blühend war und stand.

Auch das schöne Dörfchen Rheder
wurde leider nicht verschont -
und ich frag mich, ob sich jemals
solch ein Frevel hat gelohnt.

Ein Trompeter kam geritten,
ein ganz frecher, kecker Mann,
und er sah mit dreisten Blicken
eines Mädchens Schönheit an.

Nun, es war des alten Behlers
frommes, gutes Enkelkind,
und der ließ das nicht geschehen,
wollt´die Schmach nicht nehmen hin.

Und das Mädchen konnt´ entspringen,
doch der harte Reitersmann
schoß die Unschuld einfach nieder,
und den Alten band er dann

an das Pferd und zog ihn grausam
immer weiter mit sich fort,
bis sie kamen an den Felsen,
wo die Nethe rauscht vorm Ort.

Da befreite sich der Behler,
und es packte ihn der Mut,
und er stürzte Pferd und Reiter
in die Tiefe, in die Flut.

Und noch heut´ sagt man in Rheder,
daß des Nachts die Nethe klingt
und ein Ton, so dumpf metallen,
auf den Wassern drohend schwingt.

Theresia Bracker, nach R. Ewald

Johann Mauritz von Mengersen

Es hängt in alter Hauskapelle
Ein abgebleicht Familienbild: Gefangen sitzt in dunkler Zelle
Ein Ritter, ohne Schwert und Schild;
Sein Haupt bedeckt mit Blut und Wunden,
Sein Antzlitz bleich und kummervoll;
Wohl zählt er einsam Stund´ auf Stunden,
Bis herber Tod ihn lösen soll.

Er focht als Feldherr aus Westphalen
Bei Belgrand unter Prinz Eugen,
Muß kühnen Muth mit Ketten zahlen,
Im Burgverlies beim Saracen.
Enthaupten, doch zuvor ihn heilen,
Will Moslems Volk den tapfern Feind,
Ihn, dessen Schaaren heimwärts eilen,
Wo längst die Seinen ihn beweint.

Schon mindern sich des Ritters Leiden,
Schon wächst des Pöbels wilde Lust:
Da rührt des Arztes Sklav beim Scheiden
Durch milden Blick die wunde Brust.
"Wie, Freund? Ihr wolltet Trost mir schenken?
Ihr fühlet Mitleid? - Dann schafft fort,
des Schreien hier! Gott wird´s gedenken!
Dies sei mein Dank und Abschiedswort!"

Er gibt den Brief. - Zwei Adlerflügel?"
Der Sklav betrachtet unverwandt
Das Wappen: "Woher kommt dies Siegel?
Es mahnt mich an mein Vaterland."
"Ihr kennt es? meines Hauses Wappen!
Ich stamm´aus fernem Nethegau;
Westphalen hegt mir Söhn´und Knappen,
Wer bringt den Abschied meine Frau?"

Da sinkt er zu des Ritters Füßen:
"Aus Rheder Ihr, im Nethetal?
O laßt als meinen Herrn euch grüßen!"
Und Thränen flossen ohne Zahl.
"Ich bin der tolle Küchenjunge,
Herr! Euer Jugendspielgenoß,
Verlor für meine böse Zunge
Den Dienst auf Eurer Väter Schloß.

Mich trieb´s umher von Land zu Lande,
In Holland dann zu Schiff auf´s Meer,
Nach Afrika in Sklavenbande;
Als Sklav des Arztes zog ich her,
Um hier nach Jahren Euch zu finden,
Euch, meinen Herrn in dieser Noth!
Wie solchen Jammer überwinden!
Ich rett Euch, bräch´es mir den Tod!"

Er geht; geschäftig kehrt er wieder,
Den Korb des Arztes in der hand,
Für Salben auf die wunden Glieder;
Heut birgt er Turban und Gewand.
"Die Wachen wechseln jetzt, sie denken,
Es kam der Arzt zugleich in´s Haus.
Laßt kleiden Euch und blindlings lenken,
Als Arzt geleit´ ich Euch heraus."
So schreiten fest durch´s Burgthor Beide;
Schon warten Pferde vor dem Ort,
Dann sausen sie durch Holz und Haide,
Durch Ungarn und durch Oestreich fort,
Bis hin nach Rheder. - Wer beschriebe
Hier Wiederseh´n und Jubelton!
Noch manches Jahr blieb Dank und Liebe
Des grauen Dieners reicher Lohn.


Weiter machen erwünscht.
Sir Marc von Göskon

Beitrag von Sir Marc von Göskon »

Reimars

Owê daz wîsheit unde jugent,
des mannes schœne noch sîn tugent,
niht erben sol, sô ie der lîp erstirbet!
daz mac wol klagen ein wîser man,
der sich des schaden versinnen kan,
Reimâr, waz guoter kunst an dir verdirbet.
dû solt von schulden iemer des geniezen,
daz dich des tages wolte nie verdriezen,
dun spræches ie den frowen wol mit ir vil reinen siten.
des sün si iemer danken dîner zungen.
hetst anders niht wan eine rede gesungen,
'sô wol dir, wîp, wie reine ein nam!', dû hetest alsô gestriten
an ir lop daz elliu wîp dir gnâden solten biten.

Dêswâr, Reimâr, dû riuwes mich
michels harter danne ich dich,
ob dû lebtes und ich wær erstorben.
ich wilz bî mînen triuwen sagen,
dich selben wolt ich lützel klagen:
ich klage dîn edelen kunst, daz sist verdorben.
dû kundest al der werlte fröide mêren,
sô duz ze guoten dingen woltes kêren.
mich riuwet dîn wol redender munt und dîn vil süezer sanc,
daz die verdorben sint bî mînen zîten.
daz dû niht eine wîle mohtest bîten!
sô leiste ich dir geselleschaft: mîn singen ist niht lanc.
dîn sêle müeze wol gevarn, und habe dîn zunge danc.
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