David Lynch

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wormthrax
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David Lynch

Beitrag von wormthrax »

abend allerseits

ich muss jetzt mal ein thread über den filmemacher david lynch öffnen, auch wenn viele seine werke als "wahllos", "wirr" oder auch "stümperhaft" und "frech" abtun und jüngste ereignisse wie die gründung einer Geistigen-Elite Universität ihn nicht im besten Licht erscheinen lassen
Es stimmt, die Kulisse bei seinen Filmen ist recht dürftig, Dialoge gibt es nur wenige und wenn erscheinen sie zusammenhangslos und die story als solche ist meist an den haaren herbeigezogen, nicht selten verwendet lynch brutal-obszönes material
aber anhand der herausragenden musik, vor allem bei den effekten, und der verzwickten szenischen darstellung fällt das geradezu in den hintergrund
irgendwie hat man das gefühl alles ist nicht mehr teil eines plots, sondern mysterium einer realität

eine fülle an mindestens 2 möglichen klärungen der geschichte war ja schon in "twin peaks" da ( ich suche immer noch nach hinweisen im film ob denn nun der vater oder ein fremder der mörder war)
bei "lost highway" und "mullholland drive" gibt es schon eine riesige fülle an möglichkeiten, die handlung läuft auch nicht chronologisch


aber am meisten beeindruckt und erstaunt hat mich "Inland Empire", vor allem die visuellen effekte und die kamera
es ist manchmal wahnsinn bei diesen schnell wechselnden abfolgen mitzukommen, man hat aufgrund von eingeworfenen unrealistischen sachen ständig die variante im hinterkopf das alles gezeigte nur seelenwirrwarr der gespielten person ( vor allem in diesem fall) ist und muss dann auf alles achten, vorgeschehnisse, auch auf die sprache, sich wiederholende kameraperspektiven und auch objekte in der kulisse, das wort an der garagenwand oder die grünen schuhe...und er ist auch zeitversetzt wie etwa "lost highway" und ein filmdreh ist objekt der geschichte
also, bei diesem "Inalnd Empire" hab ichs wirklich nach anderthalb stunden aufgegeben, auf das ende gewartet und mich treiben lassen,.
zack,. da wird man grad wieder überrascht, wenn auch postiv
aber das wird nicht etwa so stehengelassen, nein
die letzte szene spult grad komplett an den anfang des films und die erste konfrontation mit der hauptperson zurück, wird neu dargestellt und zum schluss weiß man nun wieder nicht, was denn nun wirklich passiert ist und wieder neue fragen sind aufgetaucht
und man hat dann irgendwie wieder das gefühl alles verpasst zu haben und das obwohl die handlung provokant eine halbe stunde lang geradlos und relativ "sinnfrei-normal" verlief, ja ich glaube das ist ein passendes wort... gnah, dieser lynch
außerdem hing sie wie gesagt oft in der luft, da sucht man dann nach einer allgemeinen aussage im film und konzentriert sich nicht auf den ohnehin schon höchst komplexen plot
gelgentlich nervt das auch, man denkt man ist eine maus, die mit einem stück käse und einer schnur an der nase herumgeführt wird

es ist auch so schwierig darüber etwas umfassendes zu schreiben, man müsste wirklich die filme auseinandernehmen, aber vielleicht kennt jemand oder mehrer seine filme auch genauer und möchte diskutieren?
nur ungern gespräche über seine "öffentliche" biographie, meist bringt das ja nur rückschlussvermutungen
ich hoffe ich konnte auch einigermaßen verständlich rüberbringen, was allgemein seine filme ausmacht und einige personen anregen
die anderen, die filme schonmal gesehen haben, wiederrum möchte ich fragen, was sie denn von ihm halten


ich spreche jetzt übrigens von Lynchs eigens gemachten Sachen, bei "Wild at heart" und "Dune" hat er ja nach einer Romanvorlage verfilmt, die beiden haben mir auch nicht so gut gefallen, bei dune war dieser fantasy aspekt in der geschichte noch interessant, aber wild at heart war schlecht, möchte ich zwar ungern anschneiden, aber kann man ja bei gelegnheit auch tun
den "elefantenmensch" mochte ich auch nicht, das Thema war einfach grausig, starr, stumpf und ich finde schwarz-weiß filme sowieso blöd
ich bin allerdings sehr auf "eraserhead" gespannt, leider ist der nur noch sehr schwer aufzutreiben, wenn jemand da eine quelle kennt, bitte unbedingt mitteilen

die anderen hab ich in den letzten wochen verschlungen, wobei man bei solchen filmen keine entspannende wirkung erwarten darf, im gegenteil, sie fordern geradezu dazu auf in allen bereichen mitzudenken und dranzubleiben
also: wer grad lust auf irgendeinen zombiefilm hat, wo die bereits verfaulten gedärme durch die gegend fliegen...erstmal liegenlassen :)) :unschuldig:
"nadja" und "blue velvet" hab ich mir noch nicht angeschaut, leih ich mir aber demnächt mal



viele grüße


wormthrax
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Rezeguet
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Beitrag von Rezeguet »

ist eigentlich noch irgendwem ausser mir aufgefallen dass

lost highway die verfilmung von goethes faust ist?
Daily Telegraph hat geschrieben:"Ein englischer Klub schlägt einen deutschen im Elfmeterschießen - notiert diesen Tag in euren Geschichtsbüchern."
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Pottenham
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Beitrag von Pottenham »

:winken:

Tja,dieser Lynch. :)
Ich tue mich immer etwas schwer damit seine Filme zu bewerten.
Sicherlich steckt in seinen Werken stets ein hoher künstlerischer Anspruch.In einigen seiner Werke ist das aber auch schon alles.

Erazerhead ist so ein Paradebeispiel dafür.Der Film steckt voller verstörender Szenen die man eigentlich unendlich interpretieren kann.Dafür ist er aber auch unerträglich langweilig ohne Dramaturgie und nur mit einer rudimentären Handlung versehen.

Generell empfinde ich seine Filme als zu anstrengend um sie gerne sehen zu wollen.Obendrein kann ich der Charakterzeichnung seiner Protagonisten meist kaum etwas interessantes abgewinnen,meistens empfinde ich die einfach nur als hohl (Saylor&Lula,Mulholland Drive,Lost Highway)und ihr Schicksal ist mir dann auch irgendwann egal,Ausnahme "Der Elefantenmensch".

Der einzige mir bekannte Film von ihm dem ich das Prädikat "sehr gut" verleihen würde ist Blue Velvet.

Für alle seine Filme gilt aber:Um mir die anschauen zu wollen muß ich in der passenden Stimmung sein,was nur selten vorkommt. 8)

Grüße aus Pottenham
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Rheingold
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Beitrag von Rheingold »

Rezeguet hat geschrieben:ist eigentlich noch irgendwem ausser mir aufgefallen dass

lost highway die verfilmung von goethes faust ist?
Hihoo Rezeguet,

doch, das ist mir auch aufgefallen ... aber wo sind die Klassiker nicht in irgendeiner Art wieder zuerkennen: FAUST, ROMEO + JULIA, DER RING etc.

Ist mal einem aufgefallen, das in HERR DER RINGE Wagners RING steckt?

Aber David Lynch ist schon ein guter, das kann man sagen.

Viele Grüße
Rheingold
wormthrax
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Beitrag von wormthrax »

ist eigentlich noch irgendwem ausser mir aufgefallen dass

lost highway die verfilmung von goethes faust ist?

interessant, darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht...
aber...ja, stimmt, es gibt die parallelen in der geschichte, aber die "verwandlung" ähm, z.B. als ein hauptmerkmal, könnte ich jetzt nicht direkt zuordnen
denn bei lynch sind ja eigentlich zwei verschiedene personen am ablauf der handlung beteiligt und da fehlt mir irgendwie auch der bezug zum guten (wo ist die aufopferung?)

lynch stellt ja alles so negativ bzw. nicht postiv oder hoffnunggebend dar, die morde, betrug in vielen hinsichten,,,eigentlich wird sogar die justiz schlecht dargestellt,,, als würde der mensch eben nur im strudel der zeit mitlaufen oder vom bösen ständig verführt sein...
also so hatte ich den eindruck wenn ich jetzt nochmal drüber nachdenke, von "lost highway"

ich weiß nicht, so ganz kann ich erstmal den bezug zu faust dann doch nicht erkennen/herstellen...finden...
das ist ja echt interessant, klärst du mich eventuell auf?
oder wie siehts aus? :)




@pottenham
ich hoffe erazerhead ist nicht so furchtbar wie du sagst, ich weiß noch wie ich beim "elefantenmensch" am liebsten einfach ausgemacht hätte und dann na ja, noch n bisschen, weitergeschaut hab...weißt du zufällig wo man den film auf die schnelle ausleihen kann?
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Pottenham
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Beitrag von Pottenham »

:winken:

Wüsste nicht wie man daran kommen könnte außer man kauft ihn (bei Play.com hab ich welche gesehen) oder wartet bis er wiedermal bei Arte gezeigt wird.


Grüße aus Pottenham
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Magnus Ver Magnussen
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Beitrag von Magnus Ver Magnussen »

Hmm, ich finde von Lynch bis jetzt nur Eraserhead und Der Elefantenmensch gut. Letzterer ist einfach unendlich traurig und ich mag traurige Filme. Na ja, Dune hat mir eigentlich auch gefallen, aber es ist sehr lange her, dass ich den gesehen habe und da ich das Buch nicht gelesen habe, kann ich nicht beurteilen, ob die Verfilmung gelungen ist. Laut Kritiker soll das Buch jedenfalls sehr schlecht verfilmt worden sein.
"So gute Aufnahmen mit einer Handykamera kenne ich eigentlich nur aus "Kohlezangen exposure"." (Roman Tisch, Schlag von hinten)
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Pottenham
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Beitrag von Pottenham »

Magnus Ver Magnussen hat geschrieben:Na ja, Dune hat mir eigentlich auch gefallen, aber es ist sehr lange her, dass ich den gesehen habe und da ich das Buch nicht gelesen habe, kann ich nicht beurteilen, ob die Verfilmung gelungen ist.
:winken:

Viele Leute vergleichen Filme nach Buchvorlagen mit dem geschriebenen Original.Ich kann das eigentlich nicht so recht verstehen ?( .Ein Film ist eben kein Buch und spricht den Konsumenten auf einer völlig anderen Ebene an.
Ich lese z.B. auch viele Statements die sagen "Naked Lunch" ist ein mieser Film,denn das Buch war ja sooo viel geiler.Ich kann da nur fragen "hat Dir der Film Spaß gemacht?" (auf welcher Ebene auch immer),wenn ja dann isser gelungen. :)

Nur meine Meinung :smokin:

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wormthrax
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Beitrag von wormthrax »

ja, du hast natürlich nicht ganz unrecht
aber wenn man schon ganz ein buch verfilmt, dann sollte man ganz direkt bei der geschichte bleiben (ich weiß jetzt nicht ob lynch das getan hat, ich habe "dune" nicht gelesen, aber mich hats dann auch nicht groß interessiert, weil man zumindest nicht vermuten könnte, dass es "komplett" seine idee war...aus welcher unterbewusstseinsecke lynchs eindrücke jetzt tatsächlich entspringen, ist ja eine andere sache)
sonst könnte man ja schließlich auch eigene ideen verfilmen oder? :)
star wars z. B. ähnelt ja in vielen hinsichten dune (das spice sieht übrigens genauso aus wie das, was luke im dagoba-system als "Zwischenmahlzeit" zu sich nehmen will,,,mal drauf achten, is mir zumindest so aufgefallen :smokin: ) aber george lucas hat wenigstens nochmal seine eigenen figuren entwickelt und da kann man ihm wirklich nichts nachtragen


na ja, nachdem ich "nadja" gesehen habe bleibt meine meinung immer noch ein wenig geteilt
der film war eigentlich gar nichtmal so schlecht, die geschichte und die hintergünde über den menschen als geplagtes wesen, dass schließlich sein schicksal nur im vamiprdasein ertragen kann, indem es andere individuen aussaugt oder nach seinem willen bis hin zu seelenlosen zombies manipuliert
das war echt super, leider fehlte bei der umsetzung der handlung etwas, denn sie war zwar überraschend und sehr zwiespältig wie ichs von lynch gewohnt bin, aber streckenweise zu langatmig
entweder hätte lynch mehr einblicke in die charaktere ermöglichen sollen oder er hätte ein anderes tragendes element neben den effekten einbauen sollen, wie etwa mehr spannung oder vielleicht auch action
aber vielleicht ist es auch gerade das, was schließlich die entsprechende wirkung erzeugt, die lynch auch erzeugen will: Belanglosigkeit über soviel schmerz und dummheit über sachen, die es einfach gibt und wohl immer unauslöschbar auf der welt bleiben werden
...
da mir das thema ein bisschen zu krass ist, war ich dann doch letztendlich irgendwie wieder ein bisschen enttäuscht von dem film, ähnlich wie beim "Elefantenmensch", dort wird diese thematik noch viel deutlicher behandelt
trotzdem glaube ich, dass lynchs sachen unterbewertet werden, aber vielleicht interpretiere ich da ja auch zuviel rein, was mir übrigens völlig egal wäre :)
die effekte waren (bis auf dieses "schweben", wo man das gefühl hat, der hintergrund ist nachträglich aufgezogen erinnert mich irgendwie an alte autofahrten in 70er jahre streifen, bei denen man ja so schön von vorne in den innenraum sieht)
eigentlich ziemlich passend, die auflösung runterzuschrauben war eine tolle idee, da hat zwar ein bisschen die dynamik beim vampir in der stimme gefehlt, aber die nahansicht auf die personen war da und das filmen in slow motion mit den weggeschnittenen szenen, was noch effektvoll betont wurde, war ziemlich gut

muss man dazu sagen: Lynchs anfänge und ich bin sogar ein bisschen froh, dass man eine entwicklung bei ihm feststellen kann,,,das heißt zumindest etwas :)
später werden seine filme ja immer komplizierter, kann keiner etwas zu mullholland drive oder vielleicht zu inland empire sagen?
..ansonsten mehr dazu, später...
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Shagrath
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Beitrag von Shagrath »

Schönes Thema. :D

'Nadja' ist aber nicht wirklich von David Lynch? Hab grad zum 1. Mal davon gehört, und imdb meint er wäre nur Produzent? Würdest du 'Nadja' als Lynch-würdigen Film bezeichnen? ?(

Zu Inland Empire muss ich sagen: war mir ein bisschen zu anstrengend. Fast 3 Stunden und keine Interpretation der Handlung, die sich für mich einigermaßen angeboten hat. Gab einige Szenen die ich visuell sehr beeindruckend fand und mich auch gut bei Laune gehalten haben, aber durch die fehlende Möglichkeit an Charakteren oder Handlung festzuhalten, ist mir leider sehr wenig im Gedächtnis geblieben. :( Hat ihn jemand vielleicht schon ein 2. Mal angesehen und sich dann besser zurechtgefunden?

Zu Dune möchte ich noch erwähnen, dass er mir sehr gut gefallen hat. Ist halt nicht wirklich ein 'Lynch-Film' für mich. Nur in den Visionen und bei der Darstellung von Symbolen könnte man erkennen, dass er von Lynch ist. Ich kenne das Buch nicht, aber für mich war es einfach einer der phantasievollsten Sci-Fi-Filme die ich kenne. Wirkt halt heute (oder vielleicht sogar schon bei erscheinen) ein bisschen trashig, aber damit kann ich Leben. I)
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