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Endlich wieder die 42 Stundenwoche?

Verfasst: Sa 27.03.2004 - 15:47
von Argh
Hi ;D
Spiegel Onlinie hat geschrieben:Angestellte im öffentlichen Dienst müssen sich offenbar schon bald auf deutlich längere Wochenarbeitszeiten einstellen. CSU-Chef Stoiber denkt an eine 42-Stunden-Woche. Auch der Präsidentschaftskandidat von Union und FDP, Horst Köhler, hält Mehrarbeit derzeit für angemessen.
Ist es nicht sinnvoll endlich wieder länger zu Arbeiten? Verfügen wir nicht über zuviel Feiertage?

An einer längeren Wochenarbeitszeit als 40 Stunden habe ich meine Zweifel, aber ich könnte folgende Feiertage zur Diskussion stellen:

- Fronleichnam - nur die wenigsten Katholiken die ich kenne begehen diesen Tag im Sinne der Religion, also gehen in einer Prozession mit oder wenigstens zur Messe.

- Pfingstmontag - Wozu ein Wochenende künstlich verlängern?

- 3. Oktober - Wer meint den heute noch die Wiedervereinigung feiern zu müssen? Man sieht doch wie in sogenannten Ostalgieshows den alten Zeiten nachgetrauert wird.

Sollten wir Deutschen nicht endlich wieder arbeitsfreudiger werden, müssen wir nicht den "Freizeitpark Deutschland" (Altkanzler H. Kohl) über Bord werfen?

Grüsse :bounce:

PS: Fällt mir nur so ein wie wäre es den Verdienst an den oben genannten Feiertagen einem guten Zweck zu widmen z.B. dem Aufbau Ost oder Miserior :)

PPS: Vielleicht könnten wir dann auch in nur einem Jahr unseren Verdienst um 60% steigern und würden so auch mittelfristig mehrfache Einkommensmilionäre oder wir könnten ja auch unser Engegement in ehrenamtliche Tätigkeit stecken, wenn dabei über 140.000 Euro jährlich als Aufwandsentschädigugn heraus kömmen würde wie bei den Ärztekammerpräsidenten - würde das Ehrenamt sicherlich wieder mehr Interessenten gewinnen ;)

Re: Endlich wieder die 42 Stundenwoche?

Verfasst: Sa 27.03.2004 - 16:16
von gelbe Wiesenameise
Hallo!

:winken:

Hallo!

Die Erhöhung der Wochenarbeitszeit dient lediglich dem Zweck, Stellen nicht besetzen zu müssen. Die gleiche Arbeit wird dann von weniger Leuten bewältigt, die dafür logischerweise länger arbeiten müssen. Hintergrund ist, dass kein Geld mehr für die gleiche Anzahl von Leuten vorhanden ist.

Die Feiertage sind ja sowieso von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich.

Zum 3. Oktober:
Irgendwelche doofen Shows im Fernsehen würde ich nicht als Maßstab heranziehen. Diese Shows spiegeln bestimmt nicht repräsentativ die Einstellung der Bürger aus den "neuen" Bundesländern (mittlerweile fast 15 Jahre seit der Wiedervereinigung) wieder.

:)

gelbe Wiesenameise

Verfasst: Sa 27.03.2004 - 16:37
von Cassie
Ach Quatsch, was begnügen die sich mit der 24-Stunden-Woche? Die Leute sollten besser 24 Stunden am Tag arbeiten, dann kommen sie wenigstens nicht auf dumme Gedanken.

Verfasst: Sa 27.03.2004 - 16:42
von Thies
Oh, ich liebe diese Diskussion der realitätsfernen Gewerkschaftler, die der Meinung sind, dass X Stunden Arbeitszeit pro Woche pro Mitarbeiter weniger zu Y mehr Arbeitsplätzen führen. Dann arbeiten wir alle bald nur noch 5 Stunden pro Woche, alle haben Arbeit. Die Frage ist nur, bei welchen Unternehmen, denn Deutschland wird dann keine mehr vorweisen, aber der Staat kann das ja übernehmen.

Ich glaube, wir werden in Deutschland nicht darum herum kommen, dass Arbeitszeiten von 40 - 43 Stunden pro Woche wieder normal werden. Denn anders werden wir die deutschen Unternehmen nicht wettbewerbsfähig bekommen. Man darf nämlich nicht die Grossunternehmen anschauen, die rd. 20% der Arbeitsplätze stellen. 80% werden vom Mittelstand gestellt und die können es sich kaum noch leisten, mehr Lohn für weniger Arbeitszeit zu bezahlen.

Meine Meinung, wird sicherlich nicht von vielen geteilt werden :D

Frank-Andre
Webmaster | Admin

P.S. Viel schlimmer ist aber noch der Schwachsinn, den die Rot-Grüne Dummbeutelregierung mit der Änderung des §8a des Körperschaftsgesetzes geschaffen haben !

Verfasst: Sa 27.03.2004 - 16:42
von Nightraven
Also ich arbeite über 40 Stunden die Woche. Normalerweise hätte ich aber nur 35. So kommen eben Überstunden zusammen, die ich bezahlt bekomme. Bei einer Heraufsetzung der Wochenarbeitszeit hätte wohl nur mein Chef einen Vorteil, ansonsten bliebe für mich alles beim alten.
Mir persönlich ists natürlich so lieber, wie es jetzt ist. :D

Verfasst: So 28.03.2004 - 01:05
von jdoge
Hallo zusammen,
Thies hat geschrieben:Oh, ich liebe diese Diskussion der realitätsfernen Gewerkschaftler, die der Meinung sind, dass X Stunden Arbeitszeit pro Woche pro Mitarbeiter weniger zu Y mehr Arbeitsplätzen führen. Dann arbeiten wir alle bald nur noch 5 Stunden pro Woche, alle haben Arbeit. Die Frage ist nur, bei welchen Unternehmen, denn Deutschland wird dann keine mehr vorweisen, aber der Staat kann das ja übernehmen.
so dann mach ich hier mal denn Erz-Gewerkschaftler. Erklär mir doch bitte mal warum längere Arbeitszeiten zu mehr, bzw. kürzere Arbeitszeiten nicht zu mehr, Stellen führen sollen, daß entzieht sich nämlich meiner Logik, und auch allem was ich im Studium gelernt habe.

Gruß JD 8)

Verfasst: So 28.03.2004 - 08:20
von Cr@sh
Hi Leute,

mit diesem Thema wurde mal wieder mein offenliegender Nerv getroffen. :D

1. Globalisierungsfaktor:

Das produzierende Gewerbe wird mehr und mehr ins Ausland verlagert, weil die Lohnkosten in Deutschland nunmal wesentlich höher sind, als in Polen, Tschechien oder gar in Südkorea und China.

Aktionäre klatschen vor Freude in die Hände, wenn mal wieder tausende von Mitarbeitern in deutschen Unternehmen entlassen werden und fortan preisgünstiger im Ausland produziert werden kann und wir als Konsomenten freuen uns auf billigere Produkte.


2. Auswirkung auf den Binnenmarkt

Ohne produzierendes Gewerbe im Innland, haben wir vermehrt geringfügig qualifizierte Arbeitslose aus denen man nicht über Nacht Forscher in Wissenschaft und Technik machen kann. Man kann nicht ernshaft glauben, dass all die Arbeislosen im Dienstleistungssektor unterkommen. Oder könnte es funktionieren, dass 5 Mio. Arbeitslose 5 Mio. Arbeitslosen die Pizza bringen?

Ohne die Basis der Einkommen dieser "einfachen Produktivlohnarbeiter", haben dann auch Bäcker, Friseure, Fleischer etc. ein Absatzproblem. Geht dieser Mittelstand mangels Kunden durch Massenarbeitslosigkeit zu Grunde haben auch andere Dienstleister wie Steuerberater, Rechtsanwälte und dergleichen langfristig Auftragsprobleme. Letztendlich ist jeder davon abhängig, was auf dem Binnenmarkt passiert, solange er nicht weltweit agieren kann.


3. Schere zwischen Arm und Reich

Man könnte ja meinen: Ist ja schön, das jetzt auch im Ausland investiert wird und die Leute dort eine Perspektive haben. Wir geben etwas von unserem Reichtum ab, bei anderen wächst dafür der Wohlstand. Fragt sich nur unter welchen Bedingungen die dort leben und arbeiten müssen und wer wieviel von unserem Reichtum abgibt (Rentner, Arbeitslose, Angestellte, Mittelstand).

Diejenigen die in Deutschland leben und kein Kapital besitzen und nichts anderes anzubieten haben außer ihre Arbeitskraft, sind dazu verdammt vom staatlichen sozialen Netz durchgefüttert zu werden, solange sie keine Arbeit finden (und solange es dieses noch gibt).

Andere machen hingegen alleine mit der Verwaltung ihres Kapitals millionengewinne, die jedoch mit Abschreibungen und Rückstellungen minimiert werden und z.B. gewinnmindernd zur weiteren Verlagerung der Produktion ins Ausland abgesetzt werden können.

Angeblich kostet ein Deutscher soviel wie 60 Chinesen. Also damit ein deutscher einfacher Arbeiter so kostengünstig wie ein Chinese ist, müßte er bei gleicher Effektivität kalkulatorisch 60x so viel arbeiten wie heute. Also ist es mit einer 42-Stundenwoche noch lange nicht getan!!!

Wir sind nunmal ein Hochlohnland: Oder wünschen wir, dass unser Nachbar, der einfache Arbeiter so wenig verdienen soll, dass er seine Mietwohnung nicht mehr bezahlen kann, und er trotz Vollzeitarbeit nach amerikanischen Vorbild in Slums leben muss?

Den geringfügig qualifizierten Deutschen verurteilen wir als faules, arbeitsloses Pack, zu dumm für vernünftige Arbeit etc. Man sollte sich vergegenwertigen, dass diese geringfügig Qualifizierten durch ihre harte Arbeit in den vergangenden Jahrzehnten die Wertschöpfungskette überhaupt erst in Gang gebracht haben und so auch den Wohlstand für andere Berufszweige und Dienstleistern brachte (siehe auch Punkt 2).

Ein Bekannter beschrieb es recht treffend: Wir kamen aus einem Zeitalter der menschenunwürdigen Industrieproduktion und wir bewegen uns wieder in diese Richtung zurück. Diejenigen die an den richtigen Positionen sind oder sich mit Seilschaften gegenseitig unter die Arme greifen können, teilen sich dabei schön die Gewinne auf, während der Rest leer ausgeht.

Dabei wird einseitig von Arbeitslosen, Sozialhilfeempfänger Rentnern und einfachen Angestellten gefordert, sie sollen weniger bekommen, damit Banker und Witschaftslobbiesten weiterhin ihren Wohlstand mehren können.


Das war mein Wort zum Sonntag. :silly:

Verfasst: So 28.03.2004 - 10:40
von Cornflake01
Es ist halt so:

Die reichen sitzen nunmal am längeren Hebel, und das wird
sich wohl so schnell nicht ändern.

Das ist doch wie bei den Politikern: Da wird über kleinere
Diäten debattiert, rauskommen tut aber nix. Es bleibt
beim alten und die kleinen Leute zahlen drauf.

Wenn man sich mal vor Augen hält, was so ein Vorstand einer
großen Firma an Kohle bekommt...damit könnte man ne ganze
Menge Arbeitslose durchfüttern.

Verfasst: So 28.03.2004 - 10:55
von jdoge
Hallo zusammen,

@fridoxl danke, da hast du mir ganz aus der Seele gesprochen. :top:

Gruß JD 8)

Verfasst: So 28.03.2004 - 11:33
von Baerbel
Meiner Meinung nach ist die Grundvoraussetzung zur Sanierung der deutschen Wirtschaft absolute Ehrlichkeit (ja ja, ich weiss wie lächerlich das klingt *g*) und kein Hauruck-Aktionismus. Mit der seit Jahren praktizierten Wischwaschi-Politik wird in Deutschland keines der anstehenden Probleme gelöst werden. Um ein Problem lösen zu können muss ich erstmal erkennen, dass ich eins habe. Ok, dass das der Fall ist dürfte inzwischen wohl jedem klar sein. Der nächste Schritt wäre jetzt, die Ursachen zu erforschen - und da gehts schon los. Statt mal wirklich konkrete Zahlen auf den Tisch zu legen erfreut man uns beispielsweise jeden Monat mit ner geschönten Arbeitslosenstatistik. Ich bin fest davon überzeugt, dass es in Deutschland keine 4,5 Millionen Arbeitslose gibt sondern wenigstens 8 Millionen - aber alle die aufgrund der Arbeitslosigkeit vorzeitig in Rente gegangen sind, Umschüler, Bezieher von Krankengeld und was weiss ich was es da noch alles gibt - alle diese Leute fallen aus der Statistik raus. So eine unrealistische Bestandsaufnahme ist natürlich keine Grundlage, um am Problem wirklich arbeiten zu können. Und weil niemandem wirklich was einfällt werden Schlagwörter in den Raum geworfen, irgendwer greift was auf, denkt sich bissel was aus - und schon haben wir neue Vorschriften und Lösungsansätze....die natürlich das Problem nicht lösen.
Weder die Verlängerung der Arbeitszeit noch die Kürzung von Beihilfen zum Lebensunterhalt werden Abhilfe schaffen. Sie können bzw. müssen ein Teil des gesamten Prozesses sein - nur muss es dafür erstmal einen wirklichen Prozess geben.

Wir drehen uns seit Jahren im Kreis und das wird sich m.E. erst ändern, wenn wir am Boden aufgeschlagen sind.

Verfasst: So 28.03.2004 - 11:37
von Ferryman
I) Also ich wär ja für ne 40-Stunden-Woche dankbar, ich hab ohne Überstunden schon ne 47-Stunden-Woche...

Ich denke, dass JD (wenn wahrscheinlich auch nicht beabsichtigt ;) ) einen ganz wichtigen Teil der heutigen Misere angesprochen hat, nämlich das Studium. Heutzutage besteht die Wirtschaftliche Oberschicht fast ausnahmslos aus Hochstudierten Sesselpupsern, die im Leben noch nie schmutzige Hände gehabt haben und denen jeglicher Sinn für die Realität fehlt, da sie bis etwa zum dreissigsten Altersjahr anstatt zu arbeiten Tabellen und theoretische Leistungs/Lohn-Kalkulationen gewälzt haben. Die Manager, die sich von ganz unten hochgearbeitet haben, fehlen heute fast gänzlich. Jedoch sind es genau die Leute, die noch wissen, wie es ist, zu Schuften und jeden Abend total kaputt nach Heuse zu kommen. Diese Leute wären es auch, die die hocheinsteigenden Theoretiker wieder etwas nach unten holen könnten und ihnen endlich erklären könnten, dass nicht sie das wichtigste Glied der Arbeitskette sind, sondern dass es der einfache Arbeiter ganz unten ist, derjenige, der den schlechtesten Lohn und die härteste Arbeit von allen verrichtet. Eine Firma ohne Manager kann funktionieren, wenn auch zugegeben etwas schwierig, aber ohne Arbeiter, die Tag für Tag ihre Kraft zur verfügung stellen, geht überhaupt nichts, die Maschinen stehen Still. Doch anstatt das zu würdigen, denken die meisten Chefs heute nur noch an den satten Gewinn und schmeissen notfalls ein paar hundert Arbeiter raus, damit sie am ende nicht auf ein paar hunderttausen Euro verzichten müssen.

Anstatt die ganze Zeit von der theoretischen Gleichung Kurzarbeit=Mehr Arbeitsplätze, die Aufgrund des immer vergessenen Teils =höhere Lohnkosten sowiso nicht funktioniert zu reden, sollte man lieber mal darüber Nachdenken, was an der Ausbildung der Heutigen Manager nicht stimmt, die aufgrund riesiger Firmengewinne ihre Soziale Verantwortung vergessen...

Verfasst: So 28.03.2004 - 18:16
von Rezeguet
@argh wegen Feiertage

ja ung gleich Weihnachten und Ostern streichen denn wer feiert denn heutzutage noch die Geburt bzw. Auferstehung Jesu?

Verfasst: So 28.03.2004 - 18:49
von Thies
jdoge hat geschrieben:Erklär mir doch bitte mal warum längere Arbeitszeiten zu mehr, bzw. kürzere Arbeitszeiten nicht zu mehr, Stellen führen sollen, daß entzieht sich nämlich meiner Logik, und auch allem was ich im Studium gelernt habe.
Seit wann wird in Deutschland im Studium Realität gelehrt .... :D Scherz beiseite.

Wenn wir Deutschland nur Grossunternehmen mit zigtausenden Mitarbeitern hätten, würde eine Arbeitszeitverkürzung logischerweise zu mehr Arbeit führen. Nehmen wir aber mal ein klassisches mittelständisches Unternehmen. Wenn dort die Arbeitszeit von 40 auf 38 Stunden pro Woche sinkt, bedeutet dass, dass in einem Geschäftsfeld 20 Leute beschäftigt sein müssen, damit 1 neuer Arbeitsplatz entsteht. Da das in der Regel nicht der Fall ist, muss die Arbeit nun weiterhin von denselben Mitarbeitern in 40 Stunden erledigt werden, nur dass der Firmeninhaber diese 2 Stunden extra bezahlen muss plus Überstundenzuschlag. Also Mehrkosten, die er ebenfalls in der Regel nicht ohne weiteres auf die Verkaufspreise seiner Produkte umschlagen kann. Also wird er überlegen, diese Produkte günstiger im Ausland produzieren zu lassen, weil er ansonsten Verluste erwirtschaftet, das Unternehmen in Insolvenz geht und alle Mitarbeiter auf der Strasse stehen.

Die wenigsten Unternehmern gehen ins Ausland, um Ihren persönlichen gewinn und Reichtum zu steigern, sondern weil es oftmals in Deutschland nicht mehr möglich ist, wettbewerbsfähig zu bleiben.
fridoxl hat geschrieben:damit Banker und Witschaftslobbiesten weiterhin ihren Wohlstand mehren können.
Ich bin Banker, kann nicht behaupten, dass ich Reichtum anhäufe und arbeite zwischen 50 und 60 Stunden die Woche .... ohne Überstunden bezahlt zu bekommen, das ist mit meinem Gehalt abgegolten. Und die Mehrheit der Bankerbekommt weniger als ein vergleichbarer kaufmännischer Angestellter in der freien Wirtschaft. Dafür galt der Job jahrelang als sicher und die Altersversorge war besonders gut. Diese beiden Punkte sind aber auch in den letzten Jahren mehr oder weniger "weggefallen". Aber Pauschalisierungen sind ja immer sooo einfach :)
Cornflake01 hat geschrieben:Wenn man sich mal vor Augen hält, was so ein Vorstand einer großen Firma an Kohle bekommt...damit könnte man ne ganze Menge Arbeitslose durchfüttern.
Isoliert -rechnerisch- betrachtet sicherlich richtig. In der Regel handelt es sich bei Vorstände / Geschäftsführer um die Inhaber der jeweiligen Firma und tragen auch entsprechende Risiken. Die absolute Mehrheit der Vorstände / Geschäftsführer machen einen guten Job und werden dafür entsprechend bezahlt, weil das ein Job ist, den kaum jemand der Arbeitslosen qualitativ übernehmen kann. Aber diese Vorstände / Geschäftsführer kommen nicht in die Presse, weil negative Schlagzeilen sich in der bundesdeutschen Neidgesellschaft nunmal besser verkaufen.

CU

Frank-Andre
Webmaster | Admin

Verfasst: So 28.03.2004 - 19:21
von Cr@sh
Mit Banker meinte ich nicht den kleinen unterbezahlten kaufmännischen Angestellten, der kaum 5,5€ die Stunde verdient I), sondern die netten Leute, die in den Aufsichtsrichten der großen Firmen sitzen. Um mal die Pauschalisierung ein bisschen zu relativieren. :unschuldig:

Verfasst: So 28.03.2004 - 20:01
von Rincewind0409
ich habe eine 45 std Woche , ohne Überstunden. Nur mal so am Rande erwähnt. Und wenn ich sehe das viele Angestellte in Deutschland wg 38 std rumjammern... Spricht für die "Spaßgesellschafft" Deutschland. Im Ausland sind Arbeitszeiten jenseits der 40 std schon längst die Regel.

greetings

Rince

:winken:

Verfasst: So 28.03.2004 - 20:46
von Argh
Huch soviele Statements 8o
Thies hat geschrieben:Wenn dort die Arbeitszeit von 40 auf 38 Stunden pro Woche sinkt, bedeutet dass, dass in einem Geschäftsfeld 20 Leute beschäftigt sein müssen, damit 1 neuer Arbeitsplatz entsteht.
Das ganze ist eine Milchmädchenrechnung, ebenso wie die Überlegungen der Gegenseite. Es gibt kein lineares Verhältnis zwischen Produktivität und Arbeitszeit. Es ist auch ein Dummfug (aus arbeitwissenschaftlicher Sicht gesehen), daß bei einer Erhöhung der Arbeitzeit um 5% wie von Stoiber vorgesehen der Output um 5% steigt. Tatsächlich hinkt auch die Binnennachfrage und unsere Sozialsystem kranken daran, das es zu wenig Einzahler gibt. - Ein Mehr an Beschäftigung würde also die Lohnebenkosten senken und den Mittelstand fördern. Betriebswirtschaftlicher Sinn wird zu Volkswirtschaftlichen Unsinn und umgekehrt.
Thies hat geschrieben:Die wenigsten Unternehmern gehen ins Ausland, um Ihren persönlichen gewinn und Reichtum zu steigern, sondern weil es oftmals in Deutschland nicht mehr möglich ist, wettbewerbsfähig zu bleiben.
Nenne es Lemmingeeffekt ;D - die meißten Unternehmer gehen derzeit ins Ausland weil andere dort hingehen. Wenn Du Banker bist solltest Du wissen, das in den seltensten Fällen einigermaßen vernünftige Kosten-Nutzen-Bilanzen aufgestellt werden. Viele haben Angst, daß ihnen Jemand den Vorwurf macht nicht der herrschenden Mode gefolgt zu sein.
Thies hat geschrieben:
fridoxl hat geschrieben:damit Banker und Witschaftslobbiesten weiterhin ihren Wohlstand mehren können.
Ich bin Banker, kann nicht behaupten, dass ich Reichtum anhäufe und arbeite zwischen 50 und 60 Stunden die Woche .... ohne Überstunden bezahlt zu bekommen, das ist mit meinem Gehalt abgegolten. Und die Mehrheit der Bankerbekommt weniger als ein vergleichbarer kaufmännischer Angestellter in der freien Wirtschaft. Dafür galt der Job jahrelang als sicher und die Altersversorge war besonders gut. Diese beiden Punkte sind aber auch in den letzten Jahren mehr oder weniger "weggefallen". Aber Pauschalisierungen sind ja immer sooo einfach :)
Hmm offensichtlich unterscheiden sich da das Selbstbild des Bankangestellten von dem der "normalen" Leute. Ich will Dir nicht zu nahe treten aber als Banker hbe ich bisher nur die Topverdiener gesehen und nicht meine Beraterin in der Bank meines Vertrauens ;) oder spielst Du in der gleichen Liga wie Herr Ackermann 8o

Aber mal was anderes: „Wer zu lange arbeitet ist ein fauler Hund“ und "Sie schaden sich selbst, den Unternehmen und der Gesellschaft, weil sie Arbeitszeit beanspruchen, die anderen zusteht", kritisiert der Managementberater und Jesuit Rupert Lay. Naja, man muß nicht der Meinung sein wie dieser konservative Unternehmer, aber es hatt was. In den meißten Fällen die ich untersuche gibts doch viele Zeite die durch Ineffizienzen begründet sind, sinnlose Sitzungen und Workshops, überflüssiger Papierkram etc. pp., kurz es läßt sich oft viel Balast entrümpel - Du machst eine Analyse Deiner Arbeitszeit?
Thies hat geschrieben:Die absolute Mehrheit der Vorstände / Geschäftsführer machen einen guten Job und werden dafür entsprechend bezahlt, weil das ein Job ist, den kaum jemand der Arbeitslosen qualitativ übernehmen kann. Aber diese Vorstände / Geschäftsführer kommen nicht in die Presse, weil negative Schlagzeilen sich in der bundesdeutschen Neidgesellschaft nunmal besser verkaufen.
Ich denke mal, daß dies wie so vieles im Leben der Normalverteilung unterliegt, d.h. die meißten wurschteln sich durch ;) Ich konnte durch meine Projektarbeit einblick in niederländische, englische, französische und italienische Unternehmen einblick gewinnen und muß sagen, das die deutschen Unternehmer/Manager irgendwo im Mittelfeld herumdümpeln. Das Hohelied ist also nicht angebracht ;)

Zu den Risiken: die wenigsten von denen über die wir hier diskutieren übernehmen auch nur den Hauch einer persönlichen Haftung. Selbst die meißten Eigentümerunternehmer haben ihr Unternehmen längst in eine Betreiber GmbH und eine Besitzverwaltungsfirma gesplittet - also wen kümmerts.

Du hast das Wort Neidgesellschaft benutzt, ich würde vorziehen über Gerechtigkeit und Fairness zu diskutieren, denn ich glaube schon, daß wir Deutschen gönnen können aber unfaire Egomanen bekommen halt Gegenwind und das zu Recht ;)

Grüsse :bounce:

PS: Kann auch mit einer mehr als 40 Stundenwoche protzen, allein dies Wochenende 20 Stunden zur Vorbereitung eines Seminars, aber ich weiß das da nicht alles effektiv und rund läuft ;)

Verfasst: So 28.03.2004 - 21:07
von gelbe Wiesenameise
Hallo Leute!

:winken:

Die Art der Arbeit ist wohl nicht ganz unwesentlich.

Es ist ein Unterschied, ob eine Person 40 Stunden tagsüber (!!!) eine Schreibtisch-Sesselfurzer-Tätigkeit ausübt (am besten noch zu Hause) - mal hier und dort ein paar schwachsinnige Bürokraten-Fetzen ausfüllt und paar Telefonate führt - oder ob eine Person schwere körperliche Arbeit leistet wie zum Beispiel im Strassenbau oder jede dritte Nacht "durchmacht" wegen irgendeiner Schicht oder in einem stressigen Dienstleistungsgewerbe tätig ist.

Und es kann mir hier keiner erzählen, dass er 50 bis 60 Stunden schwere körperliche Arbeit leistet (ausser er ist selbstständig) oder im Schichtdienst tätig ist.

Workaholics, die sich nur durch ihren Beruf definieren können, klammere ich hier mal bewusst aus.

:)

gelbe Wiesenameise

Verfasst: So 28.03.2004 - 21:27
von hafensaenger
gelbe Wiesenameise hat geschrieben:
Die Art der Arbeit ist wohl nicht ganz unwesentlich.
Genau das ist der Punkt.
gelbe Wiesenameise hat geschrieben: Es ist ein Unterschied, ob eine Person 40 Stunden tagsüber (!!!) eine Schreibtisch-Sesselfurzer-Tätigkeit ausübt (am besten noch zu Hause) - mal hier und dort ein paar schwachsinnige Bürokraten-Fetzen ausfüllt und paar Telefonate führt - oder ob eine Person schwere körperliche Arbeit leistet wie zum Beispiel im Strassenbau oder jede dritte Nacht "durchmacht" wegen irgendeiner Schicht oder in einem stressigen Dienstleistungsgewerbe tätig ist.
Wer behauptet hat zu beweisen, Meisi. Eine geistige Arbeit "kann" genauso anstrengend und anspruchsvoll sein wie eine körperliche. Es ist eine Frechheit einfach pauschal zu behaupten im Stammtischniveau diese Leute hätten alle nichts zu tun und wärmen mit ihrem Allerwertesten nur einen Stuhl an. Ausnahmen bestätigen die Regel und das mag in Einzelfällen auch stimmen was du sagst aber deswegen sollet man trotzdem sachlich und ohne Vorurteile argumentieren können (mit Beleg). ;)

LG Hafen :D

Verfasst: So 28.03.2004 - 21:30
von Baerbel
gelbe Wiesenameise hat geschrieben: Die Art der Arbeit ist wohl nicht ganz unwesentlich.
Es ist ein Unterschied, ob eine Person 40 Stunden tagsüber (!!!) eine Schreibtisch-Sesselfurzer-Tätigkeit ausübt (am besten noch zu Hause) - mal hier und dort ein paar schwachsinnige Bürokraten-Fetzen ausfüllt und paar Telefonate führt - oder ob eine Person schwere körperliche Arbeit leistet wie zum Beispiel im Strassenbau oder jede dritte Nacht "durchmacht" wegen irgendeiner Schicht oder in einem stressigen Dienstleistungsgewerbe tätig ist.
Also ist nur der ein "richtiger" Arbeiter, der körperlich schwer arbeitet? Sorry, aber du hast offenbar null Ahnung von Bürotätigkeit, also unterlass es bitte, dich derart abfällig über andere arbeitende Menschen zu äussern.

Verfasst: So 28.03.2004 - 21:38
von Thies
Damit "klar" wird, woher ich meine "Erkenntnisse" habe: ich bin Firmenkundenbetreuer, d.h. ich betreue und berate mittelständische Unternehmen in Bankangelegenheiten.
Argh hat geschrieben:Das ganze ist eine Milchmädchenrechnung, ebenso wie die Überlegungen der Gegenseite.
Genau darum ging es mir ja! Bei der Berechnung, wieviele Arbeitsplätze eine Senkung der Arbeitszeit pro Woche pro Mitarbeiter schafft, werden immer volkswirtschaftliche Daten wie "Überstunden insgesamt" herangezogen. Wenn man das ganze aber mal runterbricht auf ein einzelnen mittelständisches Unternehmen, dann sieht man schnell, dass das ganze nicht aufgehen kann.
Argh hat geschrieben:Nenne es Lemmingeeffekt ;D - die meißten Unternehmer gehen derzeit ins Ausland weil andere dort hingehen. Wenn Du Banker bist solltest Du wissen, das in den seltensten Fällen einigermaßen vernünftige Kosten-Nutzen-Bilanzen aufgestellt werden. Viele haben Angst, daß ihnen Jemand den Vorwurf macht nicht der herrschenden Mode gefolgt zu sein.
Nein, das kann ich so nicht behaupten. Die meisten Unternehmer, die ich betreue, gehen bisher nicht ins Ausland, weil die Kosten-Nutzen-Rechnung genau betrachtet wird. Und dabei steht der Faktor "Kosten pro Mitarbeiter" nicht alleine im Mittelpunkt. Es kommen Faktoren wie Qualität und Termintreue dazu. Und da kommen viele ehemalige Ostblockländer (noch) nicht mit. Aber das ist eine Frage der Zeit, bis auch dort dieselbe Qualität und dieselbe Termintreue erreicht wird. Dann bleibt für Deutschland nur zu hoffen, dass bis dahin in diesen Ländern die Personalkosten soweit angestiegen sind, dass die Gesamtbilanz wieder ungefähr gleich ist.
Argh hat geschrieben:Hmm offensichtlich unterscheiden sich da das Selbstbild des Bankangestellten von dem der "normalen" Leute. Ich will Dir nicht zu nahe treten aber als Banker habe ich bisher nur die Topverdiener gesehen und nicht meine Beraterin in der Bank meines Vertrauens ;) oder spielst Du in der gleichen Liga wie Herr Ackermann 8o
Definitiv nicht, kann ich nur zum letzten Punkt sagen. Aber ich habe ein Aufgabenfeld, einen Kundenkreis etc., welches ich vollkommen eigenständig bearbeiten und meine Zielvorgaben erfüllen muss. Also ein Manager im Kleinen. Damit möchte ich mich nicht mit einem Vorstand vergleichen, auf gar keinen Fall. Aber die "Grundidee" meines Jobs ist ähnlich.

Und ehrlich gesagt: Vorstand einer Bank möchte ich in der heutigen Zeit wirklich nicht sein.
Argh hat geschrieben:Zu den Risiken: die wenigsten von denen über die wir hier diskutieren übernehmen auch nur den Hauch einer persönlichen Haftung. Selbst die meißten Eigentümerunternehmer haben ihr Unternehmen längst in eine Betreiber GmbH und eine Besitzverwaltungsfirma gesplittet - also wen kümmerts.
Die Praxis sieht oftmals aber anders aus. Denn i.d.R. übernehmen die Inhaber der Firmen ggü. Banken, Kapitalgebern etc. persönliche Bürgschaften und haften mit persönlichen Vermögenswerten. Die verlieren im Falle einer Insolvenz sehr sehr viel.
Argh hat geschrieben:Du hast das Wort Neidgesellschaft benutzt, ich würde vorziehen über Gerechtigkeit und Fairness zu diskutieren, denn ich glaube schon, daß wir Deutschen gönnen können aber unfaire Egomanen bekommen halt Gegenwind und das zu Recht ;)
Was mit Absicht etwas überzogen, um die Diskussion etwas zu polarisieren :) Ich bin auch dafür, dass diejenigen, die das "System" ausnutzen, zur Rechenschaft gezogen gehören, egal ob Arbeitgeber oder Arbeitnehmer.
gelbe Wiesenameise hat geschrieben:Es ist ein Unterschied, ob eine Person 40 Stunden tagsüber (!!!) eine Schreibtisch-Sesselfurzer-Tätigkeit ausübt (am besten noch zu Hause) - mal hier und dort ein paar schwachsinnige Bürokraten-Fetzen ausfüllt und paar Telefonate führt - oder ob eine Person schwere körperliche Arbeit leistet wie zum Beispiel im Strassenbau oder jede dritte Nacht "durchmacht" wegen irgendeiner Schicht oder in einem stressigen Dienstleistungsgewerbe tätig ist.

Und es kann mir hier keiner erzählen, dass er 50 bis 60 Stunden schwere körperliche Arbeit leistet (ausser er ist selbstständig) oder im Schichtdienst tätig ist.
Wenn ich dies lese, dann kommt mir echt die Galle hoch. Aber es verwundert mich nicht, dass diese Argumente auch hier wieder angebracht werden. Ja, ich habe einen Bürojob und telefoniere viel und verbringe einen Grossteil meiner Arbeitszeit in Gesprächen mit meinen Kunden oder in der Bank über meine Kunden, um Entscheidungen herbeizuführen. Und deshalb ist meine Arbeit "schlechter" wie die eines Bauarbeiters. Weil letzteres körperlich schuftet und ich "nur" geistig". So kann man es sich natürlich sehr schnell sehr einfach machen. Dünnschi..niveau nannte mein Deutschlehrer das gern :)

CU

Frank-Andre