Kafka- Die Verwandlung (Leseclub)

Bücher (die aus Papier :), Geschichten, Gedichte (gern auch Selbstgeschriebenes) sowie literarische Verfilmungen sind Themen dieses Forums.

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Castore
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Kafka- Die Verwandlung (Leseclub)

Beitrag von Castore »

Heyho Mitleser !

Den Anfang des Leseclubs macht der Klassiker "Die Verwandlung" von Franz Kafka.
Zu Lesen beginnen wir am Dienstag. Am Freitag soll das erste Feedback zum ersten Abschnitt abgegeben werden.
Alles andere bitte im Leseclub-Thread klären.
Lasst das Lesen beginnen ! ;)
Bye
Cast :bounce: re

Schlauer Spruch des Jahres 2013:

"Ich ging mit dem Gefühl in´s Bett, dass alle Säufer kennen: Ich hatte mich lächerlich gemacht, aber zum Teufel damit." (Henry Chinaski)
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Cloud
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Beitrag von Cloud »

Wer traut sich und macht den Anfang? ;)
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Metal-Granzi
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Beitrag von Metal-Granzi »

Na, dann fange ich mal an...
Ich kenne die Verwandlung schon aus der Schule ( ist schon eine Weile her :D ), und nachdem ich das erste Kapitel jetzt gelesen habe, bin ich doch beeindruckt, welche Wut, Verzweilung und welcher Zorn in diesen Zeilen steckt. Dieses unbändige Verlangen, allem gerecht zu werden und dabei die individuellen Bedürfnisse zu verdrängen, spricht doch sehr für das fehlende Selbstwertgefühl Kafkas.
Gleichzeitig ist es eine Anklage an die damaligen Familienverhältnisse. Keiner sieht ihn als das, was er ist. Alle sorgen sich nur um das Ansehen der Familie und die finanziellen Schwierigkeiten. Der Sohn wird nicht als solcher gesehen, sondern hat nur die Aufgabe, als Arbeiter zu funktionieren. Die Sorgen richten sich nicht auf den Menschen, sondern nur auf das Konstrukt Familie.
Meiner Meinung nach, ist diese Buch eine ziemlich revolutionäre Geschichte für diese Zeit und behandelt eine Thematik, die auch heute noch Gültigkeit besitzt.
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Beitrag von NamelessOne »

Jo, dann mach ich mal weiter...
Durch die Verwandlung in ein Insekt versucht Kafka, den Verpflichtungen seiner Familie gegenüber zu entfliehen, da an einen Käfer keinen Ansprüche gestellt werden können. Gleichzeitig erwartet er, weiterhin wie ein Mensch behandelt zu werden, was m.E. einen Widerspruch darstellt - vielleicht hat jemand eine Idee dazu?
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Metal-Granzi
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Beitrag von Metal-Granzi »

Hm, NamelessOne, ich bin anderer Ansicht.
Als Gregor (nicht Kafka), die Verwandlung bemerkt, reagiert er mit ziemlicher Ausgeglichenheit darauf. Keine panische Reaktion, sondern eine ausgeglichene Gelassenheit (ich frage mich, wie jemand von uns auf eine derartige Veränderung reagieren würde?!). Er wird erst unruhig, als er bemerkt, wie spät es ist, und ihm bewußt wird, das er eine Pflichtverletzung begangen hat. Seine Gedanken kreisen nur darum, wie er es noch zur Arbeitsstelle schafft, und wie er sein zu Spätkommen erklären soll. Ich glaube, seine Verpflichtungen bestimmen so sehr seinen Alltag, dass ihm seine Erscheinung nicht wichtig ist. Gregor sieht sich jetzt nur in seinem Tun behindert, durch die neue Gestalt. Es wird mit keinem Wort die erwartete Reaktion seiner Familie erwähnt. Aus seinem Verhalten geht nicht hervor, dass er sich Gedanken darüber macht, wie seine Familie und andere Menschen auf seine Erscheinung reagieren könnten.
Hier stimme ich dir zu. Gregor denkt, es könne weitergehen, wie bisher. Alle würden ihn als Gregor Samsa erkennen, er könnte weiterhin zur Arbeit gehen, als wäre nichts geschehen.
Offenbar scheint nur die Schwester eine innigere Beziehung zu Gregor zu haben, denn er erwähnt, dass sie geweint hat, und sie ihm helfen wird.
Meines Erachtens zeigt das sehr deutlich, das Kafka eine emotionslose Kindheit erfahren hat, ohne gezeigte Zuneigungen.
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Cloud
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Beitrag von Cloud »

Ich hatte bisher noch nichts von Kafka gelesen (auch nicht in der Schule) und war dementsprechend gespannt, ob dieser seinem allseits bekannten Image auch wirklich entspricht.

Etwas überrascht war ich zuallererst von der doch ziemlich einfachen Sprache. Kafka scheint auch nicht gerade ein begnadeter Stilist gewesen zu sein (nicht, dass ich das übermäßig gut beurteilen könnte, erst Recht nicht anhand der gerade mal 30 gelesenen Seiten).

Eine Frage, die sich mir sofort aufgedrängt hat, war folgende: in was für eine Art von Käfer hat sich Gregor eigentlich verwandelt? ;) Anhand der Beschreibungen konnte ich mir da kein eindeutiges Bild machen. Sehr nett übrigens die Schilderung, wie sich Gregor völlig hilflos in seinem Bett wendet - genau so muss sich ein Käfer fühlen, der auf dem Rücken landet und hilflos mit seinen Beinen strampelt.
Metal-Granzi hat geschrieben:Als Gregor (nicht Kafka), die Verwandlung bemerkt, reagiert er mit ziemlicher Ausgeglichenheit darauf. Keine panische Reaktion, sondern eine ausgeglichene Gelassenheit (ich frage mich, wie jemand von uns auf eine derartige Veränderung reagieren würde?!).
Gregor scheint ja wirklich ein ziemlicher Stoiker zu sein. Und wie ich reagieren würde? Ich würde wohl "Wahnsinn, jetzt ist mir doch genau das gleiche passiert, wie Gregor in Kafkas Verwandlung!" denken ;) Aber im Ernst: die Verwandlung in ein Tier scheint ja sofort von allen Beteiligten als gegeben angenommen zu werden. So, als ob das ein alltägliches Ereignis (eine Art Krankheit) wäre, mit dem man sich nun halt abfinden muss.

Aber bevor ich dem ganzen einen echten Sinn zu entlocken versuche, will ich doch erstmal noch weiterlesen.
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Beitrag von NamelessOne »

Moin zusammen,

Wenn ich mich recht entsinne, beschreibt Kafka in dieser Erzählung seine eigene Kindheit, insbesondere sein schwieriges Verhältnis zu seinem Vater - deshalb die Namensgleichsetzung Gregor <-> Kafka. Deutlich wird dieser Konflikt in seiner Erwartungshaltung doch Rücksicht auf ihn zu nehmen, als er ihn in sein immer "zurücktreibt". Seine Schwester sieht er als eine Leidgenossin im Eltern - Kinder Konflikt.

Aber betrachten wir den Anfang der Geschichte, als er als Käfer erwacht und es als ganz normal hinnimmt. Nach meinem Verständnis macht das nur Sinn, wenn er das erwartet hat, bzw. es so wollte (um z.B. seiner Elternbeziehung, oder der Verantwortung ihnen gegenüber, zu entfliehen).
Eben weil er sich keine Gedanken über die Reaktion seiner Eltern macht, scheint er doch davon auszugehen oder vorauszusetzen, daß - wenigstens auf emotionaler Ebene- alles bleibt, wie es ist.
Einerseits sagt er, gut - ich bin jetzt ein Käfer; Andererseits will er weiter wie ein Mensch behandelt werden. Wenn es ihm nur um Zuneigung ging, warum hat er sich als weitere Daseinsform nicht z.B. einen Hund als Verwandlungsobjekt ausgesucht?
Hier blick ich noch net ganz durch ...
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Almuric
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Beitrag von Almuric »

Brrr, das war ja nichts für mich. Hatte aber auch nichts anderes von Kafka erwartet :)

Ich denke Kafka hat den Käfer als möglichst ekliges Tier gewählt. Mit einem Hund o.ä. kann man ja noch einigermaßen sympathisieren. Aber Ungeziefer ist einfach nur abscheulich. Das macht die Sache noch unheimlicher, verzweifelter, auswegloser. Sowas ist ja immer Kafkas Thema: die Hilflosigkeit des Menschen vor dem Unheil oder Schicksal. Irgendwer tut dir was Böses und du kannst nix machen. Diese Thematik kann ich nicht leiden, zieht einen immer so runter :)
Der Grund für die Verwandlung könnte in Minderwertigkeitsgefühlen liegen. Gregor mag seinen Beruf nicht, trotzdem lässt er alles mit sich machen. Wer sich immer unterwürfig verhält, fühlt sich nicht mehr als voller Mensch. Kafka selbst ging es soweit ich weiß ebenso, er konnte seinen Beruf als Anwalt nicht leiden, hasste seinen Vater, aber wagte es nie, sich aufzulehnen.
Vielleicht liegt hier auch der Grund für Gregors kaum vorhandene Überraschung, als er als Käfer aufwacht. Er hat sich schon als Mensch wie ein Mistkäfer gefühlt.
And Tuor stood alone upon the cliff with outspread arms, and a great yearning filled his heart. It is said that he was the first of Men to reach the Great Sea, and that none, save the Eldar, have ever felt more deeply the longing that it brings.
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Metal-Granzi
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Beitrag von Metal-Granzi »

Hallo Leseclub- Freunde! :winken:

Meine Güte, die Resonanz auf Kafka ist ja gewaltig! :silly: :D
Wo sind alle die Lese-Begeisterten, die sich für dieses Buch entschieden haben?
Ist es etwa doch zu anspruchsvoll?
Hat es zu viele Seiten? :silly: :laufen:

Vielleicht sollten wir doch lieber ein anderes Genre wählen...

Denn eine wirkliche Diskussion hat es ja noch nicht gegeben :(

Hier ein paar Anregungen für einen Beginn (vielleicht für diejenigen, die sich nicht trauen...)

Erzählt doch einfach mal, was euch beim lesen des ersten Kapitels bewegt hat! Was hat euch gefallen, was nicht? Kennt ihr schon etwas von Kafka oder ist das die erste Erzählung von ihm, die ihr lest?
Traut euch und erzählt doch einfach mal...

Ich fände es echt schade, wenn wir gleich beim ersten Buch aufgeben würden. :bad:
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naria
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Beitrag von naria »

Hm, was mir als erstes aufgefallen ist, ist die Art der Beschreibung des Lebens von Gregor. Alles kommt irgendwie so routiniert rüber, als sei er eine Maschine, die läuft und läuft und läuft. Ein wenig stoisch, wie ja Cloud schon gesagt hat. Das erste wirklich aufwühlende Ereignis in seinem ganzen Leben scheint die Verwundlung in eine Kakerlake zu sein (Es ist doch eine Kakerlake, oder? Die Beschreibung hört sich für mich ganz stark nach Kakerlake und eher weniger nach Käfer an, auch wenn das der Wortlaut ist), und das ist kommt nicht mal postiv raus, erstens wegen der Natur der Sache, und zweitens, weil er scheinbar überhaupt keine derartige veränderung seines Lebens will. Er befand sich vorher im mentalen Stillstand,und jetzt, wo Bewegung da rein kommt, will er es auf keinen Fall. Meiner Meinung nach ist das der Grund für die Wahl einer so widerlichen Gestalt (Wahl aus Sicht des Autors), weil sich der Protaginist innerlich dagagen sträubt. Wäre die Verwandlung anderer Art gewesen, z.B. eine Verhaltensänderung oder einfach einer Änderung in seinen Gefühlen, wäre er sich selbst dabei genauso eklig vorgekommen, denke ich. Die Kakerlakengestalt ist daher meiner Meinung nach ein Symbol für die Selbstablehnung bzw. Ablehnung der oder Angst vor der persönlichen Weiterentwicklung, die sich in der Ablehnung durch andere nur widersiegelt, und diese Ablehung von außen ist meiner Ansicht nach nicht der Kern der Sache.


Übrigens: Ich hab mir das Buch von meiner Schwester geliehen (die hat es gekauft als sie es in der Schule dranhatten), und ich hab ncoh nie ein so bemitleidenswertes, weil total zerfleddertes und beschmiertes Exemplar von Weltliteratur gesehen!!
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Metal-Granzi
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Beitrag von Metal-Granzi »

Du hast eine interessante Interpretation dargelegt, Naria, und meiner Meinung nach hast du es genau auf den Punkt gebracht. :respekt:
Die Verwandlung in einen Käfer (Kakerlake passt sehr gut) ist die sichtbare Darstellung seiner Emotionen. das passt doch genau.
Was interessant ist, denn ein Käfer hat einen Schutzpanzer, aber er ist am Bauch sehr empfindlich. Gregor erfährt das ja am eigenen Leib. Meiner Ansicht nach, hat Gregor (Kafka) sich einen Schutzpanzer zugelegt, um seinen Alltag bewältigen zu können, aber er ist denoch sehr verletzbar und fühlt sich ungeliebt und überfordert. Genauso geht es uns allen doch auch hin und wieder, oder? :unschuldig:

Frage: Bis wann lesen wir denn das zweite Kapitel? Oder habt ihr das Buch schon komplett gelesen (dann muss ich mich sputen :)) )
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Beitrag von naria »

Ich habs in einem Zug durchgelesen ... Wobei ich sagen muss, dass ich einige Auszüge schon aus der Schule kannte, und natürlich deswegen auch was die Interpretation angeht sicher nicht völlig unbeeinflusst bin, wobei ich mich erinnern kann, damals einen recht heftigen Fachstreit mit meiner Lehrerin geahbt zu haben :D
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Almuric
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Beitrag von Almuric »

Ich habs ebenfalls durch. Meine Ausgabe hatte nämlich keine Kapitel :)
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Beitrag von Almuric »

Möchte gerne noch etwas zur Bewertung sagen. Insgesamt gefällt mir "Die Verwandlung" nicht besonders, wie ich schon erwähnt habe. Das liegt aber hauptsächlich an der pessimistischen Thematik. Lese sowas eben nicht gerne. Allerdings ist die Geschichte aber auch nicht so schlecht (sinnlos, verwirrend, todtraurig) wie ich befürchtet hatte.
Trotzdem kann ich nicht ganz verstehen, warum Herr Kafka so viele Fans hat. Was ist denn jetzt an dieser Geschichte so besonders gut? Die gilt ja wohl als seine berühmteste. Wenn ich den Inhalt zusammenfasse: Mann wacht auf als Käfer. Wie zu erwarten ist, ist sein Leben daraufhin total im Eimer, dann stirbt er.
Die Geschichte hat keinerlei Spannung. Das pessimistische Ende war mir von vornherein klar, dachte allerdings, er wird zertreten o.ä. Und an der Erzählweise ist mir jetzt auch nichts tolles aufgefallen.
Vielleicht kann mir ja einer von euch etwas besonders Erwähnenswertes aufzeigen.
Für mich bleibt als einzige Erklärung für den Ruf Kafkas, dass er solche verwirrenden Geschichten eben als erster aufgeschrieben hat. Etwas dünn.
Halt, eine eventuell besondere Sache fällt mir gerade noch ein: wenn man will, kann man viel hineininterpretieren, das muss ich zugeben. Davon halte ich allerdings nicht viel, daran ergötzen sich ja leider alle Deutschlehrer, bis alles zerredet ist und ins Lächerliche abgleitet.
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Beitrag von NamelessOne »

Moin zusammen,

@Almuric
Jo, so ist das nun mal mit anspruchsvoller Literatur. Nicht im Comicstil bunte Bildchen malen, sondern den Leser zum eigenen Denken anzuregen. Wie Du schon sagtest, ist es eine Frage der Interpretation (mit der ich auch immer Schwierigkeiten hatten). Erst wenn diese stimmig ist, ergibt auch die Geschichte im Detail einen Sinn.

Das war auch in etwa meine Erwartung an den Thread und in diesem Sinne ein großes Dankeschön an Metal-Granzi und Naria, die mir mit ihrer Interpretation sehr geholfen haben. :top:

Weiterhin möchte ich noch anmerken, daß auch Du dich für dieses Buch entschieden hast. Insofern finde ich persönlich es nicht sehr förderlich, Aussagen wie in Deinem vorigen Post hier jetzt zu lesen. :bad:
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Beitrag von Blutpapst »

Ich fand es schonmal richtig interessant bis zu diesem Punkt.
Ob das Buch im nachhinein den Geschmack getroffen hat, mag man zwar drüber streiten können, aber ich fand die bisherigen Interpretationen sehr aufschlussreich.

Ich hab mir leider meine eigenen Interpretationen durch die Kommentare von Vladimir Nabokov zerstört. Alles was ich jetzt zu dem Buch sagen würde, wäre zweifelsohne durch diese Kommentare beeinflusst :unschuldig:
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Beitrag von Almuric »

Na also, kommen ja doch noch ein paar Postings :)

@Blutpapst
Wie lautet denn Nabokovs Interpretation?

@NamelessOne
Warum greifst Du mich jetzt überflüssigerweise an? Habe gar keine Lust auf so was hier in diesem Forum. Mehr schreib ich erstmal nicht, lassen wir es dabei.
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Beitrag von Metal-Granzi »

Haaalllloooo!!!

Wie schön, es gibt euch ja alle doch noch. :winken:

Ich finde, für den ersten Versuch war es doch gar nicht soooo schlecht. Ja, es geht auch besser, ich weiß, aber wir haben ja auch nicht gerade mit "Pitje Puck" angefangen (hehe, kennt den noch wer? :D )

Vielleicht findet die nächste Wahl ja mehr Zuspruch bei euch (sollen wir vielleicht doch lieber Comics lesen? :unschuldig: :laufen: ). (Nicht böse sein, Almuric, :bussi: )

Ich bin der Ansicht, es ist auf jeden Fall einen weiteren Versuch wert. Also, mein Appell an alle: MACHT MIT!!!
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Cloud
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Beitrag von Cloud »

Das mit dem Intepretieren ist so eine Sache. Optimalerweise sollte man an so etwas vollkommen unbefangen gehen, was aber natürlich schwer ist, wenn man bereits irgendwelche Interpretationen gelesen hat. Sei es nun hier in diesem Thread, oder bsp. am Ende meiner Buchausgabe.

Letztere ist übrigens ziemlich interessant, greift sie doch mehr oder weniger direkt all das auf, was Metal-Granzi gesagt hat und widerlegt dieses ;) Der Text habe eben keine autobiographische Züge und er prangere auch nicht die Ausbeutung durch die Familie an. Vielmehr stelle die Verwandlung den Versuch dar, dem gesellschaftlichen Leben zu entkommen, gleichfalls aber nach wie vor die Geborgenheit der Familie zu bewahren (um das mal sehr kurz zu umreißen) - was letzten Endes scheitern musste. Das Verhalten der Familie wird hier auch nicht unbedingt als negativ aufgefasst. Ich finde beide Interpretationen als einleuchtend, wobei jene von MG naheliegender scheint.

@MG: du bist nicht zufälligerweise Deutsch-Lehrerin *g* ;)
Toastman
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Beitrag von Toastman »

Kafkas Werke strotzen im Allgemeinen von sehr geschickt verknüpften und meist mehrfach verschlüsselten Verweisen auf verschiedenste Aspekte des Seins.

Die Verwandlung in den Käfer insbesondere stellt einerseits dar, dass jede Kreatur ein Individuum ist und ganz spezielle Eigenschaften, Bedürfnisse und Wünsche verkörpert... zugleich stellt es die Problematik des Arbeitstiers dar, der Panzer des Insekts (Gregor) bildet für mich den Schutzpanzer eines Menschen gegen Anfeindung und Ignoranz seines sozialen Umfelds, was von meinen Vorrednern bereits über die "Betrachtung Gregors als Arbeiter, nicht als Familienmitglied" angesprochen wurde.

Ich könnte mich nun in die Tiefen der Lyrik stürzen, aber dies soll für weitere Diskussionen erstmal mein Beitrag sein.
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