Allein auf der Suche nach dem perfekten Bogen
Moderatoren: Thies, mara, Ephirnion, Harry, Khamul
Allein auf der Suche nach dem perfekten Bogen
Schon als sie noch ein kleines Mädchen war, war Siona klar, dass sie irgendwann einmal die beste Bogenschützin Erathias sein wollte. Im zarten Alter von drei Jahren bastelte sie sich ihren ersten eigenen Bogen aus einem Zweig und einem Stück alter Schnur. Zu ihrem siebten Geburtstag schenkte ihr Vater ihr ihren ersten richtigen Bogen, drei Jahre später folgte die erste Armbrust. Doch mit wachsender Übung erkannte Siona, dass kein in Steadwick gefertigter Bogen jemals ihrem Potential gerecht werden könnte. Auch wenn sie bereits besser schoss, als alle Jungen, die sie kannte, die mangelnde Qualität der Waffen, die ihr zur Verfügung standen, hemmte ihren Fortschritt. Mit Vollendung ihres 21. Lebensjahres begann Siona deshalb, durch die Lande zu reisen, um sich mit ihrem Ersparten einen besseren Bogen zu kaufen. Besonders viel versprach sie sich von den Elfenbögen aus Tularea und Avlee. Umso größer war die Enttäuschung, als sie feststellen musste, dass Elfenbögen zwar erheblich teurer, aber fast genauso minderwertig waren, wie der von Menschen hergestellte Unrat, mit dem sie sich seit ihrer frühsten Jugend abgeben musste. Frustriert begab sie sich in eine Taverne.
Nach einigen Hörnern Met bemerkte sie, wie drei etwas einfältig dreinblickende junge Männer am Nebentisch sie anstarrten. "Was!?", herrschte sie die drei unwirsch an. Belustigt stellte sie fest, dass sich an der Hose des Goblins ein dunkler Fleck abzeichnete. Der Elf neben ihm begann zu zittern, und der Zwerg versuchte, sich unter dem Tisch zu verkriechen, was ihm ob seiner Leibesfülle jedoch nicht wirklich gelang. Die drei waren ganz eindeutig die geborenen Verlierer.
Siona beschloss, sich etwas aufzuheitern, erhob sich und trat an den Tisch der drei traurigen Gestalten. "Was sucht ihr in der Taverne? Haben euch eure Mamis erlaubt, so spät noch unterwegs zu sein?" Keine Antwort. "Du!", fuhr sie den Goblin an. "Hat man dir das Maul zugenäht? Weißt du nicht, wie man sich einer Dame gegenüber benimmt?" Genüsslich betrachtete sie, wie der angesprochene zusammenfuhr. Als er aufstand, und ihr seinen Stuhl anbot, dessen Oberfläche feucht glänzte, konnte sie sich nicht mehr beherrschen und brach in schallendes Gelächter aus. Sie zog sich ihren eigenen Stuhl vom Nachbartisch herüber und setzte sich. "Habt ihr Figuren auch Namen?" - "Ich Huey, das mein Freund Dewey", krächtzte der Goblin und wies auf den Zwerg, der schüchtern nickte, "und Spitzohr heißen Louie"(*). Wie ein nasser Sack ließ er sich auf seinen Stuhl fallen, der gefährlich knackte. "Wir Abenteurer."
Mit bebender Oberlippe eröffnete der als Louie vorgestellte Elf das Wort: "Entschuldige meinen ungehobelten Mitstreiter, seine verbalen Fähigkeiten sind nicht gerade überragend." Siona bezweifelte ernstlich, dass überhaupt einer der drei über irgendwelche auch nur annähernd brauchbare Fähigkeiten verfügen könnte. "Wir sind gerade auf der Durchreise", fuhr der Elf fort. "Wir wollen zur Smaragdinsel. Dort gibt es einen Wettbewerb, bei dem man ein Schloss gewinnen kann." "Richtig!", fiel ihm Dewey der Zwerg ins Wort, "und das verkaufen wir dann und verdienen einen Haufen Gold." Siona schürzte verächtlich die Lippen. "Halt die Klappe, Vorgartenverzierung! Das ist eine Unterhaltung unter normalgroßen Leuten!"
Ein eigenes Schloss, das wäre mal eine Abwechslung... Und als Schlossherrin hätte man bestimmt bessere Möglichkeiten, endlich einen auch nur halbwegs brauchbaren Bogen zu bekommen. "Ihr habt doch nicht den Hauch einer Chance, in einem Wettbewerb zu bestehen! Ihr braucht jemanden, der seinen Kopf nicht nur benutzt, um einen Helm darauf durch die Gegend zu tragen. Jemanden wie mich."
Fortsetzung folgt...
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(*) Huey, Dewey und Louie sind die amerikanischen Namen von Donald Duck's Neffen Tick, Trick und Track.
Nach einigen Hörnern Met bemerkte sie, wie drei etwas einfältig dreinblickende junge Männer am Nebentisch sie anstarrten. "Was!?", herrschte sie die drei unwirsch an. Belustigt stellte sie fest, dass sich an der Hose des Goblins ein dunkler Fleck abzeichnete. Der Elf neben ihm begann zu zittern, und der Zwerg versuchte, sich unter dem Tisch zu verkriechen, was ihm ob seiner Leibesfülle jedoch nicht wirklich gelang. Die drei waren ganz eindeutig die geborenen Verlierer.
Siona beschloss, sich etwas aufzuheitern, erhob sich und trat an den Tisch der drei traurigen Gestalten. "Was sucht ihr in der Taverne? Haben euch eure Mamis erlaubt, so spät noch unterwegs zu sein?" Keine Antwort. "Du!", fuhr sie den Goblin an. "Hat man dir das Maul zugenäht? Weißt du nicht, wie man sich einer Dame gegenüber benimmt?" Genüsslich betrachtete sie, wie der angesprochene zusammenfuhr. Als er aufstand, und ihr seinen Stuhl anbot, dessen Oberfläche feucht glänzte, konnte sie sich nicht mehr beherrschen und brach in schallendes Gelächter aus. Sie zog sich ihren eigenen Stuhl vom Nachbartisch herüber und setzte sich. "Habt ihr Figuren auch Namen?" - "Ich Huey, das mein Freund Dewey", krächtzte der Goblin und wies auf den Zwerg, der schüchtern nickte, "und Spitzohr heißen Louie"(*). Wie ein nasser Sack ließ er sich auf seinen Stuhl fallen, der gefährlich knackte. "Wir Abenteurer."
Mit bebender Oberlippe eröffnete der als Louie vorgestellte Elf das Wort: "Entschuldige meinen ungehobelten Mitstreiter, seine verbalen Fähigkeiten sind nicht gerade überragend." Siona bezweifelte ernstlich, dass überhaupt einer der drei über irgendwelche auch nur annähernd brauchbare Fähigkeiten verfügen könnte. "Wir sind gerade auf der Durchreise", fuhr der Elf fort. "Wir wollen zur Smaragdinsel. Dort gibt es einen Wettbewerb, bei dem man ein Schloss gewinnen kann." "Richtig!", fiel ihm Dewey der Zwerg ins Wort, "und das verkaufen wir dann und verdienen einen Haufen Gold." Siona schürzte verächtlich die Lippen. "Halt die Klappe, Vorgartenverzierung! Das ist eine Unterhaltung unter normalgroßen Leuten!"
Ein eigenes Schloss, das wäre mal eine Abwechslung... Und als Schlossherrin hätte man bestimmt bessere Möglichkeiten, endlich einen auch nur halbwegs brauchbaren Bogen zu bekommen. "Ihr habt doch nicht den Hauch einer Chance, in einem Wettbewerb zu bestehen! Ihr braucht jemanden, der seinen Kopf nicht nur benutzt, um einen Helm darauf durch die Gegend zu tragen. Jemanden wie mich."
Fortsetzung folgt...
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(*) Huey, Dewey und Louie sind die amerikanischen Namen von Donald Duck's Neffen Tick, Trick und Track.
Zuletzt geändert von phoonzang am Mo 23.10.2006 - 00:15, insgesamt 1-mal geändert.
Louies gestammelter Protest war nach einer schallenden Ohrfeige augenblicklich verstummt, und so setzte Siona mit ihren neuen Untergebenen schon wenige Tage später den Fuß auf die Smaragdinsel.
Die Lektüre des Regelwerks sorgte für ungläubiges Staunen. Das soll ein Wettbewerb sein? Ein bisschen billigen Plunder zusammenraffen, bei diesem seltsamen ungekämmten Lord Markham vorbeibringen, und das war's? Und dafür gibt's ein Schloss? "Mir soll's recht sein...", brummelte Siona. Ihre Gefolgsleute gingen ihr bereits gewaltig auf die Nerven. Bereits bei der ersten Begegnung mit ein paar Drachenfliegen bewiesen sie ihre Unfähigkeit, indem sie sich weigerten, von ihren Waffen Gebrauch zu machen, und schon nach kurzer Zeit in Ohnmacht fielen. "Na toll", dachte sich Siona, "alles muss man alleine machen. Verdammt schwer, gutes Personal zu bekommen..."
Ihre Laune besserte sich jedoch merklich, nachdem sie nach recht kurzer Zeit sämtliche von Lord Markham geforderten Gegenstände beisammen hatte. Ohne diese lästigen Klötze am Bein kam sie wirklich viel schneller voran. Bei der Suche hatte es lediglich zwei kleine Zwischenfälle gegeben. Einmal waren ihr ein paar Drachenfliegen ins Dorf gefolgt, und hatten einen zwielichtigen Kerl namens Melwick getötet, bevor Siona das Ungeziefer hatte erledigen können. Nun ja, nicht schade um den Typen, zumal Siona bei seinen sterblichen Überresten einen äußerst interessanten Zauberstab fand. Der zweite Zwischenfall ereignete sich im verlassenen Tempel der Insel, als ein Wettbewerbsteilnehmer namens Sal Säbelzahn seine unbedachte Provokation mit dem Leben bezahlte. Aus diesem Grund war Siona auch kurz zusammengezuckt, als Markham sie nach dem Verbleib einiger vermisster Teilnehmer gefragt hatte, aber es war schnell klar geworden, dass jemand anderes gemeint gewesen war. Als Siona den Schild eines dieser Unglücklichen aus der örtlichen Drachenhöhle fischte, hauchten ihre drei Begleiter endgültig ihr Leben aus. Endlich.
Der Wettbewerb war also gewonnen, aber Siona war das nicht genug. Dieser Drache hatte sich ihren Zorn zugezogen, als er ihr die Haare angesengt hatte. Was erlaubte das Vieh sich? Auf der gesamten Smaragdinsel war kein einziger Barbier zu finden! Nach einigen Wochen Training, in denen sie vornehmlich ihre Bogenfertigkeiten weiter verbesserte, betrat Siona, bewaffnet mit Melwicks Zauberstab, die Drachenhöhle. Der Kampf tobte mehrere Stunden und war gezeichnet von schnellen Schüssen und kontrollierten Rückzügen, doch letzten Endes ging Siona, wenn auch denkbar knapp, als Siegerin hervor.
Erschöpft machte sie sich mit Hilfe ihres Schwerts daran, den Drachen zu sezieren. Sie hatte als Kind in Steadwick von einem Abenteurer gehört, dass Drachen unterlegene Möchtegern-Drachentöter häufig in voller Rüstung und mitsamt ihrer Waffen verschluckten. Und tatsächlich, dieses Exemplar hatte offenbar ein ganzes Heer verspeist. Je mehr Metall sie aus dem Drachen hervorzog, desto unsicherer wurde sie, ob der Tod des stolzen Untiers wirklich ihr Werk gewesen war... Kein Wesen, gleich wie stark, konnte mit so vielen scharfen Waffen im Leib überleben.
Die Zerlegung des Drachens dauerte noch länger als der eigentliche Kampf, und Siona verlor jegliches Zeitgefühl. Mehrfach hatte sie den Eindruck, der Drache würde verschwinden, jedoch nur für einen kurzen Augenblick - schon ein Blinzeln später erschien er wieder vor ihr. In diesen Situationen beschlich Siona das seltsame Gefühl, die Zeit würde rückwärts laufen - wahrscheinlich eine Halluzination, hervorgerufen durch den Anblick des dickflüssigen, dampfenden roten Drachenblutes, das längst ihre Kleidung durchtränkt hatte, oder durch den widerlichen Gestank des Kadavers.
Die Ausbeute allerdings rechtfertigte die mühsame Ausweidung in jeder Hinsicht. Neben einigen unbrauchbaren Gegenständen, die Siona in den örtlichen Geschäften verscheuerte, fand sie ein Paar äußerst hochwertige Siebenmeilenstiefel. Wenn sie erst einmal den Gestank aus dem Leder bekäme, würden die ihr ganz hervorragend stehen. Ihre Aufmerksamkeit erregte weiterhin eine goldene Kettenrüstung, die wohl einmal einem Gouverneur namens Padish gehört haben musste. Beim Versuch einer Anprobe verhedderte sich Siona allerdings dermaßen in den Kettenringen, dass sie die Rüstung erstmal beiseite legte. In der Nähe ihres Schlosses würde es hoffentlich jemanden geben, der ihr beibringen könnte, wie man solche Metallgewänder anlegt. Ähnliches galt für einen Dreizack, der einer kleinen Inschrift zufolge den Namen Charele trug, allerdings befürchtete Siona, dass für einen Stangenwaffenlehrgang eine Reise in die Elfenlande nötig sein würde.
Als Siona einen eigentlich eher unscheinbaren Dolch freilegte, schien sich plötzlich die ganze Höhle zu verdunkeln. Diese Waffe war so unglaublich böse, dass sie sämtliches Licht um sich herum aufzusaugen schien. Siona war fasziniert. Diesen Dolch würde sie zu führen lernen, koste es was es wolle. Ihr letzter Fund war ein Bogen namens Ulysses, der anstatt normaler Holzpfeile Eiszapfen verschoss. Nicht perfekt, sicherlich, aber zweifellos eleganter als jeder Bogen, den Siona in ihrem Leben gesehen hatte. Dieses Stück würde sie bis zum Fund des absolut perfekten Bogens nicht mehr aus der Hand legen. Während sie Ulysses noch zum ersten Mal spannte und bewundernd beobachtete, wie sich wie von Geisterhand ein Eispfeil auf der Sehne bildete, verschwand der Kadaver des Drachen, als sei er nie dagewesen.
Fortsetzung folgt...
Die Lektüre des Regelwerks sorgte für ungläubiges Staunen. Das soll ein Wettbewerb sein? Ein bisschen billigen Plunder zusammenraffen, bei diesem seltsamen ungekämmten Lord Markham vorbeibringen, und das war's? Und dafür gibt's ein Schloss? "Mir soll's recht sein...", brummelte Siona. Ihre Gefolgsleute gingen ihr bereits gewaltig auf die Nerven. Bereits bei der ersten Begegnung mit ein paar Drachenfliegen bewiesen sie ihre Unfähigkeit, indem sie sich weigerten, von ihren Waffen Gebrauch zu machen, und schon nach kurzer Zeit in Ohnmacht fielen. "Na toll", dachte sich Siona, "alles muss man alleine machen. Verdammt schwer, gutes Personal zu bekommen..."
Ihre Laune besserte sich jedoch merklich, nachdem sie nach recht kurzer Zeit sämtliche von Lord Markham geforderten Gegenstände beisammen hatte. Ohne diese lästigen Klötze am Bein kam sie wirklich viel schneller voran. Bei der Suche hatte es lediglich zwei kleine Zwischenfälle gegeben. Einmal waren ihr ein paar Drachenfliegen ins Dorf gefolgt, und hatten einen zwielichtigen Kerl namens Melwick getötet, bevor Siona das Ungeziefer hatte erledigen können. Nun ja, nicht schade um den Typen, zumal Siona bei seinen sterblichen Überresten einen äußerst interessanten Zauberstab fand. Der zweite Zwischenfall ereignete sich im verlassenen Tempel der Insel, als ein Wettbewerbsteilnehmer namens Sal Säbelzahn seine unbedachte Provokation mit dem Leben bezahlte. Aus diesem Grund war Siona auch kurz zusammengezuckt, als Markham sie nach dem Verbleib einiger vermisster Teilnehmer gefragt hatte, aber es war schnell klar geworden, dass jemand anderes gemeint gewesen war. Als Siona den Schild eines dieser Unglücklichen aus der örtlichen Drachenhöhle fischte, hauchten ihre drei Begleiter endgültig ihr Leben aus. Endlich.
Der Wettbewerb war also gewonnen, aber Siona war das nicht genug. Dieser Drache hatte sich ihren Zorn zugezogen, als er ihr die Haare angesengt hatte. Was erlaubte das Vieh sich? Auf der gesamten Smaragdinsel war kein einziger Barbier zu finden! Nach einigen Wochen Training, in denen sie vornehmlich ihre Bogenfertigkeiten weiter verbesserte, betrat Siona, bewaffnet mit Melwicks Zauberstab, die Drachenhöhle. Der Kampf tobte mehrere Stunden und war gezeichnet von schnellen Schüssen und kontrollierten Rückzügen, doch letzten Endes ging Siona, wenn auch denkbar knapp, als Siegerin hervor.
Erschöpft machte sie sich mit Hilfe ihres Schwerts daran, den Drachen zu sezieren. Sie hatte als Kind in Steadwick von einem Abenteurer gehört, dass Drachen unterlegene Möchtegern-Drachentöter häufig in voller Rüstung und mitsamt ihrer Waffen verschluckten. Und tatsächlich, dieses Exemplar hatte offenbar ein ganzes Heer verspeist. Je mehr Metall sie aus dem Drachen hervorzog, desto unsicherer wurde sie, ob der Tod des stolzen Untiers wirklich ihr Werk gewesen war... Kein Wesen, gleich wie stark, konnte mit so vielen scharfen Waffen im Leib überleben.
Die Zerlegung des Drachens dauerte noch länger als der eigentliche Kampf, und Siona verlor jegliches Zeitgefühl. Mehrfach hatte sie den Eindruck, der Drache würde verschwinden, jedoch nur für einen kurzen Augenblick - schon ein Blinzeln später erschien er wieder vor ihr. In diesen Situationen beschlich Siona das seltsame Gefühl, die Zeit würde rückwärts laufen - wahrscheinlich eine Halluzination, hervorgerufen durch den Anblick des dickflüssigen, dampfenden roten Drachenblutes, das längst ihre Kleidung durchtränkt hatte, oder durch den widerlichen Gestank des Kadavers.
Die Ausbeute allerdings rechtfertigte die mühsame Ausweidung in jeder Hinsicht. Neben einigen unbrauchbaren Gegenständen, die Siona in den örtlichen Geschäften verscheuerte, fand sie ein Paar äußerst hochwertige Siebenmeilenstiefel. Wenn sie erst einmal den Gestank aus dem Leder bekäme, würden die ihr ganz hervorragend stehen. Ihre Aufmerksamkeit erregte weiterhin eine goldene Kettenrüstung, die wohl einmal einem Gouverneur namens Padish gehört haben musste. Beim Versuch einer Anprobe verhedderte sich Siona allerdings dermaßen in den Kettenringen, dass sie die Rüstung erstmal beiseite legte. In der Nähe ihres Schlosses würde es hoffentlich jemanden geben, der ihr beibringen könnte, wie man solche Metallgewänder anlegt. Ähnliches galt für einen Dreizack, der einer kleinen Inschrift zufolge den Namen Charele trug, allerdings befürchtete Siona, dass für einen Stangenwaffenlehrgang eine Reise in die Elfenlande nötig sein würde.
Als Siona einen eigentlich eher unscheinbaren Dolch freilegte, schien sich plötzlich die ganze Höhle zu verdunkeln. Diese Waffe war so unglaublich böse, dass sie sämtliches Licht um sich herum aufzusaugen schien. Siona war fasziniert. Diesen Dolch würde sie zu führen lernen, koste es was es wolle. Ihr letzter Fund war ein Bogen namens Ulysses, der anstatt normaler Holzpfeile Eiszapfen verschoss. Nicht perfekt, sicherlich, aber zweifellos eleganter als jeder Bogen, den Siona in ihrem Leben gesehen hatte. Dieses Stück würde sie bis zum Fund des absolut perfekten Bogens nicht mehr aus der Hand legen. Während sie Ulysses noch zum ersten Mal spannte und bewundernd beobachtete, wie sich wie von Geisterhand ein Eispfeil auf der Sehne bildete, verschwand der Kadaver des Drachen, als sei er nie dagewesen.
Fortsetzung folgt...
"Müllhalde" wäre noch ein sehr freundlicher Begriff, um den Zustand von Schloss Harmondy zu beschreiben. Wie hatte Siona auch nur eine Sekunde denken können, dass jemand ein intaktes Schloss in einem so lächerlich einfachen Gewinnspiel verschenken könnte. Nicht einmal so ein Verrückter wie Markham konnte so dämlich sein. Es ärgerte sie, dass dieser haarige Möchtegern von einem Lord sie benutzt hatte, um seinen Abfall loszuwerden. Ihre Wut ließ sie an den das Schloss bevölkernden Ratten und Goblins aus.
Der Butler, den sie in der Schenke neben einem jammernden Bürger, der irgendetwas von einem verlorenen Siegelring stammelte, fand, erklärte ihr, die Zwerge in Steinstadt seien vielleicht in der Lage, das Schloss wieder in einen besseren Zustand zu versetzen. Siona stöhnte. "Noch mehr Rasenschmuck!" Der glücklicherweise inzwischen verstorbene Dewey war ihr schon genug auf die Nerven gefallen. Andererseits, der Gedanke, Zwerge als Putzkolonne zu missbrauchen, gefiel ihr. Wie auch immer, das würde warten müssen. Aus unerfindlichen Gründen ging keine Kutsche nach Steinstadt. Aber Siona war ohnehin begierig, ihre neue Ausrüstung auszuprobieren. Der freundliche Schmied von Harmondale half ihr galant in ihre neue Kettenrüstung. Nach einem prüfenden Blick in eine glänzende Plattenrüstung aus der Auslage - nach dem Aufbau des Schlosses würde sie sofort ein Dekret erlassen, das allen Rüstungsschmieden das Aufstellen eines Anprobespiegels vorschrieb - machte sie sich per Kutsche auf den Weg in den tulareanischen Forst.
In Pierpoint angekommen, ließ sie sich zunächst in der Führung von Stangenwaffen ausbilden. Mit Charele in den Händen und Ulysses auf dem Rücken erkundete sie den Rest der Stadt - viel hatte sich seit ihren letzten Besuchen nicht geändert, immer noch dasselbe hochnäsige Spitzohren-Pack. Nach wie vor fühlten sie sich als etwas besseres, und besaßen tatsächlich die Frechheit, Reisende darum zu bitten, niedere Laufburschenaufträge zu verrichten. Siona knirschte mit den Zähnen. Vorerst würde ihr nichts übrig bleiben, als diese lächerlichen Aufträge auszuführen. Aber wenn sie erst einmal das Vertrauen der Bevölkerung hatte... Dann würde sich das Elfenpack gewaltig umgucken.
Die weitere Reise führte sie nach Avlee, wo sie nach einem kurzen Besuch beim Feenkönig und der Plünderung dessen persönlicher Schatzkiste - schöne Ringe stellen sie ja schon her, die Feen - einen alten Bekannten namens Steagal Snick besuchte. Steagal war anders als die meisten Elfen - genauso hochnäsig, aber weniger berechenbar, weniger friedliebend... Schlicht nicht so ekelhaft freundlich. Irgendwie mochte Siona ihn. Snick berichtete ihr von einem Aufzug in den Roten Zwergenminen von Bracada, den er sabotiert wissen wollte. Im Gegenzug wollte er sie zur Kampfmagierin befördern. "Das ist doch mal zur Abwechslung ein fairer Deal", dachte sich Siona.
Mit einem kleinen Umweg über Tularea und Erathia, wo sie in einer Räuberhöhle einen Siegelring fand, der verdächtig nach dem vom Schenkengast in Harmondale beschriebenen Schmuckstück aussah, reiste sie durch das kleine Dorf südlich von Schloss Harmondy geradewegs in das Tal der Hügelgräber.
Fortsetzung folgt...
Der Butler, den sie in der Schenke neben einem jammernden Bürger, der irgendetwas von einem verlorenen Siegelring stammelte, fand, erklärte ihr, die Zwerge in Steinstadt seien vielleicht in der Lage, das Schloss wieder in einen besseren Zustand zu versetzen. Siona stöhnte. "Noch mehr Rasenschmuck!" Der glücklicherweise inzwischen verstorbene Dewey war ihr schon genug auf die Nerven gefallen. Andererseits, der Gedanke, Zwerge als Putzkolonne zu missbrauchen, gefiel ihr. Wie auch immer, das würde warten müssen. Aus unerfindlichen Gründen ging keine Kutsche nach Steinstadt. Aber Siona war ohnehin begierig, ihre neue Ausrüstung auszuprobieren. Der freundliche Schmied von Harmondale half ihr galant in ihre neue Kettenrüstung. Nach einem prüfenden Blick in eine glänzende Plattenrüstung aus der Auslage - nach dem Aufbau des Schlosses würde sie sofort ein Dekret erlassen, das allen Rüstungsschmieden das Aufstellen eines Anprobespiegels vorschrieb - machte sie sich per Kutsche auf den Weg in den tulareanischen Forst.
In Pierpoint angekommen, ließ sie sich zunächst in der Führung von Stangenwaffen ausbilden. Mit Charele in den Händen und Ulysses auf dem Rücken erkundete sie den Rest der Stadt - viel hatte sich seit ihren letzten Besuchen nicht geändert, immer noch dasselbe hochnäsige Spitzohren-Pack. Nach wie vor fühlten sie sich als etwas besseres, und besaßen tatsächlich die Frechheit, Reisende darum zu bitten, niedere Laufburschenaufträge zu verrichten. Siona knirschte mit den Zähnen. Vorerst würde ihr nichts übrig bleiben, als diese lächerlichen Aufträge auszuführen. Aber wenn sie erst einmal das Vertrauen der Bevölkerung hatte... Dann würde sich das Elfenpack gewaltig umgucken.
Die weitere Reise führte sie nach Avlee, wo sie nach einem kurzen Besuch beim Feenkönig und der Plünderung dessen persönlicher Schatzkiste - schöne Ringe stellen sie ja schon her, die Feen - einen alten Bekannten namens Steagal Snick besuchte. Steagal war anders als die meisten Elfen - genauso hochnäsig, aber weniger berechenbar, weniger friedliebend... Schlicht nicht so ekelhaft freundlich. Irgendwie mochte Siona ihn. Snick berichtete ihr von einem Aufzug in den Roten Zwergenminen von Bracada, den er sabotiert wissen wollte. Im Gegenzug wollte er sie zur Kampfmagierin befördern. "Das ist doch mal zur Abwechslung ein fairer Deal", dachte sich Siona.
Mit einem kleinen Umweg über Tularea und Erathia, wo sie in einer Räuberhöhle einen Siegelring fand, der verdächtig nach dem vom Schenkengast in Harmondale beschriebenen Schmuckstück aussah, reiste sie durch das kleine Dorf südlich von Schloss Harmondy geradewegs in das Tal der Hügelgräber.
Fortsetzung folgt...
- SirCaneghem
- Drache

- Beiträge: 2610
- Registriert: Do 12.09.2002 - 16:34
- Wohnort: Schloss Harmondy
Komische Gegend, dieses Tal der Hügelgräber... Siona würde sich nie an die seltsame Angewohnheit der Zwerge gewöhnen, unter der Erde zu hausen... Allein dieser muffige Gestank der schlecht gelüfteten Gänge, ganz zu schweigen von dem Ungeziefer... Die schale Luft verursachte bei Siona regelmäßig das Gefühl, langsam zu ersticken. Zudem zog die moderige Feuchtigkeit durch die Maschen jedes noch so eng gewebten Kleidungsstücks, ließ Gewänder klamm herunterhängen und Metalle innerhalb weniger Stunden Rost ansetzen... Kein Wunder, dass das Kleinvolk so viel Zeit mit dem Polieren ihrer Waffen und Rüstungen verbrachte...
Aber nicht nur, dass die Zwerge ihre Wohnstätten so verlottern ließen - sie schienen sich keinen Pfifferling darum zu scheren, was an der Erdoberfläche passierte. Schon wenige Schritte hinter der kleinen Schenke, in der Siona ihre Nahrungsvorräte aufgestockt hatte, traf sie einige Geister - und wie das meiste, was Siona traf, rührten sie sich nicht mehr, ehe sie unsere Heldin überhaupt erreicht hatten. Manchmal fragte sie sich, weshalb diese armseligen Kreaturen so scharf darauf waren, die Grenze zwischen "untot" und "ganz tot" zu überschreiten... Ihr sollte es Recht sein, ein paar Zielübungen taten immer gut. Viel mehr störte sie der lange Fußmarsch, schmale gewundene Pfade auf Hügel hinauf, über Brücken, nur um auf der anderen Seite der Brücke ebenso hohe Hügel wieder hinabzuklettern. Einfach nur lästig. Wenn sie gewusst hätte, dass ihre Suche mit solchen Fußmärschen verbunden sein würde... Da halfen auch ihre bequemen Siebenmeilenstiefel, die ihr der kürzlich verstorbene Drache der Smaragdinsel freundlicherweise hinterlassen hatte, wenig weiter. Zumindest begann der Gestank, der immer noch an ihnen haftete, langsam nachzulassen.
Vor den Toren Steinstadts angekommen, blickte Siona nachdenklich nach oben. Zu fliegen, wie die Vögel... das wäre etwas. Das wäre eine bequemere Art zu reisen als die sinnlose Lauferei. Noch wusste sie nur sehr wenig über Magie, aber wenn selbst sie als Neuling die Elemente bereits ein wenig zu manipulieren wusste, dann könnte eine Meisterin großes erreichen. Und eine Meisterin, das wusste Siona, eine Meisterin würde sie eines Tages sein.
Gedankenverloren betrat sie die unterirdische Zwergenstadt - und wurde prompt durch einen dumpfen Schlag auf ihren Helm aus ihren Überlegungen gerissen. Dass diese Gartenverzierungen ihre Durchgänge nicht für normal große Menschen auslegen konnten! Missmutig begann sie, nach dem Thronsaal zu suchen. Als sie ihn endlich fand, stellten sich Zweifel ein, ob die Zwerge tatsächlich das richtige Personal zum Aufbau von Schloss Harmondy waren... Prächtig war jedenfalls anders... Andererseits, zur Zeit machte ihre Behausung noch weniger her - zur Not würde sie nach der ersten notdürftigen Renovierung noch jemanden suchen müssen, der ihrem Schloss den Glanz gab, der ihrer würdig war. Alles zu seiner Zeit. Nun würde sie sich erstmal anhören, was die goldgierige halbe Portion, die sich König nannte, als Gegenleistung für die Ehre anbieten würde, Harmondy wieder aufbauen zu dürfen.
Nach der kurzen Audienz verließ Siona wutschnaubend den Thronsaal. Was bildete sich dieser Wurm ein, noch Forderungen zu stellen? Konnte der auf sein Personal nicht selbst aufpassen? Als ob sie Zeit hätte, in irgendeiner bescheuerten Mine in Bracada... Moment mal. Mine in Bracada? Da war doch was... Hatte Snick sie nicht exakt dorthin geschickt? Nun ja, wenn sie ohnehin unterwegs war, konnte sie vielleicht sogar einen Moment erübrigen, um diesem Möchtegern-König seine Untertanen zurückzubringen. Aber falls diese sich als so nervtötend wie Huey, Dewey und Louie entpuppen würden, würden sie schneller deren Schicksal erleiden, als sie "Gold" sagen konnten.
Fortsetzung folgt...
Aber nicht nur, dass die Zwerge ihre Wohnstätten so verlottern ließen - sie schienen sich keinen Pfifferling darum zu scheren, was an der Erdoberfläche passierte. Schon wenige Schritte hinter der kleinen Schenke, in der Siona ihre Nahrungsvorräte aufgestockt hatte, traf sie einige Geister - und wie das meiste, was Siona traf, rührten sie sich nicht mehr, ehe sie unsere Heldin überhaupt erreicht hatten. Manchmal fragte sie sich, weshalb diese armseligen Kreaturen so scharf darauf waren, die Grenze zwischen "untot" und "ganz tot" zu überschreiten... Ihr sollte es Recht sein, ein paar Zielübungen taten immer gut. Viel mehr störte sie der lange Fußmarsch, schmale gewundene Pfade auf Hügel hinauf, über Brücken, nur um auf der anderen Seite der Brücke ebenso hohe Hügel wieder hinabzuklettern. Einfach nur lästig. Wenn sie gewusst hätte, dass ihre Suche mit solchen Fußmärschen verbunden sein würde... Da halfen auch ihre bequemen Siebenmeilenstiefel, die ihr der kürzlich verstorbene Drache der Smaragdinsel freundlicherweise hinterlassen hatte, wenig weiter. Zumindest begann der Gestank, der immer noch an ihnen haftete, langsam nachzulassen.
Vor den Toren Steinstadts angekommen, blickte Siona nachdenklich nach oben. Zu fliegen, wie die Vögel... das wäre etwas. Das wäre eine bequemere Art zu reisen als die sinnlose Lauferei. Noch wusste sie nur sehr wenig über Magie, aber wenn selbst sie als Neuling die Elemente bereits ein wenig zu manipulieren wusste, dann könnte eine Meisterin großes erreichen. Und eine Meisterin, das wusste Siona, eine Meisterin würde sie eines Tages sein.
Gedankenverloren betrat sie die unterirdische Zwergenstadt - und wurde prompt durch einen dumpfen Schlag auf ihren Helm aus ihren Überlegungen gerissen. Dass diese Gartenverzierungen ihre Durchgänge nicht für normal große Menschen auslegen konnten! Missmutig begann sie, nach dem Thronsaal zu suchen. Als sie ihn endlich fand, stellten sich Zweifel ein, ob die Zwerge tatsächlich das richtige Personal zum Aufbau von Schloss Harmondy waren... Prächtig war jedenfalls anders... Andererseits, zur Zeit machte ihre Behausung noch weniger her - zur Not würde sie nach der ersten notdürftigen Renovierung noch jemanden suchen müssen, der ihrem Schloss den Glanz gab, der ihrer würdig war. Alles zu seiner Zeit. Nun würde sie sich erstmal anhören, was die goldgierige halbe Portion, die sich König nannte, als Gegenleistung für die Ehre anbieten würde, Harmondy wieder aufbauen zu dürfen.
Nach der kurzen Audienz verließ Siona wutschnaubend den Thronsaal. Was bildete sich dieser Wurm ein, noch Forderungen zu stellen? Konnte der auf sein Personal nicht selbst aufpassen? Als ob sie Zeit hätte, in irgendeiner bescheuerten Mine in Bracada... Moment mal. Mine in Bracada? Da war doch was... Hatte Snick sie nicht exakt dorthin geschickt? Nun ja, wenn sie ohnehin unterwegs war, konnte sie vielleicht sogar einen Moment erübrigen, um diesem Möchtegern-König seine Untertanen zurückzubringen. Aber falls diese sich als so nervtötend wie Huey, Dewey und Louie entpuppen würden, würden sie schneller deren Schicksal erleiden, als sie "Gold" sagen konnten.
Fortsetzung folgt...
Auf dem Rückweg von Steinstadt nach Harmondale fühlte sich Siona zum ersten Mal in ihrem Leben richtig einsam. Sie war allein unterwegs, natürlich, aber das war sie schon seit einiger Zeit. Sie hatte unterwegs einige Leute kennengelernt, die man bei flüchtiger Betrachtung wohl als Freunde bezeichnen konnte - aber in letzter Zeit erschien es ihr, als suche jeder, mit dem sie sprach, lediglich seinen eigenen Vorteil. Sie hatte das Gefühl, dass jede Gegenleistung, die sie für diese lächerlichen kleinen Gefallen, die sie den Leuten tat, ihr nicht aus Dankbarkeit gegeben wurde, sondern aus eiskalter Berechnung, getragen von der Gewissheit, dass sie ansonsten keinen Grund hätte, die ihr angetragenen Aufgaben auszuführen. Sie fühlte keine Verpflichtung gegenüber anderen, und genausowenig schienen die sich ihr verpflichtet zu fühlen. Am Ende geschah alles, was irgendjemand tat, aus reinem Eigennutz. Siona fühlte sich von der Gesellschaft verraten. Zuneigung, Freundschaft, Altruismus - alles Lügen! Für den richtigen Preis würde sie jeder ihrer sogenannten Freunde verraten und verkaufen, ohne mit der Wimper zu zucken. Bei Geschäftsbeziehungen wusste man wenigstens, woran man war. Ihr war klar, dass auch Snick nur ein Geschäftsmann war - aber wenigstens stand er dazu. Wenigstens brachte er Siona die Wertschätzung ihrer Fähigkeiten entgegen, die ihr gebührte. Sie hatte keine Ahnung, welche höheren Ziele er mit der Sabotage dieses Zwergen-Aufzugs verfolgte, aber er schien zu wissen, dass nur sie diese Aufgabe erfüllen können würde - und andersherum war Siona sich darüber im klaren, dass nur Snick ihr die Ausbildung zur Kampfmagierin zuteil werden lassen konnte. Wer brauchte Freunde, wenn er gute Geschäftspartner hatte? Und dennoch...
Siona erschauerte. Es hätte nur zu gut zu ihrem Gemütszustand gepasst, wenn es in diesem Moment zu regnen angefangen hätte. Doch aus unerfindlichen Gründen hatte Siona seit Beginn ihrer Reise keinen einzigen Tropfen Regen mehr abbekommen. Es musste weiterhin Regen fallen, das wusste sie, denn die Landschaften blieben grün, die Pflanzen wuchsen weiter - aber offenbar regnete es nur in ihrer Abwesenheit. Grimmig beschleunigte Siona ihren Schritt. Wenn sogar der Regengott Angst vor ihr hatte, ihr sollte es Recht sein.
Trotzdem legte sie ihre nächste Rast lieber in einer geschützten Höhle in den südlichen Bergen Harmondales ein. Die vorherigen Bewohner, einige Troglodyten, bewiesen die gleiche Todessehnsucht wie alle Untiere, denen Siona begegnete, indem sie zum Angriff übergingen, aber Ulysses' Eispfeile befreiten auch sie von ihrem ärmlichen Dasein. In einer Ecke fand Siona einen Leichnam und ein paar Arcomage-Karten. Mit dem Kartenspiel im Gepäck setzte sie ihre Reise fort.
Auf der Durchreise kassierte sie noch schnell die Belohnung für den in Erathia wiedergefundenen Siegelring und überbrachte die Nachricht des verstorbenen Arcomage-Spielers. Wie großzügig, sie das Kartenspiel behalten zu lassen - sie hätte es ohnehin nicht wieder rausgerückt. Ein gelegentliches Spiel in den diversen Tavernen ließ sie die Strapazen ihrer Reisen wenigstens für einen Moment vergessen.
Mit der Kutsche ging es nach Erathia, und von dort aus direkt weiter in die Bracadawüste, wo die roten Zwergenminen schnell gefunden waren. Aber schon kurz nach dem Betreten der engen Gänge - diesmal dachte Siona daran, den Kopf einzuziehen - kam der nächste Unbill: Schleim. Ausgerechnet. Das Zeug hinterließ schlimmere Flecken als Wein, Blut und Rost zusammen. Vorsichtshalber blieb Siona so weit möglich in sicherer Entfernung. Wie gut, dass Ulysses Eiszapfen verschoss - Siona hatte unterwegs gehört, dass Schleime mit normalen Pfeilen nicht verletzt werden konnten. Immer auf der Hut und in Sorge um ihre Kleidung, erlöste Siona einen nach dem anderen Zwerg aus seiner misslichen Versteinerung. Als Siona die Höhle für eine Rast verließ, bestand ihre Gefolgschaft aus sieben Zwergen. So viele Mäuler zu stopfen - zum Glück hatte sie genug Äpfel dabei. Sie drängte die Zwerge zur Eile, schließlich wollte sie so schnell wie möglich den Aufzug sabotieren und dem Zwergenkönig ihre unerwünschten Begleiter zurückbringen. In ihrer Hast verschluckte sie sich so heftig an einem der Äpfel, dass sie um Luft ringen musste. Nicht auszudenken was passieren würde, wenn sie hier in Ohnmacht fallen würde, umgeben von sieben flennenden Zwergen... Und dann auch noch nur wegen eines dämlichen Apfels...
Fortsetzung folgt...
Siona erschauerte. Es hätte nur zu gut zu ihrem Gemütszustand gepasst, wenn es in diesem Moment zu regnen angefangen hätte. Doch aus unerfindlichen Gründen hatte Siona seit Beginn ihrer Reise keinen einzigen Tropfen Regen mehr abbekommen. Es musste weiterhin Regen fallen, das wusste sie, denn die Landschaften blieben grün, die Pflanzen wuchsen weiter - aber offenbar regnete es nur in ihrer Abwesenheit. Grimmig beschleunigte Siona ihren Schritt. Wenn sogar der Regengott Angst vor ihr hatte, ihr sollte es Recht sein.
Trotzdem legte sie ihre nächste Rast lieber in einer geschützten Höhle in den südlichen Bergen Harmondales ein. Die vorherigen Bewohner, einige Troglodyten, bewiesen die gleiche Todessehnsucht wie alle Untiere, denen Siona begegnete, indem sie zum Angriff übergingen, aber Ulysses' Eispfeile befreiten auch sie von ihrem ärmlichen Dasein. In einer Ecke fand Siona einen Leichnam und ein paar Arcomage-Karten. Mit dem Kartenspiel im Gepäck setzte sie ihre Reise fort.
Auf der Durchreise kassierte sie noch schnell die Belohnung für den in Erathia wiedergefundenen Siegelring und überbrachte die Nachricht des verstorbenen Arcomage-Spielers. Wie großzügig, sie das Kartenspiel behalten zu lassen - sie hätte es ohnehin nicht wieder rausgerückt. Ein gelegentliches Spiel in den diversen Tavernen ließ sie die Strapazen ihrer Reisen wenigstens für einen Moment vergessen.
Mit der Kutsche ging es nach Erathia, und von dort aus direkt weiter in die Bracadawüste, wo die roten Zwergenminen schnell gefunden waren. Aber schon kurz nach dem Betreten der engen Gänge - diesmal dachte Siona daran, den Kopf einzuziehen - kam der nächste Unbill: Schleim. Ausgerechnet. Das Zeug hinterließ schlimmere Flecken als Wein, Blut und Rost zusammen. Vorsichtshalber blieb Siona so weit möglich in sicherer Entfernung. Wie gut, dass Ulysses Eiszapfen verschoss - Siona hatte unterwegs gehört, dass Schleime mit normalen Pfeilen nicht verletzt werden konnten. Immer auf der Hut und in Sorge um ihre Kleidung, erlöste Siona einen nach dem anderen Zwerg aus seiner misslichen Versteinerung. Als Siona die Höhle für eine Rast verließ, bestand ihre Gefolgschaft aus sieben Zwergen. So viele Mäuler zu stopfen - zum Glück hatte sie genug Äpfel dabei. Sie drängte die Zwerge zur Eile, schließlich wollte sie so schnell wie möglich den Aufzug sabotieren und dem Zwergenkönig ihre unerwünschten Begleiter zurückbringen. In ihrer Hast verschluckte sie sich so heftig an einem der Äpfel, dass sie um Luft ringen musste. Nicht auszudenken was passieren würde, wenn sie hier in Ohnmacht fallen würde, umgeben von sieben flennenden Zwergen... Und dann auch noch nur wegen eines dämlichen Apfels...
Fortsetzung folgt...
Aus den unzusammenhängend gestammelten Berichten der Zwerge schloss Siona, dass sich im unteren Geschoss der Minen eine Horde von Medusen einquartiert haben musste. Sie überlegte. Natürlich könnte sie es auf einen frontalen Angriff ankommen lassen, aber ein einziger Glückstreffer einer Medusa, der sie versteinern ließ, würde das Ende ihrer Suche bedeuten. Niemand würde ein Interesse daran haben, eine gescheiterte Retterin zu retten, und ohnehin bezweifelte sie, dass irgendjemand überhaupt dazu in der Lage wäre. Außerdem taten ihr die Medusen leid. Sie kannte nur zu gut das Gefühl, wenn die eigenen Haare taten, was sie wollten... Diese Tage, an denen sie beim ersten Blick in den Spiegel wusste, dass sie Stunden brauchen würde, ihre Mähne in eine auch nur halbwegs geordnete Form zu bringen, die sie schier verzweifeln ließen. War das Mitgefühl? Siona war sich nicht sicher, ob sie zu einer solchen Regung fähig war - oder überhaupt dazu fähig sein wollte. Ihren Sinn für das Wesentliche würde sie sich durch alberne Sympathien jedenfalls nicht nehmen lassen. In diesem Fall jedoch wusste sie, dass es intelligenter sein würde, die Medusen zu verschonen.
Nach vollendeter Rast betrat sie erneut die Minen und begab sich zielstrebig zum Aufzug, den sie schon bei der Rettung der Zwerge entdeckt hatte. Sie atmete tief durch und betätigte den Mechanismus. Während des langsamen Abstiegs kauerte sie sich auf den Aufzugboden, alle Muskeln gespannt, bereit, sofort loszustürmen. Das dumpfe Knacken, als die alte Maschinerie ihren Weg abwärts beendet hatte, diente ihr als Startschuss. Mit einer Geschwindigkeit, die einem ihrer Pfeile zur Ehre gereicht hätte, schnellte sie voran, zwischen überraschten Medusen hindurch, zielstrebig in die Richtung, aus der sie das rhythmische Klacken der Maschinerie gehört hatte.
In einer großen Kammer entdeckte sie das seltsame Gerät, das ihr Snick beschrieben hatte. Hastig tauschte sie einen Riemen gegen den aus, den ihr der elfische Heckenschütze mitgegeben hatte. Kaum war er in die Führung eingerastet, spurtete Siona schon wieder auf den Aufzug zu. Eine Stunde würde die Maschine noch überdauern, hatte Snick gesagt, aber darauf würde sich Siona nicht verlassen. Sie ignorierte die Schmerzen in der Brust, den Blutgeschmack im Mund, das Schreien ihrer Beine, und zwang sich, das Tempo noch weiter zu erhöhen. Der Pfeil einer Medusenkönigen verfehlte sie nur knapp. Mit einem Hechtsprung rettete sich Siona in den Aufzug und zog den Hebel.
Fortsetzung folgt...
Nach vollendeter Rast betrat sie erneut die Minen und begab sich zielstrebig zum Aufzug, den sie schon bei der Rettung der Zwerge entdeckt hatte. Sie atmete tief durch und betätigte den Mechanismus. Während des langsamen Abstiegs kauerte sie sich auf den Aufzugboden, alle Muskeln gespannt, bereit, sofort loszustürmen. Das dumpfe Knacken, als die alte Maschinerie ihren Weg abwärts beendet hatte, diente ihr als Startschuss. Mit einer Geschwindigkeit, die einem ihrer Pfeile zur Ehre gereicht hätte, schnellte sie voran, zwischen überraschten Medusen hindurch, zielstrebig in die Richtung, aus der sie das rhythmische Klacken der Maschinerie gehört hatte.
In einer großen Kammer entdeckte sie das seltsame Gerät, das ihr Snick beschrieben hatte. Hastig tauschte sie einen Riemen gegen den aus, den ihr der elfische Heckenschütze mitgegeben hatte. Kaum war er in die Führung eingerastet, spurtete Siona schon wieder auf den Aufzug zu. Eine Stunde würde die Maschine noch überdauern, hatte Snick gesagt, aber darauf würde sich Siona nicht verlassen. Sie ignorierte die Schmerzen in der Brust, den Blutgeschmack im Mund, das Schreien ihrer Beine, und zwang sich, das Tempo noch weiter zu erhöhen. Der Pfeil einer Medusenkönigen verfehlte sie nur knapp. Mit einem Hechtsprung rettete sich Siona in den Aufzug und zog den Hebel.
Fortsetzung folgt...
Keuchend stützte sie sich an der hölzernen Geländerkonstruktion ab. Vor ihren Augen tanzten bunte Flecken. Siona schwor sich, in absehbarer Zeit ihre Suche eine Weile zu unterbrechen, und eine Trainingspause einzulegen. Sie hatte die leise Befürchtung, dass dies nicht ihre letzte Sprinteinlage gewesen sein würde.
Dieses Gefühl bestätigte sich sehr viel schneller, als Siona lieb war - als sie im oberen Bereich der Minen, immer noch schwer atmend, den Aufzug verlassen wollte, stand plötzlich wie aus dem Nichts ein Blutsteinschleim direkt vor ihr. "Oh Götter, meine Gewänder", dachte Siona, und stürmte zum Höhleneingang.
Fürs Erste hatte sie genug von solch extremer körperlicher Belastung. Wozu war man denn Schlossherrin, wenn man sich nicht auch mal politisch betätigen und andere für sich arbeten lassen konnte? Andere für sich arbeiten lassen... Sie musterte ihre unerwünschten Begleiter, und entschied, dass sie es keinen Augenblick länger als nötig mit ihnen aushalten würde. Sie konnte nur hoffen, dass der Zwergenkönig zur Renovierung von Harmondale kompetenteres Personal zur Verfügung stellen würde, als diese sieben Jammerlappen. "So, ihr bärtigen kleinen Rattenfresser, es geht ab nach Hause!"
Der Thronsaal in Steinstadt bot einen befremdlichen Anblick. Der Zwergenkönig auf seinem Thron, umringt von den verlorenen Söhnen, die alle durcheinander auf ihn einredeten, und gleichzeitig von ihrer Versteinerung durch die Medusen, ihrer Rettung, und ihrer unzwergischen Behandlung auf dem Rückweg zu erzählen versuchten. Sieben Zwerge, und in ihrer Mitte der König, sein Kopf rot wie Blut, sein Bart weiß wie Schnee, und seine Zähne schwarz wie Ebenholz. Nachdem sie sich des sofortigen Beginns der Renovierungsarbeiten an ihrem Schloss versichert hatte, konnte Siona Steinstadt gar nicht eilig genug verlassen.
Siona hatte das Kleinvolk noch nie gemocht. Goldgierige bärtige Kinder, die auf der Höhe ihrer Knie mit Äxten herumfuchtelten, konnten einer stolzen Dame doch nur suspekt sein. Von ihren Lebens- und Ernährungsgewohnheiten und ihrem Mangel an Mundhygiene einmal ganz zu schweigen. Aber eines musste man ihnen lassen - sie arbeiteten schnell. Als Siona in Schloss Harmondy eintraf, war der Wiederaufbau bereits abgeschlossen.
Ihr Butler informierte sie, dass Abgesandte der Menschen und Elfen bereits im Schloss auf sie warteten. Siona schürzte verächtlich die Lippen. Politik! All die Jahre hatte sich niemand um Harmondale geschert, aber kaum hatte sie das Schloss wiederaufgebaut, beanspruchten die beiden angrenzenden Königreiche ihr Territorium für sich. Dass sie nicht mit den Spitzohren kooperieren würde, war ohnehin klar. Diese eingebildeten Waldaffen konnten bleiben, wo der Pfeffer wächst. Aber auch Erathia würde sich Siona nicht unterordnen. Sie war dort geboren, gewiss, aber was hatte Erathia jemals für sie getan? Was hatte Königin Catherine jemals für sie getan? Und jetzt, wo Siona aus eigener Kraft etwas Besitz angesammelt hatte, streckte dieses impertinente Weibsbild ihre manikürten Finger danach aus? Der Name Greifenherz schien jedenfalls offenbar gut zu ihrer Persönlichkeit zu passen. Sie würde schon sehen, was sie davon hatte, nach Sionas Eigentum zu greifen.
Den Aufwand, vor dem Empfang der Gesandten in das ziemlichere Burgherrinnengewandt zu schlüpfen, sparte Siona sich, und empfing die erschrockenen Gäste in ihrer nur notdürftig von Blutspuren befreiten Kettenrüstung. Mit gleichgültiger Miene hörte sie sich deren Anliegen an. So so, Audienzen. Warum bewegte das königliche Pack seine Hintern nicht einfach hierher? Wenn Siona mit denen fertig war, würden sie sich hüten, aufzutreten als seien sie etwas Besseres.
Ihre erste politische Reise galt Schloss Navan im Tulareanischen Wald. Dort trug ihr der Elfenkönig auf, geheime Pläne der Menschen aus dem Riverstride-Fort in Erathia zu besorgen. Siona hatte als Kind in der Nähe des Forts gespielt, und hielt es für keine gute Idee, dieses Gebäude ohne magische Tarnung zu betreten. Die engen Gänge und kleinen Räume würden sie für ihren Geschmack viel zu sehr in den Nahkampf drängen. Sicherlich, sie war eine gute Nahkämpferin, und Charele war eine formidable Waffe, aber Siona sah schlicht nicht ein, dass sie springen sollte, wenn der Elfenkönig mit den Fingern schnippte. Da musste es eine andere Möglichkeit geben.
Bei einem kleinen Abstecher nach Avlee ließ ihr Geschäftspartner Snick ihr wie vereinbart die Kampfmagier-Ausbildung zuteil werden. Mit Feuerbällen um sich werfen zu können, das hatte schon etwas - aber die neu erlangten magischen Fähigkeiten waren nur ein Teil von dem, was Siona erlangen wollte. Auf ihr Drängen hin verriet Snick ihr, dass er sie zur Scharfschützin ausbilden könnte, sobald sie sich für die Seite des Bösen entschied.
Die Seite des Bösen... Siona hatte sich in ihrem Leben bisher wenige Gedanken über Gut und Böse gemacht. Sie sah sich nicht als irgendeiner Seite zugehörig - sie war immer ihre eigene Seite gewesen. Gut... Böse... Licht... Schatten... das waren nur Bezeichnungen. War Töten böse? Wahrscheinlich schon, aber die gute Seite tötete auch. War Mitgefühl gut? Dann gehörte Siona nicht auf die gute Seite, denn sie verspürte keines... Oder könnte sie Mitgefühl lernen, wenn sie sich zum Guten bekannte? Wollte sie das überhaupt?
Siona schüttelte sich und verbannte diese Gedanken aus ihrem Herzen. Sie hatten keine Relevanz. Noch war niemand an sie herangetreten und hatte sie vor die Entscheidung zwischen Gut und Böse gestellt. Sie lachte leise. Die Vorstellung einer feierlichen Zeremonie, auf deren Höhepunkt die Priester der Sonne und des Mondes sie fragten "Nun denn, Tochter Siona, wähle dein Schicksal - entscheide zwischen Hell und Dunkel", war einfach nur lächerlich. In ihren Augen waren Gut und Böse nur Gravuren, die ihre Handlungen nachträglich erhielten, aber nichts, wofür sie sich aktiv entscheiden konnte.
Siona genoss ihre politische Reise. Insgeheim war sie froh, dass die Herrscher der Elfen und Menschen sich zu fein gewesen waren, selbst um eine Audienz bei der Herrscherin von Harmondale zu ersuchen. Auf diese Weise bot sich ihr eine willkommene Abwechslung zum kraftraubenden Kampfgetümmel. In Steadwick angekommen, berichtete sie Königin Catherine von der Absicht der Spitzohren, die Pläne von Fort Riverstride zu stehlen, und war regelrecht entzückt, als die Greifenherz einen Bediensteten aufforderte, ihr eine falsche Karte anzufertigen. Die würde Siona eine Menge Aufwand ersparen. Der Auftrag, einen Gefangenen der Elfen zu befreien, verschlechterte ihre Laune allerdings direkt wieder zusehends. Zudem hatte Siona nicht vor, den Menschen einen Vorteil in einem drohenden Krieg zu verschaffen. Sie war ihre eigene Seite.
So reiste sie zurück in die Elfenlande, übergab dem Elfenkönig die falschen Pläne als richtige. Als sie ihn über Catherines Auftrag unterrichtete, staunte sie nicht schlecht, als ihr prompt ein Doppelgänger des Gefangenen präsentiert wurde, den sie an dessen statt nach Erathia bringen sollte. Siona war durchaus stolz auf ihr politisches Geschick, aber von den Winkelzügen dieser beiden hinterhältigen Herrscherhäuser konnte selbst sie noch etwas lernen.
So wurde also der falsche Kriegsgefangene zurück nach Erathia gebracht, und Nachricht von der Übergabe der falschen Pläne erstattet, nur um direkt wieder nach Tularea zu reisen, und auch dort die Belohnung für den gelungenen Verrat einzustreichen. Das würde sie lehren, Siona nicht als vollwertige Herrscherin anzuerkennen.
Fortsetzung folgt...
Dieses Gefühl bestätigte sich sehr viel schneller, als Siona lieb war - als sie im oberen Bereich der Minen, immer noch schwer atmend, den Aufzug verlassen wollte, stand plötzlich wie aus dem Nichts ein Blutsteinschleim direkt vor ihr. "Oh Götter, meine Gewänder", dachte Siona, und stürmte zum Höhleneingang.
Fürs Erste hatte sie genug von solch extremer körperlicher Belastung. Wozu war man denn Schlossherrin, wenn man sich nicht auch mal politisch betätigen und andere für sich arbeten lassen konnte? Andere für sich arbeiten lassen... Sie musterte ihre unerwünschten Begleiter, und entschied, dass sie es keinen Augenblick länger als nötig mit ihnen aushalten würde. Sie konnte nur hoffen, dass der Zwergenkönig zur Renovierung von Harmondale kompetenteres Personal zur Verfügung stellen würde, als diese sieben Jammerlappen. "So, ihr bärtigen kleinen Rattenfresser, es geht ab nach Hause!"
Der Thronsaal in Steinstadt bot einen befremdlichen Anblick. Der Zwergenkönig auf seinem Thron, umringt von den verlorenen Söhnen, die alle durcheinander auf ihn einredeten, und gleichzeitig von ihrer Versteinerung durch die Medusen, ihrer Rettung, und ihrer unzwergischen Behandlung auf dem Rückweg zu erzählen versuchten. Sieben Zwerge, und in ihrer Mitte der König, sein Kopf rot wie Blut, sein Bart weiß wie Schnee, und seine Zähne schwarz wie Ebenholz. Nachdem sie sich des sofortigen Beginns der Renovierungsarbeiten an ihrem Schloss versichert hatte, konnte Siona Steinstadt gar nicht eilig genug verlassen.
Siona hatte das Kleinvolk noch nie gemocht. Goldgierige bärtige Kinder, die auf der Höhe ihrer Knie mit Äxten herumfuchtelten, konnten einer stolzen Dame doch nur suspekt sein. Von ihren Lebens- und Ernährungsgewohnheiten und ihrem Mangel an Mundhygiene einmal ganz zu schweigen. Aber eines musste man ihnen lassen - sie arbeiteten schnell. Als Siona in Schloss Harmondy eintraf, war der Wiederaufbau bereits abgeschlossen.
Ihr Butler informierte sie, dass Abgesandte der Menschen und Elfen bereits im Schloss auf sie warteten. Siona schürzte verächtlich die Lippen. Politik! All die Jahre hatte sich niemand um Harmondale geschert, aber kaum hatte sie das Schloss wiederaufgebaut, beanspruchten die beiden angrenzenden Königreiche ihr Territorium für sich. Dass sie nicht mit den Spitzohren kooperieren würde, war ohnehin klar. Diese eingebildeten Waldaffen konnten bleiben, wo der Pfeffer wächst. Aber auch Erathia würde sich Siona nicht unterordnen. Sie war dort geboren, gewiss, aber was hatte Erathia jemals für sie getan? Was hatte Königin Catherine jemals für sie getan? Und jetzt, wo Siona aus eigener Kraft etwas Besitz angesammelt hatte, streckte dieses impertinente Weibsbild ihre manikürten Finger danach aus? Der Name Greifenherz schien jedenfalls offenbar gut zu ihrer Persönlichkeit zu passen. Sie würde schon sehen, was sie davon hatte, nach Sionas Eigentum zu greifen.
Den Aufwand, vor dem Empfang der Gesandten in das ziemlichere Burgherrinnengewandt zu schlüpfen, sparte Siona sich, und empfing die erschrockenen Gäste in ihrer nur notdürftig von Blutspuren befreiten Kettenrüstung. Mit gleichgültiger Miene hörte sie sich deren Anliegen an. So so, Audienzen. Warum bewegte das königliche Pack seine Hintern nicht einfach hierher? Wenn Siona mit denen fertig war, würden sie sich hüten, aufzutreten als seien sie etwas Besseres.
Ihre erste politische Reise galt Schloss Navan im Tulareanischen Wald. Dort trug ihr der Elfenkönig auf, geheime Pläne der Menschen aus dem Riverstride-Fort in Erathia zu besorgen. Siona hatte als Kind in der Nähe des Forts gespielt, und hielt es für keine gute Idee, dieses Gebäude ohne magische Tarnung zu betreten. Die engen Gänge und kleinen Räume würden sie für ihren Geschmack viel zu sehr in den Nahkampf drängen. Sicherlich, sie war eine gute Nahkämpferin, und Charele war eine formidable Waffe, aber Siona sah schlicht nicht ein, dass sie springen sollte, wenn der Elfenkönig mit den Fingern schnippte. Da musste es eine andere Möglichkeit geben.
Bei einem kleinen Abstecher nach Avlee ließ ihr Geschäftspartner Snick ihr wie vereinbart die Kampfmagier-Ausbildung zuteil werden. Mit Feuerbällen um sich werfen zu können, das hatte schon etwas - aber die neu erlangten magischen Fähigkeiten waren nur ein Teil von dem, was Siona erlangen wollte. Auf ihr Drängen hin verriet Snick ihr, dass er sie zur Scharfschützin ausbilden könnte, sobald sie sich für die Seite des Bösen entschied.
Die Seite des Bösen... Siona hatte sich in ihrem Leben bisher wenige Gedanken über Gut und Böse gemacht. Sie sah sich nicht als irgendeiner Seite zugehörig - sie war immer ihre eigene Seite gewesen. Gut... Böse... Licht... Schatten... das waren nur Bezeichnungen. War Töten böse? Wahrscheinlich schon, aber die gute Seite tötete auch. War Mitgefühl gut? Dann gehörte Siona nicht auf die gute Seite, denn sie verspürte keines... Oder könnte sie Mitgefühl lernen, wenn sie sich zum Guten bekannte? Wollte sie das überhaupt?
Siona schüttelte sich und verbannte diese Gedanken aus ihrem Herzen. Sie hatten keine Relevanz. Noch war niemand an sie herangetreten und hatte sie vor die Entscheidung zwischen Gut und Böse gestellt. Sie lachte leise. Die Vorstellung einer feierlichen Zeremonie, auf deren Höhepunkt die Priester der Sonne und des Mondes sie fragten "Nun denn, Tochter Siona, wähle dein Schicksal - entscheide zwischen Hell und Dunkel", war einfach nur lächerlich. In ihren Augen waren Gut und Böse nur Gravuren, die ihre Handlungen nachträglich erhielten, aber nichts, wofür sie sich aktiv entscheiden konnte.
Siona genoss ihre politische Reise. Insgeheim war sie froh, dass die Herrscher der Elfen und Menschen sich zu fein gewesen waren, selbst um eine Audienz bei der Herrscherin von Harmondale zu ersuchen. Auf diese Weise bot sich ihr eine willkommene Abwechslung zum kraftraubenden Kampfgetümmel. In Steadwick angekommen, berichtete sie Königin Catherine von der Absicht der Spitzohren, die Pläne von Fort Riverstride zu stehlen, und war regelrecht entzückt, als die Greifenherz einen Bediensteten aufforderte, ihr eine falsche Karte anzufertigen. Die würde Siona eine Menge Aufwand ersparen. Der Auftrag, einen Gefangenen der Elfen zu befreien, verschlechterte ihre Laune allerdings direkt wieder zusehends. Zudem hatte Siona nicht vor, den Menschen einen Vorteil in einem drohenden Krieg zu verschaffen. Sie war ihre eigene Seite.
So reiste sie zurück in die Elfenlande, übergab dem Elfenkönig die falschen Pläne als richtige. Als sie ihn über Catherines Auftrag unterrichtete, staunte sie nicht schlecht, als ihr prompt ein Doppelgänger des Gefangenen präsentiert wurde, den sie an dessen statt nach Erathia bringen sollte. Siona war durchaus stolz auf ihr politisches Geschick, aber von den Winkelzügen dieser beiden hinterhältigen Herrscherhäuser konnte selbst sie noch etwas lernen.
So wurde also der falsche Kriegsgefangene zurück nach Erathia gebracht, und Nachricht von der Übergabe der falschen Pläne erstattet, nur um direkt wieder nach Tularea zu reisen, und auch dort die Belohnung für den gelungenen Verrat einzustreichen. Das würde sie lehren, Siona nicht als vollwertige Herrscherin anzuerkennen.
Fortsetzung folgt...
Den folgenden Monat verbrachte Siona in Tularea damit, zu trainieren und ihre magischen Fähigkeiten und ihren Umgang mit dem Speer zu verbessern. Nach wie vor war der Bogen ihre bevorzugte Waffe, aber sie wusste, dass sie flexibel genug sein musste, um im Falle eines Falles auf Alternativen zurückgreifen zu können.
In gewisser Weise sah sie diese Zeit als Urlaub. Sie verfügte über keinerlei Hinweise darüber, wo sich der perfekte Bogen befinden könnte, oder ob es ihn überhaupt gab, und auch bei ihrer weiteren Ausbildung schien niemand sie unterstützen zu wollen, bis sie sich nicht für eine Seite entschieden hatte. Leicht gesagt, aber wie sollte diese Entscheidung vonstatten gehen? Das konnte wohl nur die Zeit zeigen.
Ziemlich genau zwei Monate nach ihrem ersten Besuch in ihrem wieder aufgebauten Schloss, beschloss Siona, sich die tulareanischen Höhlen, um die sich viele Gerüchte zu ranken schienen, einmal selbst anzusehen. Aber kaum hatte sie den Eingang durchschritten, hörte sie von draußen lauten Kampflärm. Ohne zu zögern stürzte sie nach draußen, und rannte beinahe einen Boten aus Erathia über den Haufen, der ihr - oh Wunder - von einer Schlacht vor den tulareanischen Höhlen berichtete. "Ja ja, erzählt mir etwas, das ich nicht selbst sehe", fuhr sie ihn an. Etwas von einem verlorenen Blasinstrument murmelnd, zog der Gesandte beleidigt ab.
Siona versuchte, sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen. Die Menschen waren offenbar hoffnungslos in der Überzahl, aber keine der beiden Seiten schien irgendwelches Interesse an ihrer Person zu zeigen. Dann fiel ihr Blick auf eine Kiste neben dem Höhleneingang. Sie hätte schwören können, dass die dort eben noch nicht gestanden hatte. Ein kurzer Blick offenbarte eine goldene Fanfare, offenbar magisch und von großem Wert - und anscheinend genau das Artefakt, das der Auslöser für diese Schlacht gewesen war. Blitzschnell ließ Siona das Instrument unter ihrem Umhang verschwinden und verließ so unauffällig wie möglich das Schlachtfeld.
Allerdings stellte sich die Frage, was sie mit ihrer wertvollen Beute anfangen sollte. Die Fanfare schien so mächtig zu sein, dass es äußerst wahrscheinlich war, dass die Seite, der Siona sie übergeben würde, den Krieg gewinnen würde. Und sich nach dem Sieg direkt Harmondale einverleiben würde. Nein, weder Menschen noch Elfen würden sie bekommen. Siona würde sie nach Harmondale bringen. Lebte auf ihrem Land nicht ein alter Richter? Vielleicht konnte der etwas mit diesem Artefakt anfangen.
Anschließend an die Übergabe der Fanfare unternahm Siona einige Reisen zu verschiedenen Ausbildern, um Expertentum oder gar Meisterschaft in diversen Fertigkeiten zu erlangen. Immer öfter jedoch wurde sie auf das Land Nighon verwiesen, das offenbar nur durch einen versteckten unterirdischen Tunnel erreicht werden konnte, in dem es von gefährlichen Gegnern nur so wimmeln sollte. Siona nahm sich vor, diesem Land einen Besuch abzustatten, sobald sie wusste, wie sie sich für das Durchqueren der Gänge besser tarnen konnte. Weitere Sprints wie in den Zwergenminen wollte sie, so weit möglich, vermeiden.
In Bracada erwarb sie die Mitgliedschaft in der Bibliothek der Zaubererschule, in deren Regalen sie einige interessante Schriftrollen fand. Speziell die beiden Armageddon-Rollen würde sie vielleicht noch gut gebrauchen können, aber auch Leuchtfeuer schien ein interessanter Spruch zu sein. Leider fand sich hier auch nach intensivem Suchen keine Schriftrolle, die es ihr ermöglicht hätte, sich unbemerkt an Gegnern vorbeizuschleichen. Es beschlich Siona das ungute Gefühl, dass dies in naher Zukunft einen Gewaltlauf bedeuten würde, gegen den ihre Erfahrung aus den Minen in Bracada einem Spaziergang gleichkam.
Das Gespräch mit dem Erzkanzler der Zauberschule, einem gewissen Thomas Grey, endete mit einem Wutanfall von Sionas Seite. Erwartete dieser ärmliche Bücherwurm doch nicht nur von ihr, einen dämlichen Golem zusammenzubauen - als ob sie nichts besseres zu tun hätte - nein, zu allem Überfluss hatten diese inkompetenten Schwachköpfe es auch noch geschafft, die Einzelteile über den gesamten Kontinent zu verteilen. Glaubten die, sie sei deren Dienstmädchen? Überhaupt stieß ihr dieses ganze patriarchalische Macho-Gehabe sauer auf... Sie, ausgerechnet sie, die Herrscherin von Harmondale, die jedem einzelnen Mitglied der Zauberschule mit einer Hand das Genick brechen könnte, als schwaches kleines Mädchen zu behandeln! Das würden sie irgendwann bereuen.
In den Wüstengebieten von Bracada und Deyja übte sie sich ein wenig im Tontaubenschießen, indem sie Unzahlen von Greifen und Harpyen vom Himmel holte - als Lohn für ihren sportlichen Ehrgeiz fand sie dort einige goldene Dschinn-Lampen, von denen sie sich weitere Verbesserung ihrer Fertigkeiten wünschte. Inzwischen war es Ende Oktober, und damit beinahe vier Monate nach dem Wiederaufbau von Schloss Harmondy.
Fortsetzung folgt...
In gewisser Weise sah sie diese Zeit als Urlaub. Sie verfügte über keinerlei Hinweise darüber, wo sich der perfekte Bogen befinden könnte, oder ob es ihn überhaupt gab, und auch bei ihrer weiteren Ausbildung schien niemand sie unterstützen zu wollen, bis sie sich nicht für eine Seite entschieden hatte. Leicht gesagt, aber wie sollte diese Entscheidung vonstatten gehen? Das konnte wohl nur die Zeit zeigen.
Ziemlich genau zwei Monate nach ihrem ersten Besuch in ihrem wieder aufgebauten Schloss, beschloss Siona, sich die tulareanischen Höhlen, um die sich viele Gerüchte zu ranken schienen, einmal selbst anzusehen. Aber kaum hatte sie den Eingang durchschritten, hörte sie von draußen lauten Kampflärm. Ohne zu zögern stürzte sie nach draußen, und rannte beinahe einen Boten aus Erathia über den Haufen, der ihr - oh Wunder - von einer Schlacht vor den tulareanischen Höhlen berichtete. "Ja ja, erzählt mir etwas, das ich nicht selbst sehe", fuhr sie ihn an. Etwas von einem verlorenen Blasinstrument murmelnd, zog der Gesandte beleidigt ab.
Siona versuchte, sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen. Die Menschen waren offenbar hoffnungslos in der Überzahl, aber keine der beiden Seiten schien irgendwelches Interesse an ihrer Person zu zeigen. Dann fiel ihr Blick auf eine Kiste neben dem Höhleneingang. Sie hätte schwören können, dass die dort eben noch nicht gestanden hatte. Ein kurzer Blick offenbarte eine goldene Fanfare, offenbar magisch und von großem Wert - und anscheinend genau das Artefakt, das der Auslöser für diese Schlacht gewesen war. Blitzschnell ließ Siona das Instrument unter ihrem Umhang verschwinden und verließ so unauffällig wie möglich das Schlachtfeld.
Allerdings stellte sich die Frage, was sie mit ihrer wertvollen Beute anfangen sollte. Die Fanfare schien so mächtig zu sein, dass es äußerst wahrscheinlich war, dass die Seite, der Siona sie übergeben würde, den Krieg gewinnen würde. Und sich nach dem Sieg direkt Harmondale einverleiben würde. Nein, weder Menschen noch Elfen würden sie bekommen. Siona würde sie nach Harmondale bringen. Lebte auf ihrem Land nicht ein alter Richter? Vielleicht konnte der etwas mit diesem Artefakt anfangen.
Anschließend an die Übergabe der Fanfare unternahm Siona einige Reisen zu verschiedenen Ausbildern, um Expertentum oder gar Meisterschaft in diversen Fertigkeiten zu erlangen. Immer öfter jedoch wurde sie auf das Land Nighon verwiesen, das offenbar nur durch einen versteckten unterirdischen Tunnel erreicht werden konnte, in dem es von gefährlichen Gegnern nur so wimmeln sollte. Siona nahm sich vor, diesem Land einen Besuch abzustatten, sobald sie wusste, wie sie sich für das Durchqueren der Gänge besser tarnen konnte. Weitere Sprints wie in den Zwergenminen wollte sie, so weit möglich, vermeiden.
In Bracada erwarb sie die Mitgliedschaft in der Bibliothek der Zaubererschule, in deren Regalen sie einige interessante Schriftrollen fand. Speziell die beiden Armageddon-Rollen würde sie vielleicht noch gut gebrauchen können, aber auch Leuchtfeuer schien ein interessanter Spruch zu sein. Leider fand sich hier auch nach intensivem Suchen keine Schriftrolle, die es ihr ermöglicht hätte, sich unbemerkt an Gegnern vorbeizuschleichen. Es beschlich Siona das ungute Gefühl, dass dies in naher Zukunft einen Gewaltlauf bedeuten würde, gegen den ihre Erfahrung aus den Minen in Bracada einem Spaziergang gleichkam.
Das Gespräch mit dem Erzkanzler der Zauberschule, einem gewissen Thomas Grey, endete mit einem Wutanfall von Sionas Seite. Erwartete dieser ärmliche Bücherwurm doch nicht nur von ihr, einen dämlichen Golem zusammenzubauen - als ob sie nichts besseres zu tun hätte - nein, zu allem Überfluss hatten diese inkompetenten Schwachköpfe es auch noch geschafft, die Einzelteile über den gesamten Kontinent zu verteilen. Glaubten die, sie sei deren Dienstmädchen? Überhaupt stieß ihr dieses ganze patriarchalische Macho-Gehabe sauer auf... Sie, ausgerechnet sie, die Herrscherin von Harmondale, die jedem einzelnen Mitglied der Zauberschule mit einer Hand das Genick brechen könnte, als schwaches kleines Mädchen zu behandeln! Das würden sie irgendwann bereuen.
In den Wüstengebieten von Bracada und Deyja übte sie sich ein wenig im Tontaubenschießen, indem sie Unzahlen von Greifen und Harpyen vom Himmel holte - als Lohn für ihren sportlichen Ehrgeiz fand sie dort einige goldene Dschinn-Lampen, von denen sie sich weitere Verbesserung ihrer Fertigkeiten wünschte. Inzwischen war es Ende Oktober, und damit beinahe vier Monate nach dem Wiederaufbau von Schloss Harmondy.
Fortsetzung folgt...
Vier Monate voller Politik, Training und Urlaub - aber auch vier Monate, in denen sie kein einziges Dungeon ausgeräumt hatte, in denen sie ihrem Ziel, den perfekten Bogen zu finden, kein Stück näher gekommen war. Frustrierend. Plötzlich umgab Siona ein Gefühl der Leere. Was machte sie hier? Mitten in der unwirtlichen Wüste von Deyja. Schönes Wetter gab es hier, sicherlich... viel Sonne... aber gerade die Sonne begann immer mehr, sie zu stören. Sie blendete sie, hinderte sie am Zielen, sie strapazierte ihr Haar, nahm ihrer Haut die edle Blässe... Wieso lobten so viele Menschen die Sonne so hoch? Es schien Siona, als sei der dämliche Feuerball erheblich überbewertet. Die Händler in Deyja hatten es verstanden, sie öffneten ihre Geschäfte erst nachts. Überaus praktisch, nachts einzukaufen... Irgendwann würde sie ein Gesetz erlassen, dass den Läden in Harmondale vorschrieb, durchgängig geöffnet zu haben.
Harmondale... Siona bemerkte, dass sie ihr kleines Stück Land ein wenig vermisste. Ihre Heimat war nicht mehr Erathia, ihre Heimat war Schloss Harmondale... dort, wo man sie verehrte, als Herrscherin achtete, ihr den Respekt und die Unterwürfigkeit zuteil werden ließ, wie sie es verdiente. Siona versuchte, den Gedanken loszuwerden. Heimweh war Schwäche. Andererseits, kurz einmal nach dem Rechten zu sehen, war sicherlich kein Fehler...
Siona hatte einmal gehört, eine wahre Herrscherin sei eins mit ihrem Reich. Sie spüre das Land, spüre wenn es leide, spüre wenn ihr Eingreifen nötig werde... Und so wunderte sie sich kaum, als sie vor den Toren von Schloss Harmondy ein Bote mit der Nachricht des Todes von Richter Grey empfing. Allerdings stieg wieder die Wut in ihr hoch, als sie hörte, dass sie den neuen Richter nicht allein bestimmen, sondern lediglich zwischen den Kandidaten zweier Seiten auswählen sollte. "Welcher Wurm wagt es, sich schon wieder in meine Regierungsangelegenheiten einzumischen?" polterte sie, als sie den Thronsaal betrat.
Zauberer. Sie hätte es wissen müssen. Diese verweichlichten fetten Sprücheklopfer mit ihrer verstaubten patriarchaischen Weltanschauung! Und als Gesandten hatten sie offenbar ein besonders prächtiges Exemplar geballter astraler Inkompetenz erwählt. "Ich... wir..." entgegnete er zitternd auf ihre unwirsche Anrede. "Sprich oder lass es sein, ich habe nicht den ganzen Tag Zeit!" herrschte Siona ihn an. Als er mit einiger Mühe und Angstschweiß auf der Stirn sein Anliegen berichtet hatte, brach Siona in lautes Gelächter aus. "Ihr lächerlichen Robenaffen glaubt ernsthaft, ihr müsstet nur mit einer Wunderkerze herumfuchteln, um Menschen eurem Willen zu beugen? Geht nach Hause und krault Euch den Bart, alter Mann, aber lasst mich mit Euren Anliegen in Frieden. Und richte deinem Meister aus, das nächste Mal kann er seinen Abfall selbst zusammensuchen!"
Aus einem schlecht ausgeleuchteten Ecke des Thronsaals war ein linkisches Kichern zu vernehmen. "Komm raus", befahl Siona, "oder glaubst du im Ernst, ich könne nicht im Dunkeln sehen?" - "Nur im Dunklen zeigt sich, wer blind ist und wer wahrlich sehen kann", antwortete die finstere Gestalt, "und ich sehe, Ihr habt die Finsternis berührt. Umarmt sie, macht sie zu Eurem Mantel, umgebt euch mit der Nacht, und sie wird Euch mächtiger machen, als Ihr es euch erträumen könnt." - "Ja ja, mag sein", entgegnete Siona. "Kommt zum Punkt. Ihr habt eine Bitte an mich?"
Die Totenbeschwörer von Deyja also. Siona hatte sich schon gefragt, wann sie einmal einem begegnen würde. Sie hatte viel von ihnen gehört. Mythen, Legenden von unaussprechlichen Ritualen - viel Unsinn wahrscheinlich auch, Gerüchte, entstanden durch Furcht vor dem, was die Leute nicht verstanden. In jedem Fall waren sie die Feinde der Zauberer, und damit für Siona potentielle Verbündete. Und da sich kein dritter Kandidat zu finden schien, würde sie eben den der Totenbeschwörer erwählen.
Fortsetzung folgt...
Harmondale... Siona bemerkte, dass sie ihr kleines Stück Land ein wenig vermisste. Ihre Heimat war nicht mehr Erathia, ihre Heimat war Schloss Harmondale... dort, wo man sie verehrte, als Herrscherin achtete, ihr den Respekt und die Unterwürfigkeit zuteil werden ließ, wie sie es verdiente. Siona versuchte, den Gedanken loszuwerden. Heimweh war Schwäche. Andererseits, kurz einmal nach dem Rechten zu sehen, war sicherlich kein Fehler...
Siona hatte einmal gehört, eine wahre Herrscherin sei eins mit ihrem Reich. Sie spüre das Land, spüre wenn es leide, spüre wenn ihr Eingreifen nötig werde... Und so wunderte sie sich kaum, als sie vor den Toren von Schloss Harmondy ein Bote mit der Nachricht des Todes von Richter Grey empfing. Allerdings stieg wieder die Wut in ihr hoch, als sie hörte, dass sie den neuen Richter nicht allein bestimmen, sondern lediglich zwischen den Kandidaten zweier Seiten auswählen sollte. "Welcher Wurm wagt es, sich schon wieder in meine Regierungsangelegenheiten einzumischen?" polterte sie, als sie den Thronsaal betrat.
Zauberer. Sie hätte es wissen müssen. Diese verweichlichten fetten Sprücheklopfer mit ihrer verstaubten patriarchaischen Weltanschauung! Und als Gesandten hatten sie offenbar ein besonders prächtiges Exemplar geballter astraler Inkompetenz erwählt. "Ich... wir..." entgegnete er zitternd auf ihre unwirsche Anrede. "Sprich oder lass es sein, ich habe nicht den ganzen Tag Zeit!" herrschte Siona ihn an. Als er mit einiger Mühe und Angstschweiß auf der Stirn sein Anliegen berichtet hatte, brach Siona in lautes Gelächter aus. "Ihr lächerlichen Robenaffen glaubt ernsthaft, ihr müsstet nur mit einer Wunderkerze herumfuchteln, um Menschen eurem Willen zu beugen? Geht nach Hause und krault Euch den Bart, alter Mann, aber lasst mich mit Euren Anliegen in Frieden. Und richte deinem Meister aus, das nächste Mal kann er seinen Abfall selbst zusammensuchen!"
Aus einem schlecht ausgeleuchteten Ecke des Thronsaals war ein linkisches Kichern zu vernehmen. "Komm raus", befahl Siona, "oder glaubst du im Ernst, ich könne nicht im Dunkeln sehen?" - "Nur im Dunklen zeigt sich, wer blind ist und wer wahrlich sehen kann", antwortete die finstere Gestalt, "und ich sehe, Ihr habt die Finsternis berührt. Umarmt sie, macht sie zu Eurem Mantel, umgebt euch mit der Nacht, und sie wird Euch mächtiger machen, als Ihr es euch erträumen könnt." - "Ja ja, mag sein", entgegnete Siona. "Kommt zum Punkt. Ihr habt eine Bitte an mich?"
Die Totenbeschwörer von Deyja also. Siona hatte sich schon gefragt, wann sie einmal einem begegnen würde. Sie hatte viel von ihnen gehört. Mythen, Legenden von unaussprechlichen Ritualen - viel Unsinn wahrscheinlich auch, Gerüchte, entstanden durch Furcht vor dem, was die Leute nicht verstanden. In jedem Fall waren sie die Feinde der Zauberer, und damit für Siona potentielle Verbündete. Und da sich kein dritter Kandidat zu finden schien, würde sie eben den der Totenbeschwörer erwählen.
Fortsetzung folgt...
Sleen war der Name des Mannes, der nun den Platz des Richters in Harmondale einnehmen sollte. Als Siona ihn in der Taverne von Deyja abholte, sah er ihr zunächst wortlos tief in die Augen. Nach einer scheinbar endlosen Zeitspanne, begann er zu sprechen. "Ich sehe, mein Kind, du trägst die Finsternis bereits in dir. Noch wirst du es nur als ein vages Gefühl spüren, mehr Zwielicht als allumfassende Dunkelheit, aber schon bald wird es wachsen und gedeihen. Du wirst es nicht bedauern, dich auf die Seite des Schattes begeben zu haben... Diese lächerlichen Zauberer nennen sich Diener des Lichts, und nichts mehr als Diener können sie jemals sein. Du bist jetzt schon eine Herrscherin, und eine große Herrscherin des Schattens wirst du werden." - "Ich gehöre keiner Seite an", erwiderte Siona, "ich bin meine eigene Seite!" Sleen sah sie lächelnd an. "In der Finsternis, mein Kind, sind alle Armeen gleich groß, und jeder ist auf sich selbst gestellt. Im Grunde sind wir alle unsere eigene Seite, denn wir folgen nicht, wir führen."
Auf dem Weg nach Harmondale wurde nicht mehr gesprochen. Nachdenklich betrachtete Siona ihr Spiegelbild in der Scheibe der Kutsche. Licht und Schatten, das waren nur schöne Worte, die das wahre Antlitz der beiden verfeindeten Lager nur unzureichend verbergen konnten. Siona hatte sich für das Böse entschieden. Nicht aus Überzeugung, sondern weil sie die Zauberer hasste. Die Zauberer und ihr großes Gehabe, ihr herablassendes Getue... Eigentlich müsste sie sich dafür schlecht fühlen. Stattdessen beschlich sie ein merkwürdiges Gefühl der Zufriedenheit. Sie hatte keine verlogenen Freunde gewonnen, sondern Geschäftspartner. Jeder auf dieser Seite war sich darüber im Klaren, dass man nicht mehr als ein Zweckbündnis eingegangen war. Am Ende stand jeder für sich allein. Jeder seine eigene Seite.
Durch die Scheibe der schwankenden Kutsche fielen die letzten Strahlen der untergehenden Sonne auf ihr Gesicht. Endlich Nacht. Sie hasste die Sonne.
Nachdem Sleen sein neues Heim bezogen hatte, reiste Siona direkt nach Avlee. Sicherlich, der Richter hatte sie darauf hingewiesen, dass Archibald, der Anführer der Nekromanten, sie in der Grube unter Deyja empfangen wollte - aber Archibald würde warten müssen. Siona war niemandes Untergebene, und er würde zu akzeptieren haben, dass sie seine Einladung wahrnahm, wann es ihr passte.
In Avlee schien Snick sie bereits erwartet zu haben. Offenbar hatte ihn die Nachricht bereits erreicht. Aber was sie von ihm hörte, hatte Siona nicht erwartet. Sie war wegen der Beförderung zur Scharfschützin hier - und hier saß vor ihr seelenruhig ihr Lehrer, und nannte ihr den Ort, an dem sie den perfekten Bogen finden würde... das Ziel ihrer Suche... Doch die Euphorie wich schnell dem Schrecken. Hatte der Mann gerade "Titanenfestung" gesagt? Titanen? Sie war eine hervorragende Kämpferin, und falsche Bescheidenheit gehörte sicherlich nicht zu ihren hervorstechenden Eigenschaften - aber wie um alles in der Welt sollte sie gegen Titanen bestehen? Auch der Traum von der Unsichtbarkeit hatte sich nicht erfüllt. Aber wollte sie Jahre vergehen lassen, an ihren Fähigkeiten feilen, sinnlose Aufträge erfüllen, wenn ihr großes Ziel so nah war? Niemals. Sie war eine Fürstin der Finsternis. Sie würde vielleicht noch keine Vernichtung unter den Riesen säen, und sie würde auch nicht völlig ungesehen den Bogen entwenden können. Aber sie konnte den Auftrag angehen, wie sie auch Snicks letzte Aufgabe erledigt hatte. Sie würde rennen. Sie würde rennen wie noch nie ein Mensch gerannt war. So viel größer als die Minen konnte die Titanenfestung ja nicht sein. Und wenn sie als Schützin eines sicher wusste, dann war es, dass ein bewegliches Ziel schwerer zu treffen ist. Je schneller, desto schwieriger. Und sie würde verdammt schnell sein.
Um die Titanenfestung zu erreichen wählte sie den Luftweg. Sie hatte in einer Truhe in Bracada eine Fliegen-Schriftrolle gefunden, und fühlte, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen war, die Rolle auch einzusetzen. So konnte sie ihre Beine für den Sprint auf Leben und Tod schonen. Sie landete direkt vor dem Eingang und betrat die Festung sofort.
Kaum war das Tor durchschritten, blieb Siona wie angewurzelt stehen. Hätte im Eingangsbereich ein Titan gestanden, sie würde jetzt unter ihren Vorfahren weilen. Diese Festung war riesig! Von außen hatte sie gar nicht so groß ausgesehen, aber sie war gigantisch. Siona schluckte. Jetzt gab es kein Zurück mehr. Vorsichtig schlich sie die überdimensionale Treppe herauf und blinzelte um die Ecke. Da standen schon die ersten Titanen. Siona holte noch einmal tief Luft, schloss die Augen, fühlte jeden ihrer Muskeln, als sie die Spannung in ihrem Körper aufbaute - und stürmte los. Erst einmal geradeaus, weg von den gerade gesehenen Titanen - und geradewegs auf ein paar Drachen zu! Mit einem Hechtsprung rettete sie sich vor einem Feuerstoß, rollte sich ab, war sofort wieder auf den Beinen und rannte weiter, heftig hustend von dem eingeatmeten Qualm. Weiter nur weiter, vorbei an einer Gruppe Titanen. Eisige Messer bohrten sich in ihre Seite. Sie wusste, dass sie wieder regelmäßiger Atmen musste, aber der Hustenreiz wollte nicht abreißen. Sie bog um eine Ecke, strauchelte. Die Zeit schien langsamer zu laufen. Wenn sie jetzt fiel, würde sie nie wieder aufstehen. Mit der Hand drückte sie sich an der Wand ab, um ihr Gleichgewicht wiederzuerlangen... und stürmte weiter. Ihr Fußgelenk sandte beim Auftreten heißen Schmerz durch ihren Körper, Schweiß und Blut rannen ihr in die Augen. Blut? Irgendetwas musste sie erwischt haben. Sie sah sich um, und wusste, dass es vorbei war. Jemand, der eine solche Blutspur hinter sich herzog, konnte nicht mehr lange überleben. Aber wieso jetzt? Wieso hier? So nah am Ziel? Schon hinter der nächsten Ecke könnte der perfekte Bogen warten... Siona verfluchte die Götter, die sie jetzt, ausgerechnet jetzt, sterben lassen wollten.
Fortsetzung folgt...
Auf dem Weg nach Harmondale wurde nicht mehr gesprochen. Nachdenklich betrachtete Siona ihr Spiegelbild in der Scheibe der Kutsche. Licht und Schatten, das waren nur schöne Worte, die das wahre Antlitz der beiden verfeindeten Lager nur unzureichend verbergen konnten. Siona hatte sich für das Böse entschieden. Nicht aus Überzeugung, sondern weil sie die Zauberer hasste. Die Zauberer und ihr großes Gehabe, ihr herablassendes Getue... Eigentlich müsste sie sich dafür schlecht fühlen. Stattdessen beschlich sie ein merkwürdiges Gefühl der Zufriedenheit. Sie hatte keine verlogenen Freunde gewonnen, sondern Geschäftspartner. Jeder auf dieser Seite war sich darüber im Klaren, dass man nicht mehr als ein Zweckbündnis eingegangen war. Am Ende stand jeder für sich allein. Jeder seine eigene Seite.
Durch die Scheibe der schwankenden Kutsche fielen die letzten Strahlen der untergehenden Sonne auf ihr Gesicht. Endlich Nacht. Sie hasste die Sonne.
Nachdem Sleen sein neues Heim bezogen hatte, reiste Siona direkt nach Avlee. Sicherlich, der Richter hatte sie darauf hingewiesen, dass Archibald, der Anführer der Nekromanten, sie in der Grube unter Deyja empfangen wollte - aber Archibald würde warten müssen. Siona war niemandes Untergebene, und er würde zu akzeptieren haben, dass sie seine Einladung wahrnahm, wann es ihr passte.
In Avlee schien Snick sie bereits erwartet zu haben. Offenbar hatte ihn die Nachricht bereits erreicht. Aber was sie von ihm hörte, hatte Siona nicht erwartet. Sie war wegen der Beförderung zur Scharfschützin hier - und hier saß vor ihr seelenruhig ihr Lehrer, und nannte ihr den Ort, an dem sie den perfekten Bogen finden würde... das Ziel ihrer Suche... Doch die Euphorie wich schnell dem Schrecken. Hatte der Mann gerade "Titanenfestung" gesagt? Titanen? Sie war eine hervorragende Kämpferin, und falsche Bescheidenheit gehörte sicherlich nicht zu ihren hervorstechenden Eigenschaften - aber wie um alles in der Welt sollte sie gegen Titanen bestehen? Auch der Traum von der Unsichtbarkeit hatte sich nicht erfüllt. Aber wollte sie Jahre vergehen lassen, an ihren Fähigkeiten feilen, sinnlose Aufträge erfüllen, wenn ihr großes Ziel so nah war? Niemals. Sie war eine Fürstin der Finsternis. Sie würde vielleicht noch keine Vernichtung unter den Riesen säen, und sie würde auch nicht völlig ungesehen den Bogen entwenden können. Aber sie konnte den Auftrag angehen, wie sie auch Snicks letzte Aufgabe erledigt hatte. Sie würde rennen. Sie würde rennen wie noch nie ein Mensch gerannt war. So viel größer als die Minen konnte die Titanenfestung ja nicht sein. Und wenn sie als Schützin eines sicher wusste, dann war es, dass ein bewegliches Ziel schwerer zu treffen ist. Je schneller, desto schwieriger. Und sie würde verdammt schnell sein.
Um die Titanenfestung zu erreichen wählte sie den Luftweg. Sie hatte in einer Truhe in Bracada eine Fliegen-Schriftrolle gefunden, und fühlte, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen war, die Rolle auch einzusetzen. So konnte sie ihre Beine für den Sprint auf Leben und Tod schonen. Sie landete direkt vor dem Eingang und betrat die Festung sofort.
Kaum war das Tor durchschritten, blieb Siona wie angewurzelt stehen. Hätte im Eingangsbereich ein Titan gestanden, sie würde jetzt unter ihren Vorfahren weilen. Diese Festung war riesig! Von außen hatte sie gar nicht so groß ausgesehen, aber sie war gigantisch. Siona schluckte. Jetzt gab es kein Zurück mehr. Vorsichtig schlich sie die überdimensionale Treppe herauf und blinzelte um die Ecke. Da standen schon die ersten Titanen. Siona holte noch einmal tief Luft, schloss die Augen, fühlte jeden ihrer Muskeln, als sie die Spannung in ihrem Körper aufbaute - und stürmte los. Erst einmal geradeaus, weg von den gerade gesehenen Titanen - und geradewegs auf ein paar Drachen zu! Mit einem Hechtsprung rettete sie sich vor einem Feuerstoß, rollte sich ab, war sofort wieder auf den Beinen und rannte weiter, heftig hustend von dem eingeatmeten Qualm. Weiter nur weiter, vorbei an einer Gruppe Titanen. Eisige Messer bohrten sich in ihre Seite. Sie wusste, dass sie wieder regelmäßiger Atmen musste, aber der Hustenreiz wollte nicht abreißen. Sie bog um eine Ecke, strauchelte. Die Zeit schien langsamer zu laufen. Wenn sie jetzt fiel, würde sie nie wieder aufstehen. Mit der Hand drückte sie sich an der Wand ab, um ihr Gleichgewicht wiederzuerlangen... und stürmte weiter. Ihr Fußgelenk sandte beim Auftreten heißen Schmerz durch ihren Körper, Schweiß und Blut rannen ihr in die Augen. Blut? Irgendetwas musste sie erwischt haben. Sie sah sich um, und wusste, dass es vorbei war. Jemand, der eine solche Blutspur hinter sich herzog, konnte nicht mehr lange überleben. Aber wieso jetzt? Wieso hier? So nah am Ziel? Schon hinter der nächsten Ecke könnte der perfekte Bogen warten... Siona verfluchte die Götter, die sie jetzt, ausgerechnet jetzt, sterben lassen wollten.
Fortsetzung folgt...
"Nein! Ihr kriegt mich nicht! Jetzt noch nicht!" Siona würde es nicht den Göttern überlassen, wann sie abtrat. Aber jetzt brauchte sie ihre Hilfe. "Denk nach, denk nach!" Ihr ganzer Körper bestand nur noch aus Schmerz. "Göttliche Hilfe... Göttlicher Eingriff!" Immer noch in Bewegung, wenn auch ob ihrer schweren Verletzungen längst nicht mehr in vollem Tempo, begann Siona hastig in ihrem Gepäck zu wühlen. Endlose Sekunden dauerte es, bevor sie das ertastete, wonach sie gesucht hatte. Ihre Finger hinterließen blutige Abdrücke auf der Schriftrolle. Siona holte tief Luft. Sie wusste, wenn das hier nicht klappte, würde es ihr letzter Atemzug gewesen sein.
Eilig rezitierte sie den Spruch auf der Rolle. Sie wusste nicht einmal mehr genau, wo sie sie gefunden hatte. Als sie die letzte Silbe gelesen hatte, sah sie an sich herunter. Immer noch alles voller Blut. So viel zur Hilfe der Götter. Sie wollte sich gerade in ihr Schicksal ergeben, als sie Schreie hörte... Die Schreie ihrer drei ungewollten Begleiter, Huey, Duey und Louie! Also hatte der Spruch doch gewirkt! Tatsächlich, der Schmerz war verschwunden, und ihre Kleidung war zwar mit Blut durchtränkt, doch ihre Wunden hatten sich geschlossen! "Köpfe runter, ihr Spatzenhirne", brüllte sie, und stürmte weiter geradeaus und in den nächsten Seitengang, der in einen - für die Verhältnisse der Titanenfestung - eher kleinen Raum führte. Einen Raum mit nur einem Eingang. Siona wirbelte herum. Offenbar hatten die Titanen sie verloren, aber es war nur eine Frage der Zeit, bis sie sie wieder entdecken würden. Schon wieder lief ihr frisches Blut in die Augen. Von ihrem unliebsamen Anhang hatte es nur Huey geschafft. Die beiden anderen hatten bereits wieder das Schicksal erlitten, dem Siona vorerst knapp entgangen war.
Vorerst, denn selbst wenn die Titanen sie hier nicht finden würden - was sie ernsthaft bezweifelte - würde sie auf dem Weg heraus wieder an ihnen vorbeimüssen. Und immer noch keine Spur vom perfekten Bogen... Sionas Blick fiel auf eine Truhe in der Mitte des Raumes. Sollte sie so viel Glück haben? Mit zittrigen Fingern öffnete sie das Schloss - und konnte sich gerade noch rechtzeitig hinwerfen, um dem Großteil der Wucht der Falle zu entgehen. Huey war da weniger reaktionsschnell, was das Ende seines kurzen Gastspiels bedeutete.
Vorsichtig öffnete Siona die Truhe. Blut rann ihre Arme hinab und fiel in Tropfen auf den Boden, auf den Deckel der Truhe, auf den Inhalt... Die Falle hatte sie heftiger erwischt, als sie zunächst gedacht hatte. Darum würde sie sich später kümmern. Immer noch zitternd zog sie einen Bogen aus der Truhe hervor. Ein exquisit gefertigtes Stück, keine Frage. Sie wog ihn in der Hand... Perfekt ausbalanciert. Das musste er sein, der Perfekte Bogen... So hatte ihn Snick beschrieben. Siona zog einen Pfeil aus ihrem Gepäck und legte an.
Moment mal. Irgendetwas stimmte mit dem Bogen nicht. Sollte er durch das lange Liegen in der Kiste an Elastizität verloren haben? Oder war er gar nie wirklich perfekt gewesen, nur ein Mythos, ein Märchen, eine Lüge? Snick würde einiges zu erklären haben. Aber erst einmal musste sie diesen Ort wieder lebend verlassen. Auf die Hilfe der Götter konnte sie sich nicht mehr stützen, die Schriftrolle war ihre einzige gewesen. Mit hastigen Schlucken leerte sie sämtliche ihr noch verbliebenen Heiltränke. Innerlich verfluchte sie ihre Hast beim Betreten der Festung. Wie hatte sie nur vergessen können, draußen ein Leuchtfeuer zu setzen! Jetzt musste sie den ganzen Weg wieder zurückrennen...
Fortsetzung folgt...
Eilig rezitierte sie den Spruch auf der Rolle. Sie wusste nicht einmal mehr genau, wo sie sie gefunden hatte. Als sie die letzte Silbe gelesen hatte, sah sie an sich herunter. Immer noch alles voller Blut. So viel zur Hilfe der Götter. Sie wollte sich gerade in ihr Schicksal ergeben, als sie Schreie hörte... Die Schreie ihrer drei ungewollten Begleiter, Huey, Duey und Louie! Also hatte der Spruch doch gewirkt! Tatsächlich, der Schmerz war verschwunden, und ihre Kleidung war zwar mit Blut durchtränkt, doch ihre Wunden hatten sich geschlossen! "Köpfe runter, ihr Spatzenhirne", brüllte sie, und stürmte weiter geradeaus und in den nächsten Seitengang, der in einen - für die Verhältnisse der Titanenfestung - eher kleinen Raum führte. Einen Raum mit nur einem Eingang. Siona wirbelte herum. Offenbar hatten die Titanen sie verloren, aber es war nur eine Frage der Zeit, bis sie sie wieder entdecken würden. Schon wieder lief ihr frisches Blut in die Augen. Von ihrem unliebsamen Anhang hatte es nur Huey geschafft. Die beiden anderen hatten bereits wieder das Schicksal erlitten, dem Siona vorerst knapp entgangen war.
Vorerst, denn selbst wenn die Titanen sie hier nicht finden würden - was sie ernsthaft bezweifelte - würde sie auf dem Weg heraus wieder an ihnen vorbeimüssen. Und immer noch keine Spur vom perfekten Bogen... Sionas Blick fiel auf eine Truhe in der Mitte des Raumes. Sollte sie so viel Glück haben? Mit zittrigen Fingern öffnete sie das Schloss - und konnte sich gerade noch rechtzeitig hinwerfen, um dem Großteil der Wucht der Falle zu entgehen. Huey war da weniger reaktionsschnell, was das Ende seines kurzen Gastspiels bedeutete.
Vorsichtig öffnete Siona die Truhe. Blut rann ihre Arme hinab und fiel in Tropfen auf den Boden, auf den Deckel der Truhe, auf den Inhalt... Die Falle hatte sie heftiger erwischt, als sie zunächst gedacht hatte. Darum würde sie sich später kümmern. Immer noch zitternd zog sie einen Bogen aus der Truhe hervor. Ein exquisit gefertigtes Stück, keine Frage. Sie wog ihn in der Hand... Perfekt ausbalanciert. Das musste er sein, der Perfekte Bogen... So hatte ihn Snick beschrieben. Siona zog einen Pfeil aus ihrem Gepäck und legte an.
Moment mal. Irgendetwas stimmte mit dem Bogen nicht. Sollte er durch das lange Liegen in der Kiste an Elastizität verloren haben? Oder war er gar nie wirklich perfekt gewesen, nur ein Mythos, ein Märchen, eine Lüge? Snick würde einiges zu erklären haben. Aber erst einmal musste sie diesen Ort wieder lebend verlassen. Auf die Hilfe der Götter konnte sie sich nicht mehr stützen, die Schriftrolle war ihre einzige gewesen. Mit hastigen Schlucken leerte sie sämtliche ihr noch verbliebenen Heiltränke. Innerlich verfluchte sie ihre Hast beim Betreten der Festung. Wie hatte sie nur vergessen können, draußen ein Leuchtfeuer zu setzen! Jetzt musste sie den ganzen Weg wieder zurückrennen...
Fortsetzung folgt...
Danke! 
Das Schlimme ist, genau so ist das Spiel wirklich gelaufen - inklusive der deus ex machina (bzw. deus ex volumine) Szene und der Aktion mit dem Leuchtfeuer. Ich hab mich vielleicht geärgert - 4 oder 5 Rollen im Inventar, aber vor lauter Vorfreude auf den perfekten Bogen vergessen, eine zu benutzen...
Na ja, hebt die Spannung...
Inzwischen ist die Story wieder fast so weit fortgeschritten, wie mein Spiel... ich muss mal überlegen, in welcher Form ich das jetzt weiterführe, der perfekte Bogen ist ja jetzt erstmal gefunden... ich denke, ich werd mir tiefgehende Beschreibungen der unwichtigen Quests schenken und werd mich auf die Entwicklung der Hauptfigur und die MM7-Storyline beschränken... mal sehen.
Das Schlimme ist, genau so ist das Spiel wirklich gelaufen - inklusive der deus ex machina (bzw. deus ex volumine) Szene und der Aktion mit dem Leuchtfeuer. Ich hab mich vielleicht geärgert - 4 oder 5 Rollen im Inventar, aber vor lauter Vorfreude auf den perfekten Bogen vergessen, eine zu benutzen...
Inzwischen ist die Story wieder fast so weit fortgeschritten, wie mein Spiel... ich muss mal überlegen, in welcher Form ich das jetzt weiterführe, der perfekte Bogen ist ja jetzt erstmal gefunden... ich denke, ich werd mir tiefgehende Beschreibungen der unwichtigen Quests schenken und werd mich auf die Entwicklung der Hauptfigur und die MM7-Storyline beschränken... mal sehen.






